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Fatalismus
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Als Fatalismus (von lateinisch fatalis âdas Schicksal betreffendâ) bezeichnet man eine Weltanschauung, der zufolge das Geschehen in Natur und Gesellschaft durch eine höhere Macht oder aufgrund logischer Notwendigkeit vorherbestimmt ist. Aus der Sicht von Fatalisten sind die FĂŒgungen des Schicksals unausweichlich, der Wille des Menschen kann ihnen nichts entgegensetzen. Daraus ergibt sich aber nicht zwangslĂ€ufig die Folgerung, menschliche Entscheidungen und Handlungen seien nahezu bedeutungslos. Mit der Ăberzeugung vom eigenen Ausgeliefertsein verbindet sich im Fatalismus eine davon geprĂ€gte sorglose GefĂŒhlslage und Lebenseinstellung, die âSchicksalsergebenheitâ.
Kennzeichnend fĂŒr den Fatalismus ist die Annahme einer universell wirkenden Instanz oder einer logischen ZwangslĂ€ufigkeit, die den Geschichtsverlauf ebenso wie die individuellen Schicksale von vornherein festgelegt hat. Die bestimmende Instanz kann die Vorsehung einer Gottheit sein, die den Gang der Ereignisse von Anfang an geplant und arrangiert hat, oder eine unpersönliche Macht, die im Rahmen einer kosmischen Ordnung fĂŒr einen bestimmten fixierten Ablauf sorgt. Eine alternative BegrĂŒndung postuliert die Gleichsetzung des Möglichen mit dem TatsĂ€chlichen als Erfordernis der Logik. Von diesen fatalistischen Konzepten unterscheidet sich der Ansatz des âkausalen Determinismusâ, der alle Ereignisse als notwendige Folgen ihrer Ursachen im Rahmen einer lĂŒckenlosen naturgesetzlichen KausalitĂ€t erklĂ€rt.
Allgemeinsprachlich versteht man unter Fatalismus in erster Linie die Bereitschaft, die angenommene Unvermeidlichkeit der schicksalhaften AblĂ€ufe zu akzeptieren. Das Spektrum fatalistischer Einstellungen reicht von einem resignierten Hinnehmen des UnabĂ€nderlichen bis zur enthusiastischen Verherrlichung der bestehenden Gegebenheiten und des sich darin heroisch behauptenden Individuums. FĂŒr die emphatische Schicksalsbejahung hat sich die von Friedrich Nietzsche geprĂ€gte lateinische Bezeichnung amor fati (âLiebe zum Schicksalâ) eingebĂŒrgert.
In Philosophie und Theologie werden fatalistische und deterministische Lehren seit der Antike kontrovers erörtert. Philosophisch wird die Fixiertheit der Zukunft oft mit der allgemeinen GĂŒltigkeit des Prinzips der Zweiwertigkeit begrĂŒndet, wonach Aussagen ĂŒber ZukĂŒnftiges zeitunabhĂ€ngig entweder wahr oder unwahr sind. Dieser Ansatz wird logischer Fatalismus genannt. Eine andere Ausgangsbasis hat der religiöse Fatalismus. Er beruht auf dem Konzept der PrĂ€destination, der göttlichen Vorherbestimmung, die aus Offenbarungsschriften oder Prophezeiungen abgeleitet wird. Historisch besonders wirkmĂ€chtige Erscheinungsformen sind die PrĂ€destinationslehren der Stoiker, des Calvinismus und des Islams. Einen Sonderfall bildet der astrologische Fatalismus, der die Schicksalsmacht mit Gestirnkonstellationen verbindet.
Als kulturĂŒbergreifendes PhĂ€nomen zeigt sich der Fatalismus in den meist weiblichen Schicksalsgottheiten von Mythen und Traditionen des Volksglaubens. Im Sagengut und Brauchtum zahlreicher europĂ€ischer Völker ist seit der Antike der Glaube an die drei âSchicksalsfrauenâ verankert, die nach der Geburt eines Kindes dessen Geschicke festlegen, insbesondere die Lebensdauer.
Contents
âą Alter Orient
âą Ăgypten
âą Philosophie
âą Astrologie
âą Perser
âą Araber
âą Belletristik
âą Musik
âą Konfuzianismus
âą Mohismus
âą Wang Chong
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Definition und Begriffsgeschichte
Der Schicksalsglaube zĂ€hlt zwar zu den Ă€ltesten und verbreitetsten PhĂ€nomenen der Kulturgeschichte, doch gab es im Altertum noch kein eigenes Wort fĂŒr die entsprechende Lebenseinstellung. Zur Bezeichnung der einschlĂ€gigen Konzepte dienten verschiedene AusdrĂŒcke; man sprach von Notwendigkeit (griechisch áŒÎœÎŹÎłÎșη anĂĄnkÄ, lateinisch necessitas), Vorsehung (griechisch ÏÏÏÎœÎżÎčα prĂłnoia, lateinisch providentia), Schicksal im Sinne von Vorherbestimmung (griechisch ΔጱΌαÏÎŒÎΜη heimarmĂ©nÄ, lateinisch fatum) und Schicksal im Sinne von glĂŒcklichem oder unglĂŒcklichem Geschehen (griechisch ÏÏÏη tĂœchÄ, lateinisch fortuna).cite-ref-1[1]
Die AusdrĂŒcke Fatalist und â davon abgeleitet â Fatalismus wurden erst in der FrĂŒhen Neuzeit gelĂ€ufig. Zwar schrieb schon im 13. Jahrhundert der mozarabische Theologe und Islamkritiker Pedro Pascual, Bischof von JaĂ©n, eine Abhandlung âgegen die mohammedanischen Fatalistenâ,cite-ref-2[2] doch fand diese Wortschöpfung kaum Resonanz. Erst im spĂ€ten 17. Jahrhundert fĂŒhrte der Cambridger Philosoph Ralph Cudworth den Ausdruck fatalism in die philosophische Terminologie ein. In seiner 1678 veröffentlichten Abhandlung The True Intellectual System of the Universe wandte er sich gegen drei âFatalismenâ, bei denen es sich um falsche Hypothesen ĂŒber das Universum handle.cite-ref-3[3] Seit 1724 ist fatalisme im Französischen belegt.cite-ref-4[4] Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Ausdruck ins Deutsche ĂŒbernommen.cite-ref-5[5]
Die Terminologie von Cudworth und Gleichgesinnten entsprach keineswegs dem SelbstverstĂ€ndnis derjenigen, auf deren Ideen sie sich bezog. Fatalist und Fatalismus waren ursprĂŒnglich nur abwertende Kampfbegriffe, die zur Diskreditierung missliebiger Ansichten eingefĂŒhrt und verbreitet wurden. Sie dienten der Polemik konservativer Kreise gegen damals umstrittene philosophische und theologische Modelle, die etablierte Vorstellungen ĂŒber die menschliche Autonomie gefĂ€hrdeten und dadurch revolutionĂ€r und bedrohlich wirkten. Zu den als âfatalistischâ bekĂ€mpften Lehren zĂ€hlten insbesondere die Systeme von Johannes Calvin, Thomas Hobbes und Baruch de Spinoza.cite-ref-6[6]
Die Ausgangsbasis der Wort- und Begriffsschöpfung bildeten das lateinische Substantiv fatum (âSchicksalâ) und das englische und französische Adjektiv fatal, das auf das lateinische fatalis (âdas Schicksal betreffendâ, âschicksalhaftâ) zurĂŒckgeht. Der Etymologie nach ist fatum âdas (von einer Gottheit) Gesagte (und damit Festgelegte)â. Schon im klassischen Latein der Antike hatte fatalis auch die Bedeutungen verhĂ€ngnisvoll und tödlich. Mit diesem negativen Bedeutungsgehalt wurde das Eigenschaftswort in die romanischen Sprachen ĂŒbernommen und gelangte als Fremdwort fatal auch ins Deutsche.cite-ref-7[7] Der Aspekt des unabwendbaren Unheils schwingt traditionell in allen von dem lateinischen Wortstamm abgeleiteten Wörtern mit. Dieser Effekt wird noch dadurch verstĂ€rkt, dass der Ausdruck Fatalismus aus dem Arsenal polemischer Kritik stammt und daher von Anfang an negativ konnotiert war. Der abwertende Beiklang ist auch heute noch prĂ€sent: In der Alltagssprache sind mit dem Wort die Vorstellungen von Ohnmacht und Ausgeliefertsein verbunden. Fatalismus wird als Pessimismus und Erwartung eines schlechten Ausgangs aufgefasst.cite-ref-8[8]
Allerdings ist in der Moderne auch eine Gegenbewegung zum verbreiteten pejorativen BegriffsverstĂ€ndnis der Kritiker entstanden. Friedrich Nietzsche bekannte sich emphatisch zum Fatalismus. Dadurch wurde der Ausdruck ins Positive gewendet.cite-ref-9[9] Im wissenschaftlichen Diskurs ist eine wertneutrale Verwendung der Terminologie erwĂŒnscht.cite-ref-10[10]
Zur Definition des Fatalismus gehört die Abgrenzung von dem verwandten Begriff Determinismus, der die These der Determiniertheit aller Ereignisse bezeichnet und erst im spĂ€ten 18. Jahrhundert belegt ist.cite-ref-11[11] In der FrĂŒhen Neuzeit unterschied man noch nicht zwischen fatalistischem und deterministischem Gedankengut. Verteidiger der Willensfreiheit pflegten alle Lehren, die eine bereits feststehende Zukunft beinhalten, gleichermaĂen als fatalistisch zu brandmarken und zu bekĂ€mpfen.cite-ref-12[12] Im modernen philosophischen Diskurs hat sich jedoch die Differenzierung zwischen Fatalismus und Determinismus durchgesetzt. Allerdings werden die beiden Bezeichnungen umgangssprachlich oft wie Synonyme verwendet, und auch in wissenschaftlichen Texten wird die Trennung nicht immer konsequent durchgefĂŒhrt.cite-ref-13[13]
Wenn von Determinismus die Rede ist, sind im weitesten Sinne alle Systeme gemeint, die davon ausgehen, dass die Zukunft nicht offen ist, sondern âdeterminiertâ, das heiĂt schon immer feststehend. Nach diesem Sprachgebrauch ist Determinismus der Oberbegriff fĂŒr sĂ€mtliche Modelle, die von Fixiertheit der aufeinanderfolgenden ZustĂ€nde ausgehen, und fatalistischer Schicksalsglaube ist eine Variante davon oder â als LebensĂŒberzeugung â eine Konsequenz daraus. Daher wird der religiöse Fatalismus mitunter auch als theologischer oder metaphysischer Determinismus bezeichnet. Im engeren und gelĂ€ufigeren Sinn ist mit Determinismus aber nur der âKausaldeterminismusâ gemeint, der auf einer deterministischen Interpretation naturgesetzlicher KausalitĂ€t basiert. Dieser Ansatz geht von einem rein mechanischen VerstĂ€ndnis von KausalitĂ€t und Notwendigkeit aus. Man spricht daher auch von mechanistischem oder physikalischem Determinismus. Kausaldeterministen sind der Ansicht, dass durch den Zustand der Welt zu einem beliebigen Zeitpunkt zwangslĂ€ufig jeder Zustand zu einem spĂ€teren Zeitpunkt festgelegt sei. Sie werden seit der FrĂŒhen Neuzeit polemisch als Fatalisten angegriffen, obwohl ihr Weltbild keine Schicksalsvorstellung impliziert.cite-ref-14[14]
Den Ausgangspunkt des Fatalismus bildet die Annahme, dass kĂŒnftige Ereignisse und VerhĂ€ltnisse durch eine schon immer bestehende Notwendigkeit, der niemand entrinnen könne, festgelegt seien. Daran könnten keine gegenwĂ€rtigen oder kĂŒnftigen Entscheidungen und Taten etwas Ă€ndern. Die Meinung, es liege in der Macht des Menschen, durch eine freie Willensentscheidung einen anderen Ausgang herbeizufĂŒhren, ist demnach eine Illusion. Diese Grundannahme teilen Fatalisten mit den Deterministen. Im Unterschied zum Determinismus kommt der Fatalismus aber ohne die Annahme aus, dass alle Kausalketten auf eine rein mechanische UrsĂ€chlichkeit zurĂŒckfĂŒhrbar seien, die sĂ€mtliche AblĂ€ufe einschlieĂlich der menschlichen Willensakte in allen Einzelheiten determiniere. In einer fatalistischen Weltanschauung sind nichtmechanische â auch metaphysische â Ursachen im Prinzip möglich. AuĂerdem erfordern nicht alle AusprĂ€gungen des Fatalismus eine strenge Determiniertheit jedes einzelnen Ablaufs; in manchen Modellen sind nur zentrale Ereignisse, etwa Eckpunkte der Biografie, festgelegt. In vielen Varianten des Schicksalsglaubens wird keine absolute Einflusslosigkeit des Menschen angenommen; vielmehr kann man versuchen, auf die Schicksalsmacht einzuwirken, etwa durch magische Praktiken oder religiöse Riten. Solche Konzepte sind nur bedingt, nicht im strengen Sinn, als fatalistisch zu bezeichnen, da sie eine gewisse Offenheit der Zukunft einrĂ€umen.cite-ref-15[15]
Voraussetzungen und GrundzĂŒge fatalistischer Modelle
Innerhalb des Fatalismus wird zwischen zwei AnsĂ€tzen unterschieden: Der eine setzt ein metaphysisches oder religiöses Weltbild voraus, in dem einer Gottheit oder einer unpersönlich aufgefassten kosmischen Ordnungsmacht die Rolle der lenkenden Instanz zukommt. Hierzu gehören unter anderem die Theorien, die zur BegrĂŒndung der Astrologie dienen. Eine stark verbreitete Variante des metaphysisch-religiösen Ansatzes ist die theologische Annahme, dass der Geschichtsverlauf und die Schicksale der einzelnen Menschen durch Gottes Vorsehung und Vorauswissen â die PrĂ€destination â mehr oder weniger genau festgelegt seien. Das wird âtheologischer Fatalismusâ genannt. Der andere Ansatz geht von der Ăberlegung aus, dass den zutreffenden Aussagen ĂŒber ZukĂŒnftiges ein ĂŒberzeitlicher Wahrheitsgehalt zukomme. Sie seien schon immer wahr, und somit sei die Vorherbestimmtheit der Zukunft ein Erfordernis der Logik. Daher spricht man von logischem Fatalismus. Daneben kommt auch die Bezeichnung logischer Determinismus vor. Hier liegt ein Grenzfall zwischen Fatalismus und Determinismus vor: Die logische Argumentation stimmt mit der kausaldeterministischen darin ĂŒberein, dass sie keine metaphysische oder religiöse Vorstellung impliziert, und mit der fatalistischen darin, dass sie ohne mechanische KausalitĂ€tskette auskommt. Letzteres ist der Grund fĂŒr die Zuordnung zum Fatalismus.cite-ref-16[16]
Metaphysischer und religiöser Fatalismus
Bei diesem Typus des Fatalismus erscheint die ordnende und lenkende Instanz als ĂŒbermenschliche Macht. In den theistischen Varianten, die einen persönlichen Gott voraussetzen, wird sie mit Gott gleichgesetzt. Manche religiöse oder philosophische Weltbilder begĂŒnstigen die fatalistische Denkweise oder erfordern sie sogar. Dies ist dann der Fall, wenn angenommen wird, dass der Kosmos nach universellen Prinzipien geordnet ist, die nicht nur die regelmĂ€Ăig wiederkehrenden NaturvorgĂ€nge regeln, sondern auch einzelne Ereignisse bestimmen. Dann ist der Weg frei fĂŒr die fatalistische Idee, dass das, was dem Menschen zustöĂt, nicht zufĂ€llig geschieht, sondern einer vorgegebenen Notwendigkeit unterliegt. In monotheistischen Systemen ergibt sich diese Notwendigkeit aus dem stets gleichbleibenden Willen des herrschenden Gottes, dessen Vorsehung den Ausgang aller menschlichen Unternehmungen von Anfang an festgelegt hat. Das wird PrĂ€destination genannt. In polytheistischen Systemen kann sich Fatalismus entwickeln, wenn geglaubt wird, dass es eine bestimmte Gottheit oder universelle Macht gibt, die unabhĂ€ngig von den Bestrebungen anderer ĂŒbermenschlicher Instanzen den Verlauf des Lebens lenkt oder zumindest maĂgeblich beeinflusst. FĂŒr Polytheisten liegt diese Annahme nahe, da die einzelnen Götter unterschiedliche Absichten verfolgen und daher kaum als kollektive Weltregierung fungieren können; folglich wird eine zusĂ€tzliche Instanz benötigt, die fĂŒr die durchgĂ€ngige Lenkung des Kosmos zustĂ€ndig ist.cite-ref-17[17] Dabei wird der bestimmenden Instanz nicht immer ein zielgerichtetes Handeln zugeschrieben; sie kann auch als âblindâ, planlos und launisch aufgefasst werden. WĂ€hrend manche Lehren einen Zusammenhang der Geschicke mit der moralischen QualitĂ€t der Betroffenen postulieren, bestreiten andere einen solchen Gerechtigkeitskonnex. ReligionsphĂ€nomenologisch lĂ€sst sich erkennen, dass in zahlreichen Kulturen alternative Muster der Schicksalsdeutung nebeneinander bestehen (âTool-Box-Konstellationenâ); es werden unterschiedliche Formen der Aneignung von Schicksalserfahrungen angeboten und genutzt, ohne dass die GegensĂ€tzlichkeit der verschiedenartigen AnsĂ€tze reflektiert wird.cite-ref-18[18]
In monotheistischen Religionen, die einen allwissenden Gott postulieren, stellt sich ein besonderes Problem, da sich die Allwissenheit auch als Vorauswissen auf die gesamte Zukunft beziehen muss, sodass diese als determiniert erscheint. Dadurch entsteht ein Konflikt mit der in diesen religiösen Lehren angenommenen Freiheit des Menschen, zwischen Alternativen zu wĂ€hlen, und mit dem Prinzip der persönlichen Verantwortung. Das Problem besteht darin, dass alles, was gewusst wird, gleichgĂŒltig aus welcher Perspektive und auf welcher Basis, wahrheitsfixiert und determiniert sein muss.cite-ref-19[19]
Wenn religiöse oder philosophische Vorstellungen herrschen, die mit den Grundannahmen des Fatalismus nicht oder nur begrenzt kompatibel sind, wird seine Entstehung und Ausbreitung gehemmt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn eine dominierende Lehre die Willensfreiheit des Menschen betont und seinen Status nach dem Tod von seinen freien Entscheidungen wĂ€hrend seines Lebens abhĂ€ngig macht. Solche Lehren stehen in einem scharfen, prinzipiellen Gegensatz zu allen fatalistischen und deterministischen AnsĂ€tzen, die ein vom menschlichen Handeln unbeeinflussbares VerhĂ€ngnis postulieren. Den TrĂ€gern religiöser Dogmen erscheint die Annahme einer schicksalhaften Notwendigkeit als Bedrohung der Grundlagen der Religion, weil sie die menschliche Verantwortlichkeit relativiert oder aufhebt. Bedrohlich wirkt aus theologischer Sicht auch die Gefahr, dass die Schicksalsmacht als eigenstĂ€ndige Instanz neben oder sogar ĂŒber Gott erscheinen kann und damit dessen Allmacht in Frage stellt. Ein markantes Beispiel fĂŒr einen derartigen Konflikt ist der seit der Antike andauernde Kampf christlicher Theologen gegen die Astrologie.cite-ref-20[20]
Eine EntschĂ€rfung des Gegensatzes zwischen Willensfreiheit und Vorherbestimmtheit ist möglich, wenn die Zukunft als nur teilweise oder bedingt determiniert gilt. Im Unterschied zum Determinismus können fatalistische Systeme die Möglichkeit einer freien Wahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen zulassen, wenn angenommen wird, dass nicht alle VorgĂ€nge, sondern nur bestimmte Ereignisse oder Resultate vorherbestimmt sind. Nach manchen Konzepten â etwa bei Orakeln und Weissagungen â kann der Mensch zwar frei entscheiden, aber die höhere Macht lenkt die AblĂ€ufe so, dass seine Entscheidung schlieĂlich zu dem Ergebnis fĂŒhrt, das sie von vornherein fĂŒr ihn vorgesehen hat.cite-ref-21[21]
Eine verbreitete Erscheinungsform des Fatalismus sind astrologische Weltbilder. Wenn die Welt als umfassend und einheitlich geordnet gilt, ist es vorstellbar, dass den Regeln der Gestirnbewegungen analoge Regeln irdischer VorgĂ€nge entsprechen.cite-ref-22[22] Allerdings wird in der Astrologie die Bindung der menschlichen Schicksale an die Mechanik der himmlischen Bewegungen gewöhnlich nicht als absolut aufgefasst. Vielmehr gilt es als möglich, die eigene Zukunft durch Willensentscheidungen zumindest begrenzt zu beeinflussen, etwa nach Kenntnisnahme eines Horoskops wirksame VorsichtsmaĂnahmen zu treffen. Daher handelt es sich meistens nicht um Determinismus und oft auch nicht um konsequenten Fatalismus. Strittig war schon in der Antike, ob die Gestirne nur etwas anzeigen oder selbst einen bestimmenden Einfluss ausĂŒben.cite-ref-23[23]
Logischer Fatalismus
Der logische Fatalismus behauptet, dass aufgrund logischer Notwendigkeit nichts anders geschehen kann, als es tatsĂ€chlich geschieht. Damit wird prinzipiell die Möglichkeit verneint, dass es kontingente Ereignisse â solche, die nicht notwendigerweise eintreten mĂŒssen â geben kann. Die Debatten ĂŒber diese These drehen sich um die Frage, ob widerspruchsfrei behauptet werden kann, dass ZukĂŒnftiges kontingent sei. Dabei werden kontingente kĂŒnftige Ereignisse mit dem lateinischen Fachausdruck contingentia futura bezeichnet. Der logische Fatalismus, der Kontingenz ausschlieĂt, stimmt im Ergebnis völlig mit dem kausalen Determinismus ĂŒberein, gelangt aber auf anderem Weg dorthin.cite-ref-24[24]
Als klassisches Beispiel wird die von Aristoteles angefĂŒhrte âmorgige Seeschlachtâ erörtert. Das fatalistische Argument lautet: Nach dem Prinzip der Zweiwertigkeit (Bivalenz) muss jeder Aussagesatz entweder den Wahrheitswert âwahrâ oder den Wahrheitswert âfalschâ aufweisen. Nach dem Satz vom Widerspruch können zwei einander widersprechende Aussagen nicht in derselben Hinsicht und zur gleichen Zeit zutreffen. Wenn der morgige Tag zu Ende geht, wird sich entweder der Satz âAn diesem Tag hat eine Seeschlacht stattgefundenâ oder die gegenteilige Feststellung âAn diesem Tag hat keine Seeschlacht stattgefundenâ als wahr erwiesen haben. Da eine zutreffende Aussage ĂŒber ein Ereignis eines bestimmten Tages absolut wahr ist, hĂ€ngt ihre Wahrheit nicht von ihrem Zeitpunkt ab. Folglich stimmt die korrekte Zuordnung einer Schlacht zu ihrem tatsĂ€chlichen Tag nicht nur wĂ€hrend und nach dem Kampf, sondern gleichermaĂen auch schon jetzt und in der Vergangenheit. Das bedeutet: Der Aussage âMorgen wird eine Seeschlacht stattfindenâ kommt heute derselbe Wahrheitswert zu wie ĂŒbermorgen dem dann ausgesprochenen Satz âGestern fand eine Seeschlacht stattâ. Also steht schon heute fest und stand schon immer fest, ob an dem betreffenden Tag gekĂ€mpft wird oder nicht. Das bedeutet: Es gibt nicht zwei Möglichkeiten, sondern von vornherein nur diejenige, die tatsĂ€chlich eintritt.cite-ref-25[25]
Konsequenzen fĂŒr die Lebenspraxis
Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs Fatalismus fokussiert weniger auf eine Konzeption ĂŒber die Beschaffenheit der Welt als vielmehr auf die emotionale Haltung der Schicksalsergebenheit und deren Auswirkungen auf die Lebenspraxis. Die möglichen emotionalen und lebenspraktischen Konsequenzen des Fatalismus weisen in unterschiedliche Richtungen. Negativ wirkt sich der Schicksalsglaube aus, wenn die angenommene Ăbermacht eines ungĂŒnstigen Schicksals eine Stimmung von Ohnmacht, Resignation und Mutlosigkeit erzeugt, die Tatkraft lĂ€hmt und zu Lethargie und Verzweiflung fĂŒhrt. Als willkommene Erleichterung kann hingegen erlebt werden, dass die Minderung der eigenen Verantwortlichkeit eine Rechtfertigungsstrategie ermöglicht, die das Gewissen entlastet. Mögliche positive Folgen des Glaubens an eine wohlwollende, fördernde Schicksalsmacht sind Zuversicht, Gelassenheit und GemĂŒtsruhe.cite-ref-26[26]
Die Idee der Vorherbestimmung hat gravierende Folgen fĂŒr die EinschĂ€tzung des Handelns, das in einem solchen Weltbild als unfrei erscheint. Das Bewusstsein der eigenen Machtlosigkeit kann zu einem âmentalen Quietismusâ fĂŒhren, das heiĂt zum Verzicht auf die BegrĂŒndung und moralische Rechtfertigung des eigenen Handelns, da dieses aus fatalistischer Sicht alternativlos ist und nicht von Entscheidungen der Person abhĂ€ngt. Eine andere mögliche Konsequenz ist der praktische Quietismus, eine passive Einstellung und generelle ZurĂŒckhaltung angesichts von Herausforderungen und Entscheidungssituationen. Man scheut BemĂŒhungen, weil man glaubt, ohnehin nichts bewirken zu können. Eine solche Stimmung und Haltung kommt vorĂŒbergehend oder dauerhaft auch bei Personen vor, die damit kein ausgeformtes fatalistisches Weltbild verbinden. Beispielsweise verfĂ€llt man vor einem unausweichlich erscheinenden Kriegsausbruch in Hoffnungslosigkeit und PassivitĂ€t oder findet sich mit unheilvollen âSachzwĂ€ngenâ ab. Alltagssprachlich wird auch ein derartiges Bewusstsein der Einflusslosigkeit ohne entsprechenden weltanschaulichen Hintergrund als Fatalismus bezeichnet.cite-ref-27[27] Mitunter auftretende Nebenaspekte sind Pessimismus und Zynismus. Die gewohnheitsmĂ€Ăige Erwartung verhĂ€ngnisvoller, fataler Entwicklungen kann eine pessimistische Weltsicht erzeugen. Die distanzierte und spöttische Beurteilung des erwartungsgemÀà eintretenden Unheils wird dann von der Umwelt als Zynismus wahrgenommen.cite-ref-28[28]
Unter lebenspraktischem Gesichtspunkt wenden Kritiker traditionell gegen den Fatalismus ein, er fĂŒhre zu einer passiven, resignativen Haltung, die ethisch verwerflich und mit den Erfordernissen des Lebens unvereinbar sei. Angesichts der eigenen Machtlosigkeit schwinde der Impuls zum Entscheiden und Handeln. Ăberdies sei die fatalistische Position hinsichtlich der Lebenspraxis inkonsequent, denn auch ein Fatalist treffe Entscheidungen, statt alles dem Schicksal zu ĂŒberlassen. Als Beispiel fĂŒr fragwĂŒrdige fatalistische UntĂ€tigkeit fĂŒhrt Cicero den Gedankengang an, es sei fĂŒr einen Kranken sinnlos, einen Arzt zu konsultieren, um Genesung herbeizufĂŒhren, denn es stehe bereits fest, ob er wieder gesund wird oder nicht. Da es unmöglich sei, den vorherbestimmten Verlauf der Krankheit zu Ă€ndern, seien alle BemĂŒhungen um Heilung ĂŒberflĂŒssig.cite-ref-29[29] Diese Ăberlegung ist in der philosophischen Diskussion als faules Argument bekannt, wobei faul die doppelte Bedeutung von nicht stichhaltig und Faulheit rechtfertigend hat. Eine andere gĂ€ngige Bezeichnung ist faule Vernunft (lateinisch ratio ignava). Aus fatalistischer oder deterministischer Sicht lĂ€sst sich der Kritik an dem âfaulenâ Argument entgegenhalten, es setzte voraus, dass ein EntscheidungstrĂ€ger zwischen Handeln und Nichthandeln frei wĂ€hlen könne. In Wirklichkeit sei seine Entscheidung aber ebenso vorherbestimmt wie die folgenden Entwicklungen. Das menschliche Handeln sei zwar alternativlos, aber nicht folgenlos.cite-ref-30[30]
Eine besondere Folge des Glaubens an Vorherbestimmung ist in Glaubensrichtungen, die das menschliche Schicksal im Jenseits fĂŒr prĂ€destiniert halten, die sogenannte âErwĂ€hlungsangstâ, die entsteht, wenn der GlĂ€ubige daran zweifelt, dass er zu den nach Gottes Plan AuserwĂ€hlten zĂ€hlt, und befĂŒrchtet, von vornherein verworfen und unwiderruflich fĂŒr die Hölle bestimmt zu sein. Solche Höllenfurcht kann gravierende Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden haben.cite-ref-31[31]
Eine andere mögliche Konsequenz des PrĂ€destinationsglaubens ist Mut in auĂergewöhnlichen Gefahren, da der GlĂ€ubige ĂŒberzeugt ist, dass ihm nichts zustoĂen kann, was nicht bereits von der Vorsehung verfĂŒgt ist. Eine solche Haltung wird besonders Muslimen zugeschrieben.cite-ref-32[32]
Ob eine fatalistische oder deterministische Weltdeutung mit dem Konzept der Willensfreiheit vereinbar sein kann, ist umstritten. Die Antwort auf diese Frage hĂ€ngt von der jeweiligen Definition des Freiheitsbegriffs ab. Im modernen philosophischen Diskurs wird zwischen kompatibilistischen und inkompatibilistischen Positionen unterschieden. Kompatibilisten definieren den Freiheitsbegriff so, dass seine Anwendbarkeit auf ein determiniertes Universum gesichert ist, wĂ€hrend Inkompatibilisten gegenteilig verfahren. Der Konflikt zwischen ihnen ist aber nicht nur terminologisch, sondern hat weitreichende Konsequenzen fĂŒr die Rechts- und Moralvorstellungen. Inkompatibilismus ist tendenziell moralkritisch; er entzieht der gĂ€ngigen moralischen oder rechtlichen Haftbarmachung den Boden, indem er die Freiheit eliminiert. Kompatibilisten versuchen durch EinfĂŒhrung eines geeigneten Freiheitsbegriffs herkömmliche Rechts- und Moralvorstellungen zu retten.cite-ref-33[33]
Dabei stellt sich die Frage, ob ein kompatibilistisches FreiheitsverstĂ€ndnis mit dem gewöhnlichen Sprachgebrauch in Einklang steht. Dies ist dann der Fall, wenn es möglich bleibt, menschliche Verrichtungen individuell zuzurechnen, also sinnvoll davon zu sprechen, dass der Mensch gehandelt hat und nicht eine Ă€uĂere schicksalsbestimmende Instanz. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass der Mensch aktiv am Geschehen beteiligt ist und die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen hat. Kompatibilisten stehen vor der Aufgabe, das Prinzip der persönlichen Zurechenbarkeit unter der Annahme der Vorherbestimmtheit zu wahren. Einer ihrer LösungsansĂ€tze besteht in der EinfĂŒhrung eines schwachen, dem gewöhnlichen Sprachgebrauch nicht entsprechenden Freiheitsbegriffs, dem zufolge Freiheit keine realen unfixierten Alternativen erfordert, sondern nur deren widerspruchsfreie Denkbarkeit oder die theoretische Existenz einer Wahlmöglichkeit ohne FĂ€higkeit oder Gelegenheit zur Anwendung.cite-ref-34[34]
Den lebenspraktischen Hintergrund dazu bildet der Umstand, dass es in einer Welt, in der alles festgelegt ist, grundsĂ€tzlich nichts zu beeinflussen und zu verĂ€ndern gibt, sowohl hinsichtlich des Geschichtsablaufs als auch im Leben des Einzelnen. Daher fĂŒhrt ein kausaldeterministisches Weltbild in der Praxis zu derselben Problematik wie logischer oder metaphysischer Fatalismus. Wenn alles Geschehen zeitlos oder im Vorhinein festgelegt ist, sind Ăberlegungen und Handlungen, die darauf abzielen, etwas zu bewirken, âsinnlosâ. Sie sind zwar begrifflich und logisch möglich und spielen eine kausale Rolle, aber sie sind nicht mehr das, was sie ihrem begrifflichen Sinn nach sein mĂŒssten. Der Sinnverlust ergibt sich daraus, dass es zum Sinn praktischen Ăberlegens und Handelns gehört, auf einen Möglichkeitsspielraum bezogen zu sein, der Alternativen bietet.cite-ref-35[35]
Erscheinungsformen im Altertum
Alter Orient
In den altorientalischen Kulturen bildete die Festlegung der Schicksale durch eine dafĂŒr zustĂ€ndige göttliche Instanz einen zentralen Bestandteil der Interaktion zwischen Göttern und Menschen. Die Schicksalsbestimmung betraf sowohl ganze LĂ€nder und StĂ€dte sowie deren Herrscher als auch jedes einzelne Individuum â Menschen, Tiere und Pflanzen. So wird in der sumerischen ErzĂ€hlung Inannas Gang in die Unterwelt berichtet, dass die Göttin Inanna das Schicksal einer Fliege bestimmte.cite-ref-36[36]
In der sumerischen Mythologie ist Nam-tar eine chthonische Schicksalsgottheit oder ein unterweltlicher DĂ€mon. Der Name ist identisch mit dem Wort, das im Sumerischen Schicksal oder Schicksalsbestimmung bedeutet. Daher ist es manchmal schwierig zu entscheiden, ob der Gott oder der allgemeine Ausdruck fĂŒr Schicksal gemeint ist. Ins Akkadische wurde der Name der Gottheit als Namtaru ĂŒbernommen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Personifizierung des allgemeinen menschlichen âSchicksalsâ, das heiĂt des Todes. Nam-tar wurde als Krankheitsbringer gefĂŒrchtet. Er trug den Titel lĂș nam-tar-tar-ra (âder, der alle Schicksale bestimmtâ). Daneben wurde aber auch anderen Gottheiten â insbesondere dem Sonnengott â die Macht zugeschrieben, die Geschicke der Menschen festzulegen. Der akkadische Ausdruck fĂŒr das Schicksal ist ĆĄÄ«mtu, wörtlich âdas, was festgesetzt istâ. Nach einem babylonischen Mythos trĂ€gt der göttliche Inhaber der gesamten kosmischen Herrschergewalt an der Brust die Schicksalstafeln, die ihm die Macht zur Schicksalsbestimmung verleihen.cite-ref-37[37] Der Machtbesitz des Herrschergottes, der den anderen Göttern und den Menschen das Schicksal bestimmt, wurde jedoch nicht als gesichert betrachtet. Nach dem Anzu-Mythos konnten die Tafeln gestohlen werden und dann in den Besitz eines anderen Gottes gelangen, und das hatte einen Machtwechsel zur Folge.cite-ref-38[38]
In Mesopotamien galt das Schicksal nicht als unwiderruflich feststehend, sondern als grundsĂ€tzlich abĂ€nderbar. Es wurde zwar von einer göttlichen AutoritĂ€t festgelegt, doch bereits ergangene göttliche Urteile konnten revidiert werden. Es war gĂ€ngige Praxis, ein durch Vorzeichen angekĂŒndigtes ungĂŒnstiges Schicksal durch rituelle Handlungen und Gebete abzuwenden. Rituale und Gebete zur Zeit des Sonnenaufgangs dienten dem Zweck, den Sonnengott zu einer positiven Schicksalsbestimmung zu bewegen.cite-ref-39[39] Zwar wurde in manchen Texten â etwa im babylonischen Weltschöpfungsepos EnĆ«ma eliĆĄ â behauptet, der Ratschluss einer Gottheit sei unabĂ€nderlich,cite-ref-40[40] doch galt dies nach dem Volksglauben nicht fĂŒr die normalen menschlichen Schicksale, die nur dann unausweichlich waren, wenn man es versĂ€umte, die nötigen magisch-rituellen GegenmaĂnahmen zu ergreifen. Die Option, das Schicksal zu Ă€ndern, wurde von den Göttern selbst angeboten. Eine ĂŒber der Götterwelt stehende unerbittliche Schicksalsmacht kannten die Mesopotamier nicht.cite-ref-41[41]
Nach dem Glauben der Hethiter erhĂ€lt der Mensch zum Zeitpunkt seiner Geburt von den Geburtsgöttinnen und den Schicksalsgöttinnen (GulĆĄeĆĄ) seine grundsĂ€tzliche Schicksalsbestimmung. Sie legen dann den Todestag fest, indem sie die Zahl der Lebenstage bestimmen. Nur fĂŒr den König bezeugt ist die Vorstellung, dass die Schicksalsgöttinnen IĆĄtuĆĄtaya und Papaya seine Jahre als einen langen Faden spinnen. Wahrscheinlich beschrĂ€nkte sich dieser Glaube aber nicht auf den Herrscher; man nahm wohl fĂŒr jeden Menschen einen von den Göttinnen gesponnenen Lebensfaden an.cite-ref-42[42]
Ăgypten
In Ăgypten fand die Idee, das Leben folge einer im Voraus unwiderruflich festgelegten Bahn, kaum Verbreitung. Die Ăgypter der pharaonischen Zeit gingen davon aus, dass jeder nicht geistesschwache Mensch nach seinem GutdĂŒnken handle und Herr seiner BeschlĂŒsse sei. Daher sei er auch fĂŒr deren Folgen verantwortlich. Zwar sei der Mensch in der Hand der Götter, aber das, was ihn zum Handeln bewege, sei kein fremder Wille, keine Kraft von auĂen. Eine eigenstĂ€ndige Schicksalsmacht neben oder ĂŒber den Göttern kannten die Ăgypter nicht.cite-ref-43[43]
Man nahm jedoch an, dass wichtige Aspekte wie Lebensdauer, Beruf und Berufserfolg schon bei der Geburt festgelegt wĂŒrden. Schon fĂŒr die SpĂ€tzeit des Alten Reichs im 3. Jahrtausend v. Chr. ist der fatalistische Glaube belegt, die Götter hĂ€tten manchen Menschen aus Hass schon im Mutterleib Ăbel zugefĂŒgt, das heiĂt kĂŒnftiges Unheil vorbestimmt. Allerdings war die PrĂ€destination nicht unbedingt definitiv; eine nachtrĂ€gliche VerlĂ€ngerung der Lebensdauer durch besondere göttliche Gnade galt als möglich.cite-ref-44[44]
Im Volksglauben gab es die sieben Hathoren, beschĂŒtzende Geburtshelfergöttinnen, die bei der Geburt eines Kindes auftreten und seine Todesart voraussagen. Dabei blieb ein Spielraum offen; so lautet im MĂ€rchen vom verwunschenen Prinzen aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. die Prophezeiung fĂŒr einen Königssohn, sein Tod werde entweder durch ein Krokodil oder durch eine Schlange oder durch einen Hund eintreten. Man hoffte, bereits getroffene Entscheidungen der schicksalsbestimmenden Gottheit mit magischen Mitteln Ă€ndern zu können. Ein wichtiger Aspekt war schai (wörtlich âder Bestimmerâ), ein Begriff, der traditionell fĂŒr die Lebensenergie und das Wohlergehen stand. Diese Gabe wurde dem Menschen bei der Geburt zugemessen. In der SpĂ€tzeit war Schai der positiv konnotierte Name eines selbststĂ€ndig handelnden, aber den Göttern unterstellten Schicksalsbestimmers.cite-ref-45[45]
In der hellenistischen Zeit und der römischen Kaiserzeit galt die Ă€gyptische Göttin Isis ihren Verehrern als die schicksalsbestimmende Instanz schlechthin, ihr Kult fand auch auĂerhalb Ăgyptens weiteste Verbreitung. Man schrieb ihr die FĂ€higkeit zu, den Schicksalszwang zu brechen und ein eigentlich vorbestimmtes UnglĂŒck abzuwenden. In ihren Selbstoffenbarungen, den Isis-Aretalogien, verkĂŒndete die Göttin triumphierend: âIch besiege das Schicksal! Das Schicksal gehorcht mir!âcite-ref-46[46]
Griechische und römische Mythologie und Volksreligion
Die drei Schicksalsgöttinnen
Nach der mythischen Ăberlieferung sind fĂŒr die Vorbestimmung â in erster Linie fĂŒr die Festlegung der Lebensdauer â drei Göttinnen zustĂ€ndig, die in der griechischen Mythologie Moiren, in der römischen Parzen oder Tria Fatacite-ref-47[47] genannt werden. Seit Hesiod ist ihre Dreizahl festgelegt. Ihre griechischen Namen, die von den Römern ĂŒbernommen wurden, sind Klotho, Lachesis und Atropos. Sie spinnen jedem Menschen seinen Lebensfadencite-ref-48[48] und legen dessen LĂ€nge fest. Nach dem griechischen und römischen Volksglauben, der sich in Grabinschriften Ă€uĂerte, sind die Moiren bzw. Parzen unerbittlich. Darin zeigt sich ein voll ausgebildeter Fatalismus. Die Unbarmherzigkeit und Ungerechtigkeit dieser Gottheiten wurde beklagt, die Parzen waren geradezu verhasst.cite-ref-49[49]
In der Meleagrossage verkĂŒndet die Moire Atropos nach der Geburt des Helden seiner Mutter, er werde sterben, sobald ein bereits brennendes Holzscheit vom Feuer verzehrt sei. Daraufhin löscht die Mutter das Scheit und verbirgt es. Doch spĂ€ter verbrennt sie es selbst, um an ihrem inzwischen erwachsenen Sohn fĂŒr die Ermordung ihrer BrĂŒder Rache zu nehmen, worauf er stirbt.cite-ref-50[50] Einen Sonderfall stellt die Alkestissage dar, in der es gelingt, dem Schicksal zu entrinnen. Auf Bitten des Gottes Apollon willigen die Moiren ein, den König Admetos, dem eigentlich der Tod bevorsteht, zu verschonen, falls eine Ersatzperson bereit ist, an seiner Stelle zu sterben. Darauf erklĂ€rt sich die Königin Alkestis bereit, ihr Leben zu opfern, doch auch sie kann schlieĂlich gerettet werden.cite-ref-51[51]
Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen herrschte bei Griechen und Römern die Ăberzeugung, die Entscheidungen der Moiren bzw. Parzen seien unumstöĂlich und sogar die Götter seien ihnen gegenĂŒber machtlos. Man nahm sogar an, dass göttliche Wesen hinsichtlich ihrer Funktionen dem Befehl der drei Schicksalsbestimmerinnen unterworfen seien. Beispielsweise wiesen die Moiren der Göttin Artemis bei deren Geburt das Los zu, fĂŒr die Menschen als Geburtshelferin zu fungieren.cite-ref-52[52] Im Allgemeinen ging man davon aus, dass bereits bei der Geburt definitive Festlegungen erfolgen; daneben gab es aber auch â vor allem im römischen Volksglauben â die Vorstellung, der Lebensfaden werde wĂ€hrend des Lebens der Person gesponnen und somit seien nicht alle Geschehnisse von Anfang an determiniert.cite-ref-53[53]
Bei den Römern galt neben dem Spinnen auch das Schreiben, das schriftliche Fixieren der schicksalsbestimmenden BeschlĂŒsse, als AktivitĂ€t der drei Parzen. FĂŒr die in dieser Funktion tĂ€tige personifizierte Schicksalsmacht wurde die Bezeichnung Fata Scribunda verwendet.cite-ref-54[54] Eine Variante dieser Darstellungstradition lĂ€sst die Parzen die mĂŒndlichen Entscheidungen Jupiters aufzeichnen und damit unumkehrbar machen.cite-ref-55[55] Nach dem römischen Volksglauben waren nicht nur die Parzen fĂŒr die Schicksalsfestlegung zustĂ€ndig; auch andere Götter, vor allem Jupiter, besaĂen und nutzten die Macht dazu.cite-ref-56[56]
Weissagung
In der Mythologie war das Motiv der AnkĂŒndigung eines kĂŒnftigen Unheils durch einen Orakelspruch beliebt. Der unmittelbar Betroffene oder sein Umfeld erhĂ€lt eine warnende, allerdings gewöhnlich unklare Weissagung. Das so erlangte Wissen ermöglicht jedoch kein Entrinnen, auch wenn zur Abwehr GegenmaĂnahmen eingeleitet werden. Vielmehr erfĂŒllt sich die Weissagung ĂŒberraschend auf völlig unerwartete Weise. Dadurch kann im Nachhinein der Eindruck der Unausweichlichkeit entstehen: Derjenige, der VorsichtsmaĂnahmen traf, hat gerade dadurch ahnungslos das herbeigefĂŒhrt, was er verhindern wollte. Als klassisches Beispiel dafĂŒr gilt die Ădipussage, die im 5. Jahrhundert v. Chr. Tragödienstoff wurde. Nach der bekanntesten Version ist der Ablauf wie folgt: Dem kinderlosen König von Theben, Laios, verkĂŒndet ein Spruch des berĂŒhmten Orakels von Delphi fĂŒr den Fall, dass er einen Sohn bekommt, dass dieser ihn töten werde. Daher lĂ€sst Laios seinen neugeborenen Sohn Ădipus aussetzen. Das verlassene Kind wird aber von einem Hirten gerettet und wĂ€chst in Korinth bei Pflegeeltern auf, die Ădipus fĂŒr seine leiblichen Eltern hĂ€lt. SpĂ€ter erfĂ€hrt er jedoch, dass seine Abstammung bestritten wird, und versucht sich beim Orakel Klarheit zu verschaffen. In Delphi wird ihm prophezeit, er werde seinen Vater töten. Daraufhin kehrt er nicht nach Korinth zurĂŒck, sondern schlĂ€gt den Weg nach Theben ein. Unterwegs begegnet er seinem ihm unbekannten Vater Laios. Es kommt zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, die damit endet, dass Laios von Ădipus erschlagen wird.cite-ref-58[58]
Ob es sich bei der Ădipussage und ihrer Bearbeitung im Drama um ein unausweichliches, von Anfang an feststehendes VerhĂ€ngnis und somit um den Ausdruck eines fatalistischen Weltbilds handelt, ist bei den modernen Interpreten umstritten. Im 19. Jahrhundert herrschte unter dem Einfluss der Romantik der Eindruck, die Sage zeige eindrĂŒcklich die Hilflosigkeit des Menschen angesichts einer absolut ĂŒberlegenen Schicksalsmacht. Eine solche Konstellation sei fĂŒr die griechische âSchicksalstragödieâ charakteristisch. Ădipus habe keine Chance gehabt, seinem vom Orakelspruch umrissenen Schicksal auszuweichen. Diese Sichtweise wird in der neueren Forschung kritisiert, aber auch verteidigt.cite-ref-59[59] Ihr widerspricht eine Forschungsrichtung, der zufolge ein neuzeitlicher romantischer Schicksalsbegriff den Weg zum VerstĂ€ndnis versperrt. Nach dieser Deutung gab es in der archaischen und der klassischen Epoche der griechischen Kultur, als die Ădipussage entstand und ausgestaltet wurde, noch keine Vorstellung vom Schicksal als einer eigenstĂ€ndigen Kraft im fatalistischen Sinn, der die Menschen hilflos ausgeliefert sind. Vielmehr entstand dieses Konzept erst im Zeitalter des Hellenismus. Demnach war die Vatertötung nicht vorherbestimmt. Laios hĂ€tte darauf verzichten können, ein Kind zu zeugen. Ădipus hĂ€tte seine Tat vermeiden können, wenn er sich nicht auf die Konfrontation mit dem Fremden eingelassen hĂ€tte. Dann hĂ€tte sich der Orakelspruch auf andere Weise â nicht buchstĂ€blich â verwirklichen können, denn der Ausdruck Vater in der Prophezeiung konnte auch, wie meist bei Orakeln, eine Metapher sein und etwas anderes als den leiblichen Vater bezeichnen. Somit war die Zukunft zum Zeitpunkt der OrakelverkĂŒndung noch nicht determiniert.cite-ref-60[60]
Dass die Zukunft im Mythos nicht als streng determiniert aufgefasst wurde, zeigt ein Beispiel aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Der Geschichtsschreiber Herodot zitiert einen Bescheid des Orakels von Delphi, in dem die Vorherbestimmung zwar als unausweichlich, aber als flexibel beschrieben wird. Das Orakel verkĂŒndete den Boten des lydischen Königs Kroisos, der sich ĂŒber sein Los beklagte, nachdem er bei der Vernichtung seines Reichs in Gefangenschaft geraten war: âAuch ein Gott kann dem zugeteilten Schicksal nicht entgehen.â Immerhin hatten die Moiren, wie das Orakel dazu mitteilte, dem Gott Apollon, der sich fĂŒr Kroisos eingesetzt hatte, ein ZugestĂ€ndnis gemacht: Sie hatten auf seine Intervention hin entschieden, dass das lydische Reich erst drei Jahre spĂ€ter als ursprĂŒnglich von ihnen vorgesehen untergehen wĂŒrde. So war es dann geschehen. Somit bestanden die Schicksalsgöttinnen zwar auf der ErfĂŒllung ihres Willens, lieĂen aber hinsichtlich des Zeitpunkts mit sich reden.cite-ref-61[61]
Eine andere Episode aus dem Leben des Kroisos, die bei Herodot ĂŒberliefert ist, scheint von einem fatalistischen Weltbild zu zeugen. Ein Gott hat Kroisos durch ein Traumbild angekĂŒndigt, dass sein Sohn Atys durch eine eiserne Lanzenspitze sterben wird. Darauf trifft der König VorsichtsmaĂnahmen und lĂ€sst Atys nicht mehr an FeldzĂŒgen teilnehmen. Er erlaubt ihm jedoch die Beteiligung an einer Eberjagd. Dabei wird Atys versehentlich durch einen Lanzenwurf getötet. Der Werfer ist gerade derjenige JĂ€ger, den Kroisos seinem Sohn als BeschĂŒtzer an die Seite gestellt hat.cite-ref-62[62] Hier deutet das prĂ€zise Vorauswissen des Gottes ĂŒber die Todesart auf ein determiniertes Schicksal. In der Forschung wird die Frage erörtert, inwieweit daraus auf eine vom göttlichen Willen bis in Einzelheiten determinierte Weltordnung geschlossen werden kann und welche Freiheit dem Menschen dabei bleibt.cite-ref-63[63]
Daimones und Keres
Nach dem griechischen Volksglauben gibt es noch eine weitere lenkende Instanz, den persönlichen Daimon (âDĂ€monâ) des Menschen. In der archaischen Zeit bezeichnete man mit diesem Ausdruck alle ĂŒbermenschlichen MĂ€chte, von denen man sich abhĂ€ngig fĂŒhlte. Erst in nachhomerischer Zeit entwickelte sich der Daimon, der ursprĂŒnglich nur als gelegentlicher Inspirator menschlichen Handelns in Erscheinung getreten war, zu einer das ganze Leben beeinflussenden Macht. SchlieĂlich wurde daraus ein an den individuellen Menschen gebundener GeleitdĂ€mon, der das Schicksal lenkt. Diese voll ausgebildete Form des Daimon-Glaubens war im 5. Jahrhundert v. Chr. in der griechischsprachigen Welt allgemein verbreitet. Die Vorstellung von Geistwesen, die den Menschen stĂ€ndig begleiten, existierte aber schon frĂŒher. Nach dem Glauben der homerischen Zeit ist jedem Menschen ein weiblicher TodesdĂ€mon, eine Ker, von Geburt an beigesellt; sie ist die Vollstreckerin des im Voraus ĂŒber ihn verhĂ€ngten Todes. So erscheint in Homers Ilias dem trĂ€umenden Achilleus die Seele seines gefallenen Freundes Patroklos, die verkĂŒndet, ihn, Patroklos, habe seine Ker verschlungen. Damit habe ihn das Schicksal ereilt, das ihm schon bei seiner Geburt bestimmt gewesen sei.cite-ref-64[64]
Tyche
Eine Schicksalsgottheit war auch Tyche, die Personifikation des abstrakten Begriffs tĂœchÄ (âSchicksalâ, âZufallâ). Sie galt als Verursacherin der Ereignisse, die den betroffenen Menschen als unberechenbar und zufĂ€llig erscheinen. Tyche wurde kultisch verehrt und ab der hellenistischen Zeit in weiten Kreisen als allmĂ€chtig betrachtet. Man schĂ€tzte sie als GlĂŒcksgöttin, fĂŒrchtete aber ihre Launenhaftigkeit. Tyche entspricht weitgehend der römischen Göttin Fortuna, die ebenfalls GlĂŒck schenkte und als unzuverlĂ€ssig galt. Fortuna war dafĂŒr bekannt, dass sie ihre Gunst blind â das heiĂt ohne erkennbaren Grund â schenkte oder entzog. Durch ihre Sprunghaftigkeit unterschied sich Tyche/Fortuna von den Moiren/Parzen, deren Hauptmerkmal die Festigkeit der einmal gefassten BeschlĂŒsse war.cite-ref-65[65]
Philosophie
Griechische Denker beschĂ€ftigten sich bereits in der FrĂŒhzeit der philosophischen BemĂŒhungen, der Epoche der Vorsokratiker, mit der Frage der Schicksalsbestimmung. In der griechischen Klassik, die im spĂ€ten 5. Jahrhundert v. Chr. einsetzte, und vor allem im Hellenismus vertiefte sich die Auseinandersetzung mit dieser Thematik. AnstoĂ erregte der Glaube an ein unerbittliches Schicksal wegen der damit zusammenhĂ€ngenden EinschrĂ€nkung oder Aufhebung der Willensfreiheit und Verantwortlichkeit. Aus gegnerischer Sicht wurde den Fatalisten vorgeworfen, die Grundlagen der Moral und der Gesetzgebung zu zerstören.cite-ref-66[66]
Vorsokratiker
Einzelne Vorsokratiker setzten sich kritisch mit dem im Volk verbreiteten Glauben an eine schicksalsbestimmende Macht auseinander. Im 5. Jahrhundert v. Chr. befand Heraklit: âSeine eigene Art (áŒŠÎžÎżÏ ážthos) ist dem Menschen sein Daimon.â Damit wandte er sich gegen die Vorstellung eines persönlichen Schicksalsdaimons und wies generell den Glauben zurĂŒck, das Leben werde von Ă€uĂeren göttlichen KrĂ€ften gelenkt. Nach Heraklits Ăberzeugung ist der Daimon, der lenkende Faktor, im Menschen selbst zu finden; er ist mit der âArtâ der Person, ihrer ethischen QualitĂ€t, gleichzusetzen.cite-ref-67[67] Anaxagoras (â 428 v. Chr.) hielt Schicksal (heimarmĂ©nÄ) fĂŒr ein leeres Wort.cite-ref-68[68]
Gorgias von Leontinoi
Gorgias von Leontinoi, ein einflussreicher Denker und Redner des 5. Jahrhunderts v. Chr., befasste sich in seiner Lobrede auf Helena mit der Frage nach der Ursache fĂŒr den Ehebruch der mythischen Helena. Er wies darauf hin, dass eine fatalistische Interpretation die untreue Gattin von der Verantwortung fĂŒr ihr Handeln, das den Trojanischen Krieg herbeifĂŒhrte, entlastet. Gorgias war â soweit bekannt â der erste Autor, der sich mit dieser ethischen Konsequenz des Fatalismus auseinandersetzte.cite-ref-69[69]
Platon
In Platons stark nachwirkendem Dialog Politeia, der im frĂŒhen 4. Jahrhundert v. Chr. entstand, wird das Zusammenwirken von freier Entscheidung der Individuen und kosmischer Ordnung und Notwendigkeit beschrieben. Den Rahmen dafĂŒr bildet eine vom Autor erfundene ErzĂ€hlung, der Mythos des Er. Diese Geschichte veranschaulicht philosophische Inhalte durch mythische Einkleidung. Ein zeitweilig scheinbar verstorbener Krieger namens Er berichtet von den Erlebnissen seiner Seele im Jenseits wĂ€hrend der Zeit, in der sie sich auĂerhalb des Leibes befand, als er scheintot war. Nach seiner Schilderung gelangen die Seelen der Toten, wenn sie zum Himmel aufsteigen, unterwegs zur âSpindel der Notwendigkeitâ, einem gigantischen Instrument, das sich gleichförmig dreht und damit die Drehungen aller HimmelssphĂ€ren um die Erde, den Mittelpunkt des Universums, in Gang hĂ€lt. Die Göttin Ananke, die personifizierte Notwendigkeit, hĂ€lt die Spindel auf ihrem SchoĂ. Bei ihr sind ihre Töchter, die drei weiĂ gekleideten Moiren. Sie singen das Geschehen: Lachesis das vergangene, Klotho das gegenwĂ€rtige und Atropos das kĂŒnftige.cite-ref-70[70] Lachesis nimmt die Seelen, die ihren Jenseitsaufenthalt beendet haben und im Rahmen der Seelenwanderung wieder in irdische Leiber eintreten mĂŒssen, gruppenweise in Empfang. FĂŒr jede Seelengruppe steht eine groĂe Anzahl von möglichen Rollen â kĂŒnftigen LebensumstĂ€nden und Schicksalen â zur Auswahl, und fĂŒr jede Seele muss eine Entscheidung darĂŒber getroffen werden, welche Rolle sie als kĂŒnftige Lebensaufgabe erhĂ€lt. Die Zuteilung erfolgt durch ein Verfahren, das Verlosung und autonome Auswahl mischt. Verlost wird die Reihenfolge, in der die Seelen aus der begrenzten Menge der Lebensrollen jeweils eine fĂŒr sich auswĂ€hlen können. Wer das beste Los erhĂ€lt, kommt zuerst an die Reihe und hat somit freie Wahl. Die vom LosglĂŒck Benachteiligten mĂŒssen mit den unattraktiveren LebensumstĂ€nden Vorlieb nehmen, die von den zuerst Aussuchenden verschmĂ€ht wurden, aber auch daraus können sie einen Erfolg machen, wenn sie sich MĂŒhe geben. Kein Leben ist von vornherein hoffnungslos. Allerdings treffen manche Seelen eine törichte Wahl und fĂŒgen sich damit selbst schweren Schaden zu, etwa indem sie sich aus Machtgier und Leichtsinn fĂŒr das von Unheil erfĂŒllte Dasein eines Tyrannen entscheiden.cite-ref-71[71]
Platon legte groĂen Wert auf die Autonomie des Individuums. Nach seiner Lehre wĂ€hlt sich jeder sein Schicksal, und die Ăbel, die dem Menschen begegnen, sind die zwangslĂ€ufigen Folgen seiner Fehlentscheidungen. Die Ursache falscher Entscheidungen ist die Unwissenheit, die jedoch behebbar ist. Somit trifft die göttliche Weltlenkung keine Schuld an den bestehenden ĂbelstĂ€nden. AuĂerdem hĂ€ngt nur die Entscheidung ĂŒber die Ă€uĂeren LebensverhĂ€ltnisse teilweise vom LosglĂŒck ab. Die charakterliche Beschaffenheit der Person bleibt trotz der Einwirkung Ă€uĂerer UmstĂ€nde im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Seele, die dafĂŒr selbst verantwortlich ist. Ihre einmal getroffene Wahl eines Lebensloses hat zwar Auswirkungen, die einer unausweichlichen Notwendigkeit folgen, doch steht dies ihrer Freiheit, kĂŒnftig einen anderen Weg einzuschlagen, nicht entgegen.cite-ref-72[72]
Aristoteles
Aristoteles und die seiner Richtung folgenden Philosophen, die Peripatetiker, verwarfen den Fatalismus. Ihr Anliegen war die Verteidigung der Willensfreiheit und damit der Moral. Die Gegenposition, mit der sich Aristoteles auseinandersetzte, war der logische Fatalismus, fĂŒr den das Mögliche zwangslĂ€ufig mit dem TatsĂ€chlichen zusammenfĂ€llt. Zur Widerlegung dieser Gleichsetzung legte er in seiner Schrift Peri hermeneias ein Konzept vor, mit dem er die logische Möglichkeit von nicht eintretenden Ereignissen und damit die Offenheit der Zukunft retten wollte. Wie seine Argumentation zu verstehen ist, ist in der Forschung umstritten. Nach der modernen Standardinterpretation meinte Aristoteles, dass nicht schon in der Gegenwart bestimmt ist, sondern erst in der Zukunft bestimmt sein wird, welche von zwei einander widersprechenden zukunftsbezogenen Aussagen wahr und welche falsch ist. Zwar entsprechen den kĂŒnftigen Ereignissen Aussagen mit einem bestimmten Wahrheitswert, doch ist gegenwĂ€rtig noch nicht festgelegt, welcher das ist. Die Standardinterpretation ist allerdings umstritten.cite-ref-73[73]
Megariker
Im spĂ€ten 4. und frĂŒhen 3. Jahrhundert v. Chr. lebte der Philosoph Diodoros Kronos, der zur Richtung der Megariker gehörte. Die Megariker lehrten, dass nur das Wirkliche möglich sei, das heiĂt, dass nichts anderes geschehen könne als das, was tatsĂ€chlich geschieht. Zum Beweis dieser These formulierte Diodoros ein Argument, das als âMeisterargumentâ oder âMeisterschlussâ (kyrieĂșĆn lĂłgos) bekannt ist und bis in die Gegenwart ein starkes Echo gefunden hat. Vermutlich reagierte Diodoros damit auf die Möglichkeitslehre des Aristoteles, der zufolge Ereignisse, die nicht tatsĂ€chlich eintreten, möglich sind. Mit seiner BeweisfĂŒhrung wollte Diodoros wohl zeigen, dass der aristotelische Möglichkeitsbegriff den Prinzipien von Aristotelesâ eigener Modallogik widerspreche. Allerdings ist diese StoĂrichtung nicht bewiesen.cite-ref-74[74]
Die PrĂ€missen des Meisterarguments sind bekannt, doch sein Wortlaut ist nicht ĂŒberliefert. Daher ist die Rekonstruktion des Gedankengangs mit Unsicherheit behaftet.cite-ref-75[75] Der Ăberlieferung zufolge behauptete Diodoros, dass die beiden Aussagen âAlles Wahre in der Vergangenheit ist notwendigâ und âAus Möglichem folgt nichts Unmöglichesâ, wenn man sie miteinander kombiniert, mit der Aussage âEs gibt Mögliches, das weder wahr ist noch wahr sein wirdâ unvereinbar seien. Wenn man wie Aristoteles und Diodoros die ersten beiden SĂ€tze fĂŒr wahr hĂ€lt, muss man dem Meisterargument zufolge den dritten aufgeben. Das bedeutet, dass es keine Möglichkeiten geben kann, die nicht zur Verwirklichung gelangen. Das Mögliche ist dann als das zu definieren, was entweder schon wirklich ist oder kĂŒnftig wirklich sein wird. Was niemals wirklich geschieht, ist unmöglich. Das Meisterargument setzt Wirklichkeit mit logischer Richtigkeit gleich. Es ist zwar logisch korrekt, aber nur auf dem Boden der modallogischen Semantik des Diodoros Kronos schlĂŒssig.cite-ref-76[76]
Nach dem VerstĂ€ndnis der antiken Nachwelt ergibt sich aus dem Meisterargument der logische Fatalismus als Konsequenz, wenn man die PrĂ€missen des Arguments akzeptiert und die Folgerung fĂŒr schlĂŒssig hĂ€lt. Die formale Korrektheit des Schlusses wurde von den antiken Philosophen offenbar nicht angefochten. Auch die Gegner gaben die UnvertrĂ€glichkeit der drei SĂ€tze zu, sie bestritten nur, dass alle drei gĂŒltig seien.cite-ref-77[77] Allerdings ist unklar, ob Diodoros tatsĂ€chlich beabsichtigte, aus dem Meisterargument einen harten Fatalismus abzuleiten. Möglicherweise haben erst seine SchĂŒler diese Konsequenz gezogen.cite-ref-78[78]
Ein weiteres Argument der Megariker fĂŒr ihre Möglichkeitslehre lautet: âFalls du das Getreide mĂ€hen wirst, wirst du es nicht vielleicht mĂ€hen und vielleicht nicht, sondern du wirst es auf alle FĂ€lle mĂ€hen.â Das âGetreidemĂ€hargumentâ ist erst in spĂ€tantiken Quellen ĂŒberliefert.cite-ref-79[79]
Stoa
Die Stoa, eine der bedeutendsten philosophischen Richtungen der Antike, machte einen religiös geprĂ€gten Fatalismus zu einem Kernbestandteil ihrer Lehre. Ihr Schicksalskonzept war in ihre Kosmologie eingebettet. Die Stoiker glaubten, dass das gesamte Naturgeschehen und insbesondere das menschliche Leben einer von der Vorsehung verhĂ€ngten Bestimmung unterliege. Sie fassten die bestimmende Instanz als eine göttliche, aber unpersönliche Macht auf und nannten sie â einen schon von Heraklit verwendeten Ausdruck aufgreifend â Heimarmene. Dieser Begriff erlangte in der Stoa eine zentrale Bedeutung und wurde Gegenstand einer umfangreichen Kontroversliteratur. Die Stoiker empfanden die unabĂ€nderliche Gegebenheit der Heimarmene nicht negativ als bedauerliches Ausgeliefertsein. Vielmehr forderten sie freiwillige, bewusste Bejahung der aus ihrer Sicht vernĂŒnftigen Weltordnung, die dem Menschen sein Schicksal auferlege. Dieser Entschluss sei jedem anheimgegeben. Der Weise als idealer Mensch ist nach der stoischen Lehre derjenige, der seinen Willen in völlige Ăbereinstimmung mit dem Walten der Schicksalsmacht bringt und daher nur das VernĂŒnftige will. Die Betonung der göttlichen Vorsehung soll die Verantwortung des Individuums fĂŒr sein Befinden nicht aufheben, denn je nachdem, ob der Mensch die Weisheit wĂ€hlt oder nicht, gelingt oder misslingt sein Leben. Die moralische Haltung, die aus dem naturphilosophischen Befund der Stoa abgeleitet wird, ist keineswegs resignativ, sondern aktiv und auf Lebensmeisterung ausgerichtet.cite-ref-80[80]
Zwischen dem Prinzip einer umfassenden, strengen und naturnotwendigen Vorherbestimmtheit und der Forderung, man solle sich durch einen autonomen Willensakt fĂŒr das tugendhafte Handeln entscheiden, bestand ein SpannungsverhĂ€ltnis, das einen Ansatzpunkt fĂŒr Kritik bildete. FĂŒr die stoischen Denker lag darin eine schwierige Herausforderung, da sie an ihrem Heimarmene-Konzept festhalten wollten, ohne die EigenstĂ€ndigkeit des Individuums völlig zu tilgen. Beim Versuch, ihre Naturphilosophie und ihre Ethik in Einklang zu bringen, hatten sie sich mit dem Vorwurf der Unstimmigkeit, den ihre Gegner erhoben, auseinanderzusetzen.cite-ref-81[81]
Gegen solche Kritik setzte sich Chrysippos von Soloi, ein prominenter WortfĂŒhrer der Stoa, zur Wehr. Er war Fatalist, vertrat aber eine vermittelnde Position, indem er dem menschlichen Willen eine echte Wahlmöglichkeit zubilligte. Seine Lösung des Konflikts zwischen Notwendigkeit und individueller Autonomie bestand darin, einen Sonderbereich der freien Entscheidungen als âdas, was von uns abhĂ€ngtâ anzunehmen und zu behaupten, dieser Bereich sei der allgemeinen ZwangslĂ€ufigkeit der NaturvorgĂ€nge entzogen. Zu diesem Zweck unterschied Chrysippos verschiedene Arten von Ursachen: Den âvollendetenâ Ursachen stehen in seinem System die âmitwirkendenâ gegenĂŒber, den âanfĂ€nglichenâ die âletztenâ, das heiĂt die auslösenden. Nach einer anderen Ăbersetzung handelt es sich um einen Gegensatz zwischen âvollkommenen Hauptursachenâ und âmithelfenden Nebenursachenâ.cite-ref-82[82] Nur den vollendeten und den anfĂ€nglichen Ursachen â der Grundveranlagung einer Person oder der Beschaffenheit eines Objekts â wies Chrysippos zwingende Macht zu. Die auf den Menschen einwirkenden Reize der AuĂenwelt und seiner eigenen Triebe hingegen gelten in diesem Modell als nur mitwirkende und auslösende Ursachen. Sie sind zwar von der Heimarmene gesetzt, aber nicht zwingend. Daher verfĂŒgt die Person ĂŒber die Entscheidungsmacht, einer Option ihre âZustimmungâ zu erteilen oder zu verweigern. Sie trifft die Entscheidung gemÀà ihrer individuellen Natur, also autonom. Damit ist die Verantwortung gerettet.cite-ref-83[83]
Die Annahme einer solchen âweichenâ Determination erzeugt allerdings ein Dilemma, dessen Brisanz Chrysippos möglicherweise nicht erkannte: Wenn die individuelle Natur, der Charakter der Person, deren Entscheidungen bestimmt, stellt sich die Frage, wovon diese Natur determiniert wird. Wenn sie von Ă€uĂeren Faktoren abhĂ€ngt, ist sie dem Zwang der Heimarmene völlig unterworfen, und die moralische Verantwortung erweist sich als Illusion. Wenn man jedoch die AbhĂ€ngigkeit von der AuĂenwelt verneint oder einschrĂ€nkt, um Autonomie und Verantwortung zu retten, droht ein Zirkelschluss. Dann muss angenommen werden, dass der Mensch selbst durch seine Ăberzeugungen, Entscheidungen und Handlungen seinen Charakter beeinflusst und insofern dessen Ursache ist. Die Argumentation erfordert jedoch, dass die individuelle Natur die Ursache der Ăberzeugungen, Entscheidungen und Handlungen ist.cite-ref-84[84]
Den logischen Fatalismus, dessen DeterminationsverstĂ€ndnis mit einer âweichenâ Determination unvereinbar ist, verwarf Chrysippos. Er versuchte das Meisterargument des Diodoros Kronos zu widerlegen, indem er die GĂŒltigkeit von dessen zweiter PrĂ€misse bestritt, und entwickelte eine alternative Modallogik.cite-ref-85[85] SpĂ€ter wandten Gegner dagegen ein, sein SchicksalsverstĂ€ndnis widerspreche seiner Modallogik, denn diese lasse kontingente (nicht notwendige) Ereignisse zu, die das Schicksalskonzept ausschlieĂe; somit gestatte sein System faktisch nichts von dem, was seine Modallogik ermöglichen solle.cite-ref-86[86]
Im 1. Jahrhundert v. Chr. verbreitete der Stoiker Poseidonios den âGestirnfatalismusâ, die Lehre, dass alles Geschehen dem Einfluss der Gestirne unterliege. Die Grundlage dafĂŒr war der Gedanke einer Weltordnung, die einen universellen Zusammenhang zwischen kosmischen VorgĂ€ngen und individuellen Schicksalen herstellt. Dieses Konzept bildete die philosophische Basis des astrologischen Fatalismus.cite-ref-87[87]
Eine Verbindung von Fatalismus und Lob der Tatkraft prĂ€gte die Gedankenwelt des römischen Stoikers Seneca, der von einer unerbittlichen Notwendigkeit des Vorherbestimmten ausging und zugleich das Leben als Kampf mit den von Fortuna verhĂ€ngten Widrigkeiten auffasste. Fortuna steht in Senecas Weltbild fĂŒr das ZufĂ€llige, Plötzliche und Verwirrende, das dem Betroffenen sinnlos scheint; das Fatum ist dem entgegengesetzt, es ist die von der Gottheit vorbestimmte Notwendigkeit des Schicksals, mit der man einverstanden sein soll. Freiheit besteht nur hinsichtlich der Wahl, dem Schicksalslauf zuzustimmen oder nicht; am Ablauf Ă€ndert sich dadurch nichts. Seneca betonte, dass man sich nicht notgedrungen mit dem Schicksal abfinden, sondern ihm willig zustimmen solle. Diese Haltung fasste er prĂ€gnant mit einem Vers des griechischen Stoikers Kleanthes zusammen, den er ins Lateinische ĂŒbersetzte: âDen Willigen fĂŒhrt das Schicksal, den Unwilligen zieht es.âcite-ref-88[88]
Der stoisch gesinnte römische Kaiser Mark Aurel betonte die Forderung, das Schicksal zu lieben. Bei ihm erscheint die Heimarmene in positivem Licht, nur selten ist vom Ertragen und Leiden die Rede. Liebe zum Schicksal Ă€uĂert sich als Mitarbeit an einem Geschehen, das nicht nur unabĂ€nderlich, sondern auch gut ist. Dem Schicksal gebĂŒhrt freudige und dankbare Zustimmung.cite-ref-89[89]
Hellenistischer, kaiserzeitlicher und spÀtantiker Platonismus
Im Zeitalter des Hellenismus bemĂŒhten sich die âAkademikerâ, die skeptischen Platoniker der âJĂŒngeren Akademieâ, um die Widerlegung des Fatalismus. Die Hauptarbeit leistete Karneades von Kyrene, der im 2. Jahrhundert v. Chr. lange als Scholarch die Akademie leitete. Er prĂ€sentierte Argumente, die fortan den gesamten philosophischen Fatalismusdiskurs der Antike prĂ€gten. Ein betrĂ€chtlicher Teil seiner AusfĂŒhrungen richtete sich gegen die Grundlagen und Methoden der Astrologie, ein anderer prangerte die Folgen des Fatalismus fĂŒr Moral und LebensfĂŒhrung an. Ein wichtiges Angriffsziel war die von Chrysippos entwickelte stoische Lehre von der Vorsehung und der Heimarmene. Der Vordenker der Stoa hatte versucht, die von der Schicksalsmacht bewirkte KausalitĂ€t teilweise ihres Zwangscharakters zu entkleiden, um die Entscheidungsfreiheit zu retten. Diesen Ansatz wies Karneades als unstimmig zurĂŒck.cite-ref-90[90]
Auch im Mittelplatonismus, der sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. durchsetzte, und im Neuplatonismus, der den philosophischen Diskurs der SpĂ€tantike bestimmte, war die Ablehnung des Fatalismus einhellig. Mittel- und Neuplatoniker verwarfen die fatalistische Sichtweise, wonach eine zwingende Notwendigkeit oder die göttliche Vorsehung die Ursache von Ăbeln im menschlichen Leben ist. Sie sahen im Schicksal nicht eine Macht, die alle VorgĂ€nge und ZustĂ€nde von vornherein determiniert, sondern nur das kosmische Gesetz, das alle Handlungen mit ihren Folgen verbindet und jedem das zuweist, was ihm aufgrund seiner Entscheidungen und Taten zusteht. Nach diesem VerstĂ€ndnis bestimmt die Heimarmene nur die GesetzmĂ€Ăigkeit der möglichen HandlungsablĂ€ufe, nicht jedoch die menschlichen Entscheidungen fĂŒr oder gegen einzelne Handlungen. Die unsterbliche Seele des Menschen ist eine autonome Instanz, die aufgrund ihrer Natur unabhĂ€ngig von Ă€uĂeren schicksalsbestimmenden Faktoren spontane Akte initiieren kann.cite-ref-91[91]
Eine ausfĂŒhrliche Darstellung und BegrĂŒndung der traditionellen platonischen Position verfasste im 5. Jahrhundert der Neuplatoniker Proklos. Sein Ausgangspunkt ist die Ăberlegung, dass das Schicksal Ursachen und Folgen verknĂŒpft. VerknĂŒpfen lĂ€sst sich nur rĂ€umlich und zeitlich Getrenntes, das heiĂt Körperliches, denn nur Körperliches unterliegt den Bedingungen von Raum und Zeit. Im Gegensatz zur immateriellen Seele, die sich selbst bewegt, ist das Materielle das von anderem Bewegte. Somit muss das, was vom Schicksal beherrscht wird, von anderem bewegt und körperlich sein. Also ist das Schicksal auf den Bereich der Natur, der materiellen Gegebenheiten, beschrĂ€nkt. Es spielt sich dort ab, wo es Werden und Vergehen gibt. Keinen Einfluss hat es demnach auf das, was ĂŒber Raum und Zeit steht. Das ist die intelligible SphĂ€re, das Reich der nur geistig erfassbaren platonischen Ideen. In dieser ĂŒberzeitlichen Wirklichkeit ist die unsterbliche Seele beheimatet. Daraus folgt, dass der Mensch nur hinsichtlich seines Körpers dem Schicksal unterworfen ist. Durch seine geistige TĂ€tigkeit kann er sich in den Bereich erheben, der ĂŒber dem Schicksal steht. Er hat aber auch die Möglichkeit, dem Körper und den Affekten zu verfallen und sich damit durch einen Willensakt dem Schicksal auszuliefern.cite-ref-92[92]
Im 6. Jahrhundert baute Boethius das Fatum in sein philosophisches Weltbild ein, in dem er platonisches und christliches Gedankengut verband. In seinem Hauptwerk Der Trost der Philosophie gehört die UnbestĂ€ndigkeit der GlĂŒcks- und Schicksalsgöttin Fortuna zum Kernthema. Zur KlĂ€rung der Frage nach den menschlichen Geschicken, nach Vorbestimmung und Willensfreiheit erlĂ€utert die personifizierte Philosophie im Dialog mit dem Autor die Begriffe Vorsehung und Schicksal. Sie definiert die Vorsehung als die göttliche Vernunft, die alles ordnet, und das Fatum als die den beweglichen Dingen innewohnende planmĂ€Ăige Anlage, durch welche die Vorsehung alles ordnungsgemÀà zusammenbindet. Die Schicksalsordnung (ordo fatalis) geht aus der Einfachheit der Vorsehung hervor. Alles, was dem Schicksal untersteht, ist auch der Vorsehung unterworfen, aber einiges, was der Vorsehung unterstellt ist, ĂŒberragt die Schicksalsordnung. Das ist das, was der Gottheit nahe und bestĂ€ndig ist und so ĂŒber die Beweglichkeit der Schicksalsordnung hinausgeht. Das Fatum ist die Instanz, von der die relativ gottfernen Bereiche gelenkt werden; je nĂ€her der Mensch zu Gott hinstrebt, desto freier wird er vom Fatum, und wenn es ihm gelingt, sich in der Festigkeit des göttlichen Geistes zu verankern, unterliegt er dem Schicksalszwang nicht mehr.cite-ref-93[93] Alles, was geschieht, wird von UrsachenverknĂŒpfungen hervorgebracht. Somit gibt es keinen Zufall.cite-ref-94[94] In dem Dialog beschreibt Boethius ausfĂŒhrlich die fatalistische Position, der zufolge das göttliche Vorauswissen die menschliche Willensfreiheit und Verantwortung vernichtet.cite-ref-95[95] Darauf antwortet die Philosophie mit einer eingehenden Widerlegung. Nach ihren Worten ist das ZukĂŒnftige nur dann notwendig, wenn es auf die göttliche Erkenntnis bezogen wird, nicht aber, wenn es nach seiner eigenen Natur abgewogen wird. FĂŒr Gott handelt es sich nicht um das Vorherwissen einer Zukunft, sondern um Kenntnis einer niemals versagenden Gegenwart (instantia). Gottes Ewigkeit umfasst alle Zeit als Gegenwart und sein Wissen alles Geschehen als gegenwĂ€rtig. Was in der Vorsehung simultan gegeben ist, entfaltet sich in der Zeit als Schicksal. Die Gegenwart der Gesamtheit der Ereignisse bei Gott geht nicht aus dem Vorrat der Zukunft hervor, sondern aus der Einfachheit von Gottes eigener Natur. Das, was gewusst wird, wird nicht aus einer ihm innewohnenden Kraft und aus seiner Natur erkannt, sondern gemÀà der FĂ€higkeit des Erkennenden. Wie das menschliche Betrachten eines Ereignisses diesem keine Notwendigkeit verleiht, so macht auch Gottes Wissen das, was er weiĂ, nicht notwendig.cite-ref-96[96] UngeklĂ€rt bleibt bei diesen AusfĂŒhrungen allerdings die Frage, wie man sich die Vereinbarkeit von Vorherbestimmung und Willensfreiheit im Kausalzusammenhang zu denken hat.cite-ref-97[97]
Epikureer und Kyniker
Epikur und die Epikureer verteidigten die Willensfreiheit, auf die sie groĂes Gewicht legten, und bekĂ€mpften den Fatalismus. Zwar lehnte Epikur die Vorstellung einer Interaktion zwischen Göttern und Menschen entschieden ab, aber das stoische Schicksalskonzept fand er noch schlimmer. Daher Ă€uĂerte er die Meinung, es sei besser, sich an die Göttermythen zu halten, als sich der Heimarmene zu ergeben, denn der Volksglaube biete immerhin die Aussicht, die Götter gnĂ€dig zu stimmen, wĂ€hrend im Fatalismus eine unerbittliche Notwendigkeit herrsche. Das âMeisterargumentâ des Diodoros Kronos versuchte Epikur zu entkrĂ€ften, indem er die AllgemeingĂŒltigkeit des Prinzips der Zweiwertigkeit bestritt. Die kaiserzeitlichen Epikureer Diogenes von Oinoanda und Diogenianos setzten die antifatalistische Polemik fort.cite-ref-98[98]
Auch die Kyniker lehnten den Fatalismus ab. Sie betrachteten den Menschen als Herrn seines Schicksals und bestritten, dass er einer metaphysischen Macht unterstehe. Dabei tat sich â wohl im 2. Jahrhundert â Oinomaos von Gadara hervor, der die Willensfreiheit verteidigte und in seiner Schwindlerentlarvung das fatalistische Modell der Stoa zu widerlegen versuchte. Den gemĂ€Ăigten Fatalismus des Chrysippos verspottete er mit der Bemerkung, dieser Stoiker habe den Menschen zum âHalbsklavenâ gemacht.cite-ref-99[99]
Cicero
Cicero war stark vom Gedankengut der antifatalistischen JĂŒngeren Akademie beeinflusst. In seiner teilweise verlorenen, im Jahr 44 v. Chr. verfassten Schrift Ăber das Schicksal bemĂŒhte er sich um die Widerlegung des stoischen Fatalismus. Er prĂ€sentierte und diskutierte die einschlĂ€gigen Argumente der hellenistischen Philosophenschulen. Seine Abhandlung ist die ausfĂŒhrlichste heute bekannte Darstellung der Fatumsdiskussion in der Epoche des Hellenismus. Die Argumentation Ciceros fuĂt letztlich auf der des Karneades.cite-ref-100[100] In der FĂ€higkeit des Menschen, angeborene SchwĂ€chen und Fehler zu bekĂ€mpfen, sah Cicero einen schlagenden Beweis fĂŒr den gewissermaĂen auĂernatĂŒrlichen Charakter des Willens, das heiĂt fĂŒr dessen UnabhĂ€ngigkeit vom Zwang der Ă€uĂeren determinierenden Faktoren, die sonst ĂŒberall im Kosmos herrschen.cite-ref-101[101] Dem logischen Fatalismus begegnete er mit der Ăberlegung, nur die Wahrheit oder Falschheit eines Satzes sei determiniert, nicht jedoch die FaktizitĂ€t eines Ereignisses. In der Logik werde nur klassifiziert und nicht etwas ĂŒber das notwendige Eintreten oder Nichteintreten von Ereignissen ausgesagt.cite-ref-102[102]
Alexander von Aphrodisias
Alexander von Aphrodisias, der namhafteste Peripatetiker der römischen Kaiserzeit, verfasste eine Schrift Ăber das Schicksal, in der er ausfĂŒhrlich gegen den stoischen Fatalismus polemisierte. Er rĂ€umte ein, dass eine schicksalhafte KausalitĂ€t einen bestimmenden Einfluss auf die physischen VorgĂ€nge ausĂŒbe, doch er bestritt, dass die von den Stoikern postulierte naturgegebene Schicksalsmacht, die Heimarmene, alle Geschehnisse zwingend festlege. Vielmehr sei die Heimarmene nur eine Ursache neben anderen und nicht immer der maĂgebliche Faktor. Freie Entscheidungen des Menschen seien ihr entzogen. Wer wie die Fatalisten dies nicht anerkenne, der hebe das auf, was die Besonderheit der menschlichen Natur ausmache.cite-ref-103[103] Die Vorstellung einer umfassenden Vorsehung lehnte Alexander gemÀà der traditionellen Position der peripatetischen Schule ab.cite-ref-104[104]
Astrologie
Im Zeitalter des Hellenismus verband sich der stoische Schicksalsgedanke mit der astrologischen Spekulation, die im Seleukidenreich blĂŒhte und den Volksglauben im Vorderen Orient durchdrang. Die stoische Lehre bot die Basis fĂŒr eine Theorie des astrologischen Fatalismus. Dieser verbreitete sich vom Orient her in den lateinischsprachigen Westen des Römischen Reichs. Besonders die populĂ€ren orientalischen Mysterienkulte nahmen das fatalistische Gedankengut der Astrologie auf und verschafften ihm eine bedeutende Breitenwirkung.cite-ref-105[105]
Astrologen der römischen Kaiserzeit setzten sich mit der Frage auseinander, inwieweit die Ereignisse durch Vorgaben der Schicksalsmacht determiniert sind und der Mensch somit einem VerhĂ€ngnis ausgeliefert ist. DarĂŒber gingen die Meinungen auseinander. Der im 2. Jahrhundert tĂ€tige Astrologe Vettius Valens bekannte sich zu einer umfassenden, auch die Götter einschlieĂenden Vorherbestimmung. Er bejahte die AbhĂ€ngigkeit von den GestirneinflĂŒssen emphatisch und pries den mit freudiger Zustimmung zum Unvermeidlichen verbundenen Fatalismus, der zu heiterer GemĂŒtsruhe verhelfe. Die einsichtigen Menschen nannte er âSoldaten der Heimarmeneâ.cite-ref-106[106] Sein berĂŒhmter Zeitgenosse Ptolemaios unterschied zwischen einer absolut zwingenden göttlichen Heimarmene und einer physischen, die keine totale Herrschaft ausĂŒbe. Die göttliche ordne das kosmische Geschehen, die physische lenke das menschliche Leben.cite-ref-107[107]
Bei den Philosophen â mit Ausnahme der Stoiker â stieĂ der astrologische Fatalismus auf scharfen Widerspruch, seine ethischen Folgen erschienen ihnen als unannehmbar. Der von Karneades initiierte Kampf gegen diese Variante des Vorherbestimmungsglaubens wurde in einer umfangreichen, heute zum Teil verlorenen Literatur fortgesetzt. Zu den Autoren, die sich auf diesem Feld engagierten, zĂ€hlten Philon von Alexandria, Favorinus, Sextus Empiricus und Plotin.cite-ref-108[108]
Literarische Gestaltungen
Griechische Literatur
In der homerischen Dichtung erscheint die Moira â gewöhnlich im Singular â als eine unbestimmte Schicksalsmacht, gegen die sogar die Götter nichts ausrichten können. Allerdings fehlt eine Abgrenzung der ZustĂ€ndigkeiten und KlĂ€rung der MachtverhĂ€ltnisse zwischen Moira und dem Weltlenker Zeus; dazu werden unterschiedliche Sichtweisen geltend gemacht, die Angaben ĂŒber das VerhĂ€ltnis der beiden Instanzen sind widerspruchsvoll.cite-ref-109[109] In der Ilias bemerkt die Göttin Hera in einer Götterversammlung, ihr SchĂŒtzling Achilleus werde kĂŒnftig erleiden, âwas alles das Schicksal ihm bei seiner Geburt zugesponnen hat mit dem Garnâ.cite-ref-110[110] Ebenso fĂŒhrt die trojanische Königin Hekabe den Tod ihres gefallenen Sohnes auf das Schicksalsgeflecht zurĂŒck, das bei seiner Geburt gesponnen wurde.cite-ref-111[111] Der Held Hektor bekennt sich zu einer ausgeprĂ€gt fatalistischen Haltung, aus der sich Trost schöpfen lĂ€sst. Bevor er in den Kampf zieht, versichert er seiner besorgten Gattin: âGegen das Schicksal wird keiner mich hinab zum Hades senden. Doch dem VerhĂ€ngnis entrann wohl nie einer der Sterblichen, edel oder gering, nachdem er einmal gezeugt wurde.âcite-ref-112[112]
Hesiod machte in seiner Theogonie die Moiren zu Töchtern des Weltherrschers Zeus, dem er sie damit eindeutig unterordnete. Er beschrieb sie als die Spenderinnen von GlĂŒck und UnglĂŒck, stellte aber auch fest, dass es Zeus gewesen sei, der ihnen die höchste Ehrenstellung verliehen habe.cite-ref-113[113]
In berĂŒhmten Tragödien der griechischen Klassik stellt das SpannungsverhĂ€ltnis zwischen dem von der Götterwelt bewirkten VerhĂ€ngnis und dem menschlichen Willen ein zentrales Element dar. Bei Aischylos bilden diese beiden Faktoren ein dichtes, untrennbares Gewebe. In den modernen Aischylosinterpretationen wird bei der Analyse von Entscheidungssituationen teils die Bedeutung der persönlichen, verantwortlichen Entscheidung, teils der Zwang eines unabwendbaren Schicksals in den Vordergrund gestellt. SchicksalsmĂ€Ăige Notwendigkeit setzt dem freien WĂ€hlen enge Grenzen. Die Abgrenzung von schicksalhaftem Zwang und persönlicher Wahl ist nicht in jedem Fall leicht. Es gibt ausweglose Lagen, in denen jeder Weg zu Unheil fĂŒhrt. Auch bei Sophokles tritt die Spannung zwischen GötterfĂŒgung und freiem Handeln eindrucksvoll hervor, wobei das göttliche Walten als undurchdringlich erscheint; aus der Sicht des Dichters hat der Mensch das unbegreifliche Geschick, das ĂŒber ihn verhĂ€ngt ist, glĂ€ubig hinzunehmen. In der sophokleischen Tragödie schafft das gottgesandte Schicksal Situationen, in denen der Reichtum und die Tiefe der menschlichen Seele sichtbar werden.cite-ref-114[114]
In der Tragödie Der gefesselte Prometheus, die traditionell â möglicherweise zu Unrecht â Aischylos zugeschrieben wird, stellt sich die Frage, ob sogar der Göttervater Zeus der Gewalt der Moiren unterworfen ist. Der rebellische Titan Prometheus ist ĂŒberzeugt, dass auch Zeus dem Los nicht entkommen kann, das die Moiren ihm zugeteilt haben. Ihnen gegenĂŒber ist Zeus âder SchwĂ€chereâ.cite-ref-115[115]
Eine konsequent fatalistische Position vertritt in Sophoklesâ Tragödie Antigone der Chor, der es fĂŒr sinnlos erklĂ€rt, eine FĂŒgung zu erbitten, denn niemand könne dem ihm vorbestimmten Schicksal entrinnen.cite-ref-116[116] Der Tragödiendichter Euripides lieĂ in seinem Drama Die Phoinikierinnen Ădipus ausrufen: âO Moire, wie du mich vom Anfang meines Lebens an zum UnglĂŒck schufst!âcite-ref-117[117] Euripides selbst war jedoch kaum fatalistisch gesinnt.cite-ref-118[118]
In der âNeuen Komödieâ der hellenistischen Zeit machte sich eine extrem fatalistische Weltsicht geltend, die dem damaligen Zeitgeist entsprach. In den von solchem Gedankengut geprĂ€gten StĂŒcken verfĂŒgt die launische Tyche als Göttin und Herrscherin ĂŒber weitesten Spielraum, menschliche Ăberlegungen können ihrer Macht nichts entgegensetzen. Insbesondere der namhafte Komödiendichter Menander huldigte dieser Ansicht. Bei ihm ist die Tyche blind, unbeeinflussbar, unberechenbar und unbegreiflich. Sie handelt rĂŒcksichtslos und ohne Vernunft. Ăhnlich wurde Tyche von den athenischen Volksrednern eingeschĂ€tzt, deren Schicksalsglaube den ihres Publikums spiegelte.cite-ref-119[119]
Im 2. Jahrhundert verspottete der Satiriker Lukian von Samosata den Schicksalsglauben. In seinen TotengesprĂ€chen spricht der mythische Unterweltrichter Minos einen StraĂenrĂ€uber frei, der geltend gemacht hat, er habe nicht eigenmĂ€chtig gehandelt, sondern nur einen Beschluss der Moire Klotho vollzogen. Lukians Dialog Der ĂŒberwiesene Zeus nimmt die Heimarmene aufs Korn. In diesem ZwiegesprĂ€ch wird der Göttervater Zeus von einem kynischen Spötter in die Enge getrieben. Er gibt zu, dass die Götter den Moiren untergeordnet sind. Somit ist alles vorherbestimmt, und Zeus kann der Folgerung nicht entgehen, dass Opfer und Bittgebete sinnlos sind, da sie nichts bewirken können. Ăberdies gebĂŒhrt den Göttern keine Verehrung, da sie nur Handlanger der Moiren sind.cite-ref-120[120]
Das Weltbild der kaiserzeitlichen griechischen Romanliteratur ist von einem konsequenten Fatalismus bestimmt. Hier tragen die Menschen fĂŒr ihre Taten â auch fĂŒr Verbrechen â keine Verantwortung, vielmehr sind die Götter und DĂ€monen und vor allem die Schicksalsgottheit Tyche verantwortlich. In dem Liebesroman Leukippe und Kleitophon schildert Achilleus Tatios die Abenteuer eines Liebespaars, dessen Standhaftigkeit sich in der harten âSchule der Tycheâcite-ref-121[121] zu bewĂ€hren hat.cite-ref-122[122]
Römische Literatur
FĂŒr die römischen Dichter der augusteischen Zeit war die Vorherbestimmung eine feststehende Tatsache. Eine zentrale Rolle spielt das Fatum in Vergils Epos Aeneis, wo es sich nach dem Willen Jupiters vollzieht; das Ziel der Geschichte ist durch alle Verwicklungen seit dem Untergang Trojas hindurch die GrĂŒndung des Römischen Reichs, die schon immer von der Vorsehung geplant war. Die berĂŒhmte Prophezeiung eines neuen Goldenen Zeitalters in Vergils vierter Ekloge wird als Spruch der Parzen dargestellt.cite-ref-125[125] Horaz stellte die Schicksalsmacht ĂŒber Jupiter, den âVater der Menschheitâ, indem er den göttlichen Weltherrscher daran erinnerte, dass das Fatum ihm das Wohl des regierenden Kaisers Augustus anvertraut habe.cite-ref-126[126] Tibull stellte fest, kein Gott könne die FĂ€den der Parzen zerreiĂen.cite-ref-127[127] Auch Ovid griff das Motiv der UnabĂ€nderlichkeit des Vorherbestimmten auf. Nach seiner Schilderung versuchte die Göttin Venus vergeblich, den bevorstehenden Mord an Caesar zu verhindern. Jupiter erklĂ€rte ihr, das Fatum sei unĂŒberwindlich, der unabĂ€nderliche Spruch der Parzen sei im Weltarchiv auf riesigen Tafeln âsicher und ewigâ verzeichnet.cite-ref-128[128]
Der Dichter und Astrologe Manilius, der im frĂŒhen 1. Jahrhundert das Lehrgedicht Astronomica verfasste, vertrat auf der Basis seines stoischen Weltbilds einen konsequenten Fatalismus. Er formulierte den Grundsatz âDie Gestirne regieren den Erdkreisâ. In Auseinandersetzung mit dem epikureischen Freiheitskonzept propagierte Manilius das gegenteilige: Erlösung von den Sorgen durch Anerkennung der Allmacht des Fatums.cite-ref-129[129]
Im 1. Jahrhundert erscheint bei dem Epiker Silius Italicus Jupiter als Schicksalslenker, doch an einer Stelle seines Epos Punica wird den Parzen eine ĂŒbergeordnete Gewalt eingerĂ€umt: Die Göttin Juno bekundet im GesprĂ€ch mit ihrem Gatten Jupiter, dass sie sich den FĂ€den, die die Parzen spinnen, beugt, wenngleich sie einen anderen Ausgang des Zweiten Punischen Krieges wĂŒnschen wĂŒrde.cite-ref-130[130]
Der Dichter Statius, ein Zeitgenosse des Silius Italicus, war ein rigoroser Fatalist. In seiner Thebais, einem in Antike und Mittelalter stark nachwirkenden Epos, sind Fatum und Götter weder wohlwollend noch gerecht und vernĂŒnftig. Vielmehr steuern sie die VorgĂ€nge willkĂŒrlich, und das Fatum erscheint als böswillig. Die Menschen sind den höheren MĂ€chten ausgeliefert und handeln als deren Werkzeuge. Allerdings meinte Statius, es sei möglich, die Parzen zu beeinflussen und dadurch das Leben von Sterblichen ĂŒber die vorbestimmte Spanne hinaus zu verlĂ€ngern.cite-ref-131[131]
In dem Roman Metamorphosen des Apuleius erleidet der Held schwere SchicksalsschlĂ€ge, wird aber schlieĂlich durch die Gnade der allmĂ€chtigen Göttin Isis aus seiner Not befreit. Isis steht ĂŒber der Schicksalsmacht und kann das ĂŒber eine Person verhĂ€ngte UnglĂŒck abwenden. Insbesondere verfĂŒgt sie ĂŒber die Macht, den Tod ungeachtet der Vorherbestimmung hinauszuschieben. Sie dreht die FĂ€den des Schicksals wieder auf. Mit dieser verherrlichenden Darstellung des Waltens der Göttin griff Apuleius im 2. Jahrhundert eine Vorstellung auf, die unter den Verehrern der Isis schon seit der hellenistischen Zeit verbreitet war, und gab ihr eine eindrucksvolle literarische Gestalt.cite-ref-132[132]
Noch in der SpĂ€tantike bot im lĂ€ngst christianisierten Weströmischen Reich die Parzenmacht Stoff fĂŒr eine dichterische Gestaltung. Als es dem Staatsmann und Feldherrn Stilicho gelang, den Konsulat fĂŒr das Jahr 400 zu ĂŒbernehmen, verfasste der Panegyriker Claudian drei Gedichte zur Verherrlichung des erfolgreichen Politikers, der sein Gönner war. Im zweiten Gedicht schenkt die Göttin Roma Stilicho eine Toga, die sie selbst gemeinsam mit Minerva gewoben hat und auf der Szenen aus seinem Leben mit einem Goldfaden eingestickt sind. Es ist der Faden, mit dem die Parze Lachesis das bevorstehende Goldene Zeitalter gesponnen hat, das dank Stilichos Taten anbrechen soll.cite-ref-133[133]
Religiöse Lehren im Römischen Reich
Christliche groĂkirchliche Theologie
Die christliche GroĂkirche bestritt vehement, dass der Mensch einem unausweichlichen Schicksal ausgeliefert sei, fĂŒr das er nicht verantwortlich sei. Kirchliche Autoren der patristischen Epoche waren der Meinung, der Begriff Heimarmene/Fatum habe kein Korrelat in der Wirklichkeit, er drĂŒcke nur einen Aberglauben aus. Suspekt war das Fatum den KirchenvĂ€tern insbesondere wegen seiner gĂ€ngigen Verbindung mit der Astrologie, denn eine AbhĂ€ngigkeit des Menschen von den Gestirnen war mit ihrem Weltbild unvereinbar.cite-ref-134[134]
Justin der MÀrtyrer, ein Apologet des 2. Jahrhunderts, eröffnete den Kampf gegen den Schicksalsglauben. Der namhafteste Vordenker der christlichen Fatalismuskritik war der Kirchenschriftsteller Origenes. Der spÀtantike Kirchenvater Johannes Chrysostomos lehrte, dass jedem, der auf die Heimarmene achtet, die Hölle sicher sei.cite-ref-135[135] Mit der Ablehnung des stoischen Fatalismus und des kausalen Determinismus wandten sich die Theologen gegen Konzepte, die mit ihrer Lehre von der uneingeschrÀnkten Weltlenkung durch den biblischen Gott konkurrierten. Dabei bedienten sie sich der Argumente, die sie dem antifatalistischen Schrifttum der Peripatetiker und Platoniker entnehmen konnten. Im Vordergrund stand die moralische Argumentation.cite-ref-136[136]
Einerseits musste aus theologischer Sicht die Willensfreiheit gerettet werden, andererseits hielten die KirchenvĂ€ter zugleich strikt am Prinzip von Gottes Vorauswissen fest, was auf die Annahme einer bereits determinierten Zukunft hinauslief. Der spĂ€tantike Kirchenvater Hieronymus machte sich sogar die Ăberzeugung der logischen Fatalisten zu eigen, dass es keine zukĂŒnftigen Möglichkeiten gibt, die fĂŒr immer unrealisiert bleiben.cite-ref-137[137]
Der Kirchenvater Augustinus meinte, der Ausdruck Fatum gehöre eigentlich nicht in den Wortschatz von Christen. FĂŒr ihn war das Wort durch die Vorstellung eines blinden, von Gottes Willen unabhĂ€ngigen Schicksals vorbelastet. Allerdings glaubte er wie alle antiken Theologen, dass der Geschichtsverlauf vorherbestimmt sei und vom Willen Gottes gelenkt werde und dass Gott auch bestĂ€ndig in die menschlichen Geschicke eingreife. Aus dieser Perspektive konnte aus der Sicht des Kirchenvaters das Fatum als Ausdruck der göttlichen Vorsehung gedeutet werden. Gemeint war dann der âAusspruch Gottesâ im Sinne der etymologischen Ableitung von fari (âsprechenâ). Unter diesem Gesichtspunkt fand Augustinus das Wort akzeptabel.cite-ref-138[138]
Ungeachtet seiner Ablehnung des paganen Fatalismus fĂŒhrte Augustinus selbst ein fatalistisches Element in seine Theologie ein, indem er lehrte, dass Gott einige wenige Menschen zum ewigen Heil und die ĂŒberwiegende Mehrheit zum ewigen Tod prĂ€destiniert habe. Dieser Wille Gottes sei unwiderstehlich und der menschliche Wille demgegenĂŒber irrelevant.cite-ref-139[139]
Gnosis, christlicher Volksglaube und Sondergruppen im Christentum
Die antiken Gnostiker fĂŒhrten die vielfĂ€ltigen Ăbel, denen das menschliche Dasein ausgesetzt ist, auf das Wirken der âArchontenâ zurĂŒck, böswilliger MĂ€chte, die das Universum beherrschten und die Menschen versklavt hĂ€tten. In scharfem Gegensatz zu den vorherrschenden philosophischen und religiösen Lehren, die von einer wohlwollenden Weltlenkung und sinnvollen Weltordnung ausgingen, hielten die Gnostiker die machthabende Instanz â den oder die Schöpfer und Lenker der Welt â fĂŒr dĂ€monisch und tyrannisch und den Kosmos fĂŒr ein GefĂ€ngnis. Nach ihren Lehren ist der gefangene Mensch auf der Erde physisch durch das Naturgesetz geknechtet, psychisch durch religiöse Vorschriften. Unter Heimarmene oder Fatum verstanden die Gnostiker die despotische Weltherrschaft der Archonten, der die Gefangenen ausgeliefert seien. Dieses Schicksal betrachteten sie aber nicht als unausweichlich im fatalistischen Sinn. Das irdische Elend ist der gnostischen Weltdeutung zufolge das Resultat einer freien Entscheidung derjenigen, die sich freiwillig in die materielle Welt begeben haben und seither der Heimarmene unterworfen sind. Dieser fatale Schritt kann aber rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Man kann sich aus der Sklaverei der Heimarmene befreien, wenn man sich das gnostische Erlösungswissen aneignet. Dann ist es möglich, aus dem GefĂ€ngnis auszubrechen und den Weg in ein jenseitiges Reich der Freiheit zu finden. Dort hat das VerhĂ€ngnis, das die irdischen VerhĂ€ltnisse und Schicksale bestimmt, keine Geltung.cite-ref-140[140]
Zahlreiche antike Christen akzeptierten zwar die Vorstellung einer unheilvollen Schicksalsmacht, hielten sich selbst aber fĂŒr Angehörige einer Elite, die schon wĂ€hrend des irdischen Daseins dem Fatum nicht unterworfen sei. Sie meinten, dank ihrer RechtglĂ€ubigkeit ĂŒber den Schicksalszwang, der das Dasein der âHeidenâ beherrsche, erhaben zu sein, da Christus sie davon erlöst habe. Derartige Ideen waren bei christlichen Gnostikern und in anderen âhĂ€retischenâ Gruppen verbreitet und fanden im 2. Jahrhundert auch innerhalb der GroĂkirche viel Anklang. Ein namhafter AnhĂ€nger dieses Glaubens war Tatian. Mit groĂem Nachdruck propagierte Theodotos das Konzept einer nur ĂŒber die UnglĂ€ubigen herrschenden, astrologisch fassbaren Heimarmene, deren Macht von der Taufe gebrochen werde.cite-ref-141[141]
Nach der Lehre des auĂerkirchlichen christlichen Philosophen Bardesanes gibt es drei determinierende Faktoren: die Natur, das Schicksal (syrisch helqÄ) und den freien Willen, der die ethischen Entscheidungen trifft. Die Schicksalsmacht bestimmt ĂŒber die Ă€uĂeren GĂŒter und Ăbel wie Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut. Eigentlich ist das Schicksal eine Einrichtung des Schöpfers, doch es wird von den Geistwesen, die es in seinem Auftrag verwalten, zum Teil auf schĂ€dliche Weise gelenkt.cite-ref-142[142]
Pagane Erlösungslehren
Im kaiserzeitlichen und spĂ€tantiken Volksglauben war die Auffassung verbreitet, dass die Schicksalsmacht tyrannisch herrsche und dass es fĂŒr den Menschen darauf ankomme, ihr zu entrinnen. DafĂŒr wurden religiöse Erlösungswege angeboten. Deren VerkĂŒnder stellten die eigene Gemeinschaft als Elite dar, die sich ĂŒber den Schicksalszwang erheben könne, wĂ€hrend die Masse der WillkĂŒr der Heimarmene ausgeliefert bleibe. Solche Vorstellungen fanden vor allem bei den AnhĂ€ngern des Isiskults Resonanz.cite-ref-143[143] Auch die ChaldĂ€ischen Orakel, ein stark rezipiertes religiöses Lehrgedicht â oder eine Sammlung von Gedichten â aus der Kaiserzeit, verbreiteten derartiges Gedankengut. Der Verfasser dieses nur fragmentarisch ĂŒberlieferten Werks bewertete die Heimarmene negativ und riet, man solle sich ihr nicht zuwenden, sondern sich von ihr emanzipieren. In diese Richtung weisen seine RatschlĂ€ge âBetrachte nicht die Natur, ihr Name ist Schicksalâ und âFĂŒge dem Schicksal nichts hinzuâ.cite-ref-144[144] Als Mittel zur Befreiung vom Zwang des Schicksals empfahl er die Theurgie, das Zusammenwirken mit hilfreichen göttlichen Wesen, an die man sich wenden könne. Wer sich der Theurgie widme, der kehre nicht zur Schar derer zurĂŒck, die dem Schicksal unterworfen seien.cite-ref-145[145]
AuĂerdem traten Magier auf, die behaupteten, durch Zauber die Macht der Heimarmene brechen zu können. Sie fanden betrĂ€chtlichen Anhang.cite-ref-146[146]
In einem orphischen Hymnus wendet sich der unbekannte Autor an die âunerforschlichen Moirenâ, die er als âliebe Kinder der dunklen Nachtâ anredet, und rĂŒhmt an ihnen, dass sie den Sterblichen âden Zwang der Notwendigkeit nehmenâ. Hier erscheinen die Schicksalsfrauen somit als wohlwollende Göttinnen, die den Bitten ihrer Verehrer zugĂ€nglich sind.cite-ref-147[147]
Germanen, Kelten, Etrusker
Inwieweit bei den Germanen des Altertums der Glaube an ein unergrĂŒndliches und unerbittliches Schicksal verbreitet war, ist unklar. Die Ă€ltere Forschung sah in einem solchen Fatalismus ein besonderes Merkmal der altgermanischen Weltdeutung. In neuerer Zeit bestehen aber starke Zweifel daran, dass die in mittelalterlichen Quellen bezeugte Vorstellung einer unpersönlichen, ĂŒber den Göttern stehenden schicksalslenkenden Instanz eine germanische Wurzel hat. Es wird auf Beeinflussung der darĂŒber berichtenden Quellen durch antikes und christliches Gedankengut hingewiesen.cite-ref-148[148]
Bei den Kelten im Römischen Reich gab es sowohl im Gebiet der Belger als auch in Britannien einen Kult einheimischer mĂŒtterlicher Göttinnen, die als Schicksalsbestimmerinnen betrachtet und mit den römischen Parzen gleichgesetzt wurden. Dies zeigen Inschriften und plastische Darstellungen der Gottheit mit SpinngerĂ€t oder einer Schriftrolle.cite-ref-149[149]
Die Etrusker verehrten die Schicksalsgöttin Nortia. Sie wollten das kĂŒnftige Schicksal aus Vorzeichen herauslesen, hauptsĂ€chlich aus Blitzen und aus den Eingeweiden der Opfertiere, besonders der Leber. Die Wahrsagung spielte in der etruskischen Religion eine zentrale Rolle. In der Ă€lteren Forschung wurde angenommen, hier liege ein harter Fatalismus vor, der bestĂ€ndige Furcht und eine dĂŒstere Lebenshaltung erzeugt habe. Nach neueren Erkenntnissen ist diese EinschĂ€tzung jedoch zu revidieren, denn der Mensch galt nicht als machtlos und ausgeliefert. Die Etrusker glaubten das Vorausbestimmte und Vorausgesehene beeinflussen und drohende Ăbel abwenden zu können, indem sie die göttlichen Urheber der bevorstehenden Ereignisse umstimmten. AuĂerdem galt es als möglich, die ErfĂŒllung eines göttlichen Schicksalsspruchs aufzuschieben. Hinzu kam, dass die Etrusker das Schicksal fĂŒr ĂŒbertragbar hielten: Wer aufgrund einer Wahrsagung erkannt hatte, dass ihm ein Unheil bevorstand, konnte es auf eine andere Person ablenken. Ebenso konnte man ein gĂŒnstiges Geschick, das einem anderen bestimmt war, auf sich ziehen. Auch auf der Ebene der Völker konnte so verfahren werden.cite-ref-150[150]
Perser
Der persische Zoroastrismus zeigt in der Zeit des Sasanidenreichs eine fatalistische PrĂ€gung. In der mittelpersischen Literatur wird das dem Menschen zugeteilte Schicksal mit dem Wort baxt bezeichnet, dessen Grundbedeutung vorbestimmter Anteil ist, das aber auch die zuteilende Macht bezeichnen kann. Als âHerr der Zuteilungâ gilt der Fixsternhimmel. Dieser ist ein Teil der guten Schöpfung und kann daher dem Menschen nur Gutes erweisen. Ob jemand ein relativ glĂŒckliches oder unglĂŒckliches Leben fĂŒhrt, hĂ€ngt davon ab, wie viel Gutes ihm vom Himmel durch die Tierkreiszeichen zugewiesen wurde. Das Ăbel stammt von den Planeten, die das Gute rauben. Sie stören die Einwirkung des Fixsternhimmels und verhindern eine gerechte Zuteilung. Nach einer anderen Version ist die AusschĂŒttung des Guten durch den Tierkreis mit der TĂ€tigkeit eines Bauern zu vergleichen, der beim SĂ€en nicht darauf achtet, an welcher Stelle eine Saat hinunterfĂ€llt. Demnach erfolgt die Zuteilung zufĂ€llig, sie hĂ€ngt nicht von der Tugend oder WĂŒrdigkeit der einzelnen Personen ab.cite-ref-151[151]
Aus den Quellen geht nicht hervor, ob die Zuteilung schon am Anfang der Weltschöpfung erfolgt ist oder erst bei der Geburt eines Menschen geschieht. Jedenfalls ist baxt ein im Voraus fĂŒr jeden Menschen festgelegter Anteil an den als wertvoll geltenden GĂŒtern Familie, Vermögen, AutoritĂ€t und Lebensdauer. Daneben gibt es einen weiteren Anteil, der bayĆ.baxt genannt wird. Ihn erhĂ€lt der Mensch erst im Lauf seines Lebens gemÀà seiner WĂŒrde und seinen Verdiensten. Durch FleiĂ kann man den Anteil, der einem vom Fixsternhimmel zugewiesen wurde, zwar nicht vergröĂern, aber man kann ihn sich schneller aneignen.cite-ref-152[152]
Nach einer Àlteren Forschungsmeinung war der Zurvanismus, eine religiöse Richtung innerhalb des Zoroastrismus oder neben ihm, die Heimat einer besonders wirkmÀchtigen Form des persischen Fatalismus. Die Gottheit Zurvan, eine Personifikation der unbegrenzten Zeit, sei der Schicksalsherr gewesen, der jedem Menschen die Todesstunde zugewiesen habe. In der neueren Fachliteratur wird jedoch ein besonderer Zusammenhang zwischen Zurvan und der Schicksalsbestimmung bestritten.cite-ref-153[153]
Araber
Die arabische Kultur der vorislamischen Zeit war von einem ausgeprĂ€gt fatalistisches Denken durchdrungen, das in der Dichtung Ausdruck fand. Insbesondere der Tod als unausweichliche Bestimmung aller Menschen wurde in fatalistischer Haltung erwartet. Es herrschte die Ăberzeugung, dass der Todestag vorherbestimmt sei. In Klagen ĂŒber den Verlust eines Verwandten oder Freundes, in den einleitenden Versen (nasÄ«b) der QaáčŁÄ«dah-Gedichte, wo die zerstörende Wirkung der Zeit thematisiert wurde, und in den Faáž«r-Versen, die Standhaftigkeit und Todesverachtung priesen, war vom VerhĂ€ngnis die Rede. AusdrĂŒcke fĂŒr Zeit erhielten oft die Bedeutung Schicksal. Der berĂŒhmte Dichter LabÄ«d schrieb, die Seele sei von ihrem unausweichlichen Schicksal (áž„imÄm) gefesselt. Als áž„imÄm wurde hĂ€ufig der Tod auf dem Schlachtfeld bezeichnet.cite-ref-154[154]
Mittelalterliche Auffassungen
Theologische und philosophische Debatten
Die Auseinandersetzung der mittelalterlichen Gelehrten mit dem antiken Diskurs, der ihnen nur teilweise bekannt war, fiel zwiespĂ€ltig aus. Man befand sich in einem Dilemma. Einerseits wurde der Fatalismus stoischer PrĂ€gung aus theologischer Sicht als glaubenswidrig verurteilt, wobei man sich an der einschlĂ€gigen Polemik der KirchenvĂ€ter orientierte; die bedrohte Willensfreiheit musste gewahrt werden. Andererseits fĂŒhrte der kirchlich vorgeschriebene Glaube an die göttliche Vorsehung und an die biblischen Prophezeiungen zur Ausformung von mehr oder weniger fatalistischen PrĂ€destinationslehren. Hinzu kam die fortdauernde Herausforderung durch die Problematik des logischen Fatalismus.cite-ref-156[156]
West- und Mitteleuropa
In der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt West- und Mitteleuropas fand die von Aristoteles initiierte Auseinandersetzung mit dem logischen Fatalismus viel Beachtung. Diese Thematik ĂŒberschnitt sich mit der des theologischen Fatalismus. Das aristotelische Modell einer offenen Zukunft hatte aus christlicher Sicht VorzĂŒge, da es die Willensfreiheit sicherte. Andererseits hatten die mittelalterlichen Denker aber die theologischen Konsequenzen zu berĂŒcksichtigen, die sich hinsichtlich der biblischen Prophezeiungen und der göttlichen Allwissenheit ergaben, wenn die Zukunft im Sinne der aristotelischen Lehrmeinung als unbestimmt aufgefasst wurde. Einen Ausweg schienen die Kommentare des Boethius zu Aristotelesâ Peri hermeneias zu bieten, in denen das Konzept von Gottes Ewigkeit als Basis einer Lösung dient. Der Ansatz des Boethius konnte sowohl fĂŒr fatalistische als auch fĂŒr nichtfatalistische Modelle in Anspruch genommen werden. Sein VerstĂ€ndnis des VerhĂ€ltnisses von Vorsehung und Fatum bildete die Ausgangsbasis der gĂ€ngigen mittelalterlichen Interpretationen, auch fĂŒr den im SpĂ€tmittelalter auĂerordentlich einflussreichen Thomismus.cite-ref-157[157]
Im 9. Jahrhundert trug Gottschalk von Orbais ein dezidiert fatalistisches Konzept vor. Nach seiner Lehre von der doppelten PrĂ€destination ist nicht nur den ErwĂ€hlten Gottes das ewige Heil vorausbestimmt, sondern auch den Verworfenen die ewige Höllenstrafe. Zwar lehrte die kirchliche Theologie, der allwissende Gott habe im Voraus gewusst, dass die kĂŒnftigen Höllenbewohner eine schuldhafte Entscheidung fĂŒr das Böse treffen wĂŒrden, doch Gottschalk ging weit ĂŒber diese Annahme hinaus. Er behauptete, es handle sich um eine unabĂ€nderliche Vorbestimmung zur Verdammnis, um einen Ausgang, den Gott von Anfang an so gewollt habe. Die davon Betroffenen seien aufgrund dieses göttlichen Beschlusses von vornherein ohne Aussicht auf Rettung. Diese Lehre wurde von Gottschalks Gegnern als Leugnung der Willensfreiheit angegriffen und von der Kirche verurteilt.cite-ref-158[158]
Eine radikal antifatalistische Position formulierte Gottschalks Zeitgenosse Eriugena. Nach seiner Lehre existiert die Zukunft in der Gegenwart noch nicht. Daher ist es unmöglich, dass Gott auf dem Weg des Vorauswissens oder Vorherbestimmens auf zukĂŒnftige Ereignisse vorgreift. Somit gibt es keine PrĂ€destination, die Zukunft ist offen. Gegenteilige Aussagen in der Bibel sind nicht wörtlich zu verstehen.cite-ref-159[159]
In den 1180er Jahren vollendete Bischof BartholomÀus von Exeter (Bartholomaeus Exoniensis) eine Kampfschrift gegen den Fatalismus. Seine Abhandlung ist heute unter dem modernen Titel Contra fatalitatis errorem bekannt.cite-ref-160[160]
Zu den hoch- und spĂ€tmittelalterlichen Theologen und Philosophen, die sich mit dem logischen Fatalismus auseinandersetzten, zĂ€hlen Anselm von Canterbury, Petrus Abaelardus, Petrus Lombardus, Robert Grosseteste, Thomas von Aquin, Johannes Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Thomas Bradwardine und Petrus von Ailly. Die weitaus meisten Modelle hielten an der uneingeschrĂ€nkten GĂŒltigkeit des Prinzips der Zweiwertigkeit fest. Der Erste, der einen anderen Weg wĂ€hlte, war Petrus Aureoli, der im frĂŒhen 14. Jahrhundert vorschlug, den Grundsatz aufzugeben, dass das Zweiwertigkeitsprinzip auch fĂŒr alle vergangenen und gegenwĂ€rtigen Aussagen ĂŒber ZukĂŒnftiges gelten mĂŒsse. Diese Position war theologisch anstöĂig und blieb daher Minderheitsmeinung.cite-ref-161[161]
Nach der Argumentation des namhaften Scholastikers Abaelard (Petrus Abaelardus; â 1142) ergibt sich aus Gottes Allwissen, das Vorauswissen einschlieĂt, als notwendige Folgerung das Eintreten der Sachverhalte, von denen Gott weiĂ. Somit fĂ€llt das Mögliche mit dem Faktischen zusammen. DemgemÀà lehrte Abaelard, das Seelenheil jedes Menschen hĂ€nge davon ab, ob er von Gott fĂŒr die Erlangung der Gnade prĂ€destiniert sei oder nicht. Abaelard meinte sogar, die Erschaffung der Welt sei determiniert; es sei Gott nicht möglich gewesen, sie nicht zu erschaffen.cite-ref-162[162]
Im 15. Jahrhundert entbrannte ein Konflikt ĂŒber die Offenheit der Zukunft, der âLöwener Streitâ. Der Franziskaner Petrus de Rivo, der an der UniversitĂ€t Löwen lehrte, trat fĂŒr die Unbestimmtheit der Zukunft ein. Sein Anliegen war der Kampf gegen fatalistische Versionen der PrĂ€destinationslehre, wie sie die Reformtheologen John Wyclif und Jan Hus propagiert hatten. Der konsequente Fatalismus dieser Denker war schon 1415 auf dem Konzil von Konstanz verdammt worden, doch die extreme Gegenposition, die Petrus de Rivo einnahm, stieĂ in maĂgeblichen kirchlichen Kreisen ebenfalls auf Widerspruch. Seine Lehre fand zwar unter den universitĂ€ren Theologen einigen Anklang, wurde aber schlieĂlich 1474 von Papst Sixtus IV. als glaubenswidrig verurteilt.cite-ref-163[163]
Byzanz
Die byzantinischen Theologen erörterten hĂ€ufig die Frage, ob der Todeszeitpunkt von Gott unabĂ€nderlich vorherbestimmt ist oder ob der Mensch durch sein Tun die eigene Lebensdauer beeinflussen kann. FĂŒr die UnabĂ€nderlichkeit wurde geltend gemacht, Gottes umfassende Vorsorge mĂŒsse die Todesstunde einschlieĂen. Dagegen wurde vorgebracht, dass das Verhalten des Menschen nicht ohne Auswirkung auf seine LebenslĂ€nge sein könne. Die antifatalistische Position setzte sich durch.cite-ref-164[164]
Die meisten mittel- und spĂ€tbyzantinischen Autoren bejahten die Unbestimmtheit der Zukunft, und zwar auch aus Gottes Sicht. Damit wandten sie sich gegen die PrĂ€destination. Die Ablehnung des theologischen Fatalismus wurde zu einem Abgrenzungsmerkmal der orthodoxen Theologie gegenĂŒber dem Islam und spielte in der antiislamischen Polemik der Byzantiner eine Rolle.cite-ref-165[165]
Im 11. Jahrhundert Ă€uĂerte sich der byzantinische Gelehrte und Philosoph Michael Psellos zur Heimarmene. In seinem Kommentar zu den ChaldĂ€ischen Orakeln unterschied er zwischen Schicksal und Vorsehung. Die Vorsehung sei der unmittelbare Ausdruck von Gottes Wohlwollen, das Schicksal hingegen sei die Macht, die mit ihren FĂŒgungen die LebensverhĂ€ltnisse bestimme. Wer nach geistigen Gesichtspunkten handle, unterstelle sich der Vorsehung und stehe damit ĂŒber dem Schicksal; insoweit man sich am Körperlichen orientiere, sei man der Heimarmene unterworfen.cite-ref-166[166]
Der spĂ€tmittelalterliche Philosoph Georgios Gemistos Plethon (â 1452) war konsequenter Fatalist. Er hielt alle VorgĂ€nge fĂŒr streng determiniert. Nach seiner Lehre hat der göttliche Weltlenker die Zukunft âvon Ewigkeit her vorherbestimmt und festgesetztâ. Es ist unmöglich, ihn umzustimmen, denn er will stets ausschlieĂlich das Bestmögliche. Wenn er einen Beschluss, der bereits auf das Beste abzielt, auf Bitten von Menschen aufhöbe, so wĂŒrde er etwas Schlechteres dem möglichst Guten vorziehen, was widersinnig ist. Plethons Fatalismus ist optimistisch: Weil alles Vorherbestimmte gut ist, gelangt der Mensch, der es bejaht, zum GlĂŒck und zur wahren Freiheit.cite-ref-167[167]
Literarische Rezeption
Im 12. Jahrhundert verfasste der Philosoph Bernardus Silvestris das umfangreiche Gedicht Mathematicus, in dem er die Problematik des Schicksalsglaubens anhand einer ErzĂ€hlung auf der Basis eines antiken Stoffs veranschaulichte. Die Ausgangslage ist verhĂ€ngnisvoll: Ein Astrologe hat die Geburt eines Knaben vorausgesagt, der eine glĂ€nzende Zukunft habe und den römischen Thron besteigen werde, aber eines Tages seinen Vater umbringen werde. Die entsetzten Eltern vereinbaren zunĂ€chst, das neugeborene Kind zu töten, doch die Mutter bringt das nicht fertig, sie tĂ€uscht den Mord nur vor und lĂ€sst ihren Sohn in der Ferne aufwachsen. Dieser erlangt spĂ€ter tatsĂ€chlich die römische KönigswĂŒrde und erweist sich wie vorausgesagt als auĂerordentlich tĂŒchtiger und erfolgreicher Herrscher. Nachdem er von der Prophezeiung erfahren hat, beschlieĂt er, seinem Leben ein Ende zu setzen, um dem drohenden Schicksal zuvorzukommen. Als König kann er aber nicht frei ĂŒber sein Leben verfĂŒgen. Daher bittet er den Senat und die Volksversammlung um die Erlaubnis zum Suizid. Wegen seiner allgemeinen Beliebtheit stöĂt das schockierende Ansinnen auf Ablehnung. Darauf dankt er ab, um die Freiheit zu erlangen, als Privatmann sein Vorhaben zu verwirklichen. An dieser Stelle bricht das Gedicht ab, der Ausgang bleibt offen. AuffĂ€llig ist der tief verwurzelte Fatalismus, der fĂŒr die Hauptbeteiligten die selbstverstĂ€ndliche Voraussetzung ihrer Entscheidungen bildet.cite-ref-168[168]
Im SpĂ€tmittelalter und in der Renaissance war die vor allem von Boethius vermittelte Gestalt der antiken Schicksalsgöttin Fortuna sehr populĂ€r. Man sah sie als Vollzieherin von Gottes Willen, doch wurde auch das antike Bild der eigenstĂ€ndigen Göttin wieder aufgegriffen. Ihr Attribut war das von ihr gedrehte GlĂŒcksrad. Es symbolisierte die Wechselhaftigkeit des GlĂŒcks und die AbhĂ€ngigkeit des Menschen von FĂŒgungen, denen gegenĂŒber er machtlos ist. Ab dem 12. Jahrhundert wurde in literarischen Texten und in der Geschichtsschreibung oft auf dieses Symbol Bezug genommen.cite-ref-169[169]
Humanistische Stellungnahmen in der FrĂŒhrenaissance
Eine zwiespĂ€ltige Haltung nahm im 14. Jahrhundert der berĂŒhmte Humanist Francesco Petrarca ein. Er war oft von einer fatalistischen Stimmung ergriffen; viele seiner ĂuĂerungen zeigen ihn als AnhĂ€nger des verbreiteten Glaubens an die menschliche Ohnmacht angesichts der Macht und Unwiderstehlichkeit Fortunas. Andererseits bemĂŒhte er sich um eine theoretische BewĂ€ltigung des Problems durch einen geistigen Kampf gegen das fatalistische Gedankengut. Sein Lösungsversuch ging von der Ăberlegung aus, Fortuna mit der göttlichen Vorsehung gleichzusetzen und sie so ihres erschreckenden, dĂ€monischen Charakters zu entkleiden. Petrarcas Argumentation war jedoch nicht schlĂŒssig und wurde daher im ausgehenden 14. Jahrhundert von dem Staatsmann und humanistischen Schriftsteller Coluccio Salutati unnachsichtig kritisiert.cite-ref-170[170] Seine eigene Meinung legte Salutati 1396/1399 in dem Traktat De fato et fortuna dar. Er verteidigte die RealitĂ€t der Fortuna, die eine Dienerin Gottes sei, anhand biblischer und antiker Beispiele. Seine Weigerung, Florenz wegen der dortigen Pestepidemie zu verlassen, begrĂŒndete Salutati nicht nur mit seiner Verantwortung fĂŒr die Stadt, sondern auch damit, dass die Vorsehung, der man nicht entfliehen könne, Zeit und Ort seines Todes bestimmt habe.cite-ref-171[171]
Verbreitet war bei den Renaissance-Humanisten die Ăberzeugung, der tapfere, tugendhafte Mensch sei den SchicksalsfĂŒgungen ĂŒberlegen und könne sein Schicksal meistern.cite-ref-172[172]
Im 15. Jahrhundert knĂŒpfte der Platoniker Marsilio Ficino aus christlicher Sicht an das Schicksalskonzept der ChaldĂ€ischen Orakel an. Er meinte, der menschliche Körper befinde sich unter der Herrschaft des Schicksals (sub fato), doch die Seele stehe durch den Geist (per mentem) ĂŒber dem Schicksal (supra fatum), indem sie in der Ordnung der Vorsehung handle. Es liege in der Gewalt eines jeden, ob er sich dem Schicksal unterordne oder nicht.cite-ref-173[173]
FrĂŒhneuzeitliche EinschĂ€tzungen
In der bildenden Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts ist das Motiv der Schicksalsgöttinnen relativ selten. GemĂ€lde, die zu Ehren der Medici oder einzelner Angehöriger dieses Geschlechts angefertigt wurden, zeigen das Walten der Parzen in heiterem Kontext und optimistischer Stimmung, die Göttinnen sind wohlwollend und stehen fĂŒr eine vielversprechende Zukunft. Dezidiert fatalistisch und pessimistisch ist hingegen die Darstellung auf einer Zeichnung Albrecht DĂŒrers von 1515. Dort fleht ein Knappe die Parzen vergeblich an, ihm ein gĂŒnstiges Schicksal zu gewĂ€hren.cite-ref-174[174]
In der Reformationszeit entwickelten reformierte Theologen PrĂ€destinationslehren, die implizit oder explizit davon ausgehen, dass fĂŒr jeden Menschen das Schicksal, das ihn nach dem Tod erwartet, unabĂ€nderlich prĂ€destiniert ist. Besonders klar und konsequent formulierte Johannes Calvin das Konzept der âdoppelten PrĂ€destinationâ, der Vorherbestimmung der einen zum Heil und der anderen zum Unheil. Calvin lehrte, es gebe einen ewigen Beschluss Gottes darĂŒber, was aus jedem Menschen werden soll. Einem bestimmten Teil der Menschheit sei das ewige Heil, den ĂŒbrigen die ewige Verdammnis von vornherein zugewiesen. Daher erreiche jeder in seinem Leben nur das, was schon vor seiner Geburt ĂŒber ihn verhĂ€ngt worden sei. Demnach agiert der Mensch nur als Werkzeug der Vorsehung, auch wenn er sĂŒndigt. Diese fatalistische Position wurde von zahlreichen reformierten Theologen geteilt, von anderen jedoch abgemildert oder bekĂ€mpft. Gegner des Calvinismus wiesen auf die Ăhnlichkeit seiner PrĂ€destinationslehre mit der islamischen hin und warfen den Calvinisten vor, einem âtĂŒrkischenâ Fatalismus zu huldigen.cite-ref-175[175] Einen Ansatzpunkt fĂŒr solche Kritik bot Calvins Vorsehungslehre, die besagt, jedes Ereignis â von einem Kriegsausbruch bis zu den Vorkommnissen im Leben eines einzelnen Tieres â sei unmittelbar von Gott gewollt und herbeigefĂŒhrt. Diese Lehre gehört zum Typus des âuniversaldeterministischen Fatalismusâ.cite-ref-176[176]
Nach der EinschĂ€tzung von Max Weber hatte die calvinistische Vorherbestimmungslehre in der Reformationszeit gravierende Folgen fĂŒr die Stimmung einer ganzen Generation. Sie habe in ihrer âpathetischen Unmenschlichkeitâ das GefĂŒhl einer unerhörten inneren Vereinsamung des einzelnen Individuums erzeugt. Der GlĂ€ubige sei darauf verwiesen gewesen, einsam einem von Ewigkeit her feststehenden Schicksal entgegenzuziehen.cite-ref-177[177] Diese Darstellung Webers ist in der Forschung allerdings auf Kritik gestoĂen, da sie den kollektiven Aspekt des religiösen Erlebens unterschĂ€tze.cite-ref-178[178]
Der humanistische Philosoph Justus Lipsius (1547â1606) bemĂŒhte sich um eine Erneuerung der stoischen Tradition, wobei er sich intensiv mit der Fatum-Lehre, dem Fatum stoicum, auseinandersetzte. In seinem sehr wirkmĂ€chtigen, 1584 veröffentlichten Dialog De constantia wies er auf Ungereimtheiten und WidersprĂŒche des stoischen Konzepts hin und versuchte aus dem antiken Gedankengut ein âwahrhaftigesâ Fatum-VerstĂ€ndnis zu destillieren, ein mit dem Christentum vereinbares Fatum verum. Lipsius sah im Fatum die Erstursache, neben der Zweit- und Mittelursachen, darunter der menschliche Wille, Einfluss nehmen können.cite-ref-179[179]
Nach der Lehre von Baruch de Spinoza (1632â1677) folgt alles mit Notwendigkeit aus der Natur Gottes, die allein die wirkende Ursache aller Dinge â insbesondere aller Willensakte â ist. Nur das tatsĂ€chlich Eintretende ist möglich. Zwar erklĂ€rte Spinoza, er unterwerfe auf keine Weise Gott dem Schicksal, doch ging er von einem zwangslĂ€ufigen Walten der Schicksalsmacht aus, die er mit der göttlichen Natur gleichsetzte. Mit seinem NotwendigkeitsverstĂ€ndnis hob er die menschliche Freiheit auf. Daher wurde er von Kritikern als Fatalist gebrandmarkt. Im 18. Jahrhundert wurde der âSpinozismusâ als eine Variante des Fatalismus angegriffen. Da Spinoza als Atheist verunglimpft wurde, erhielt die Bezeichnung Fatalismus die Konnotation des Atheismus. Sein Modell wurde als Gefahr fĂŒr Religion und Moral wahrgenommen und bekĂ€mpft.cite-ref-180[180]
Leibniz (1646â1716) wandte sich in der Vorrede zu seiner Theodizee gegen die âfalsch verstandene Vorstellung von der Notwendigkeitâ, die einen Typus des Fatalismus habe aufkommen lassen, den man als fatum mahumetanum (mohammedanisches Schicksal) zu bezeichnen pflege. Damit nahm Leibniz auf den im Islam stark ausgeprĂ€gten PrĂ€destinationsglauben Bezug. Er sprach von einem Schicksal nach tĂŒrkischer Auffassung (âdestin Ă la turqueâ), weil man von den TĂŒrken behauptete, dass sie den Gefahren nicht aus dem Weg gingen und sogar von der Pest infizierte Orte nicht verlieĂen, da sie alles fĂŒr vorherbestimmt hielten. Diesen Glauben verwarf Leibniz. Er konstatierte, dass in das Handeln der meisten Menschen eine Beimischung der âtĂŒrkischenâ Schicksalsidee miteinflieĂe, ohne dass sie sich dessen hinreichend bewusst seien. Auch aufgeweckte junge Leute habe er oft vorbringen hören, es sei alles im Buch des Schicksals aufgeschrieben und daher seien Ermahnungen zur Tugend nutzlos. Dieser Position entsprach aber â so Leibniz â keine konsequente Lebenspraxis. Vielmehr nahmen die Fatalisten die PrĂ€destination nur zum Vorwand, um aus Bequemlichkeit schwierigen oder unangenehmen EntschlĂŒssen auszuweichen. Wenn sie jedoch in Gefahr gerieten oder etwas begehrten, ĂŒberlieĂen sie den Ausgang nicht der Vorsehung, sondern nahmen das Schicksal selbst in die Hand.cite-ref-181[181]
Leibniz verwarf den logischen Fatalismus und legte Wert auf die These, dass es mehr Möglichkeiten als Verwirklichungen gebe. Allerdings meinte er damit bloĂe Denkmöglichkeiten, fĂŒr die er nur Widerspruchsfreiheit und nicht ein existenzbezogenes Vermögen forderte. Demnach bestehen alle Alternativen zum real Eintretenden nur theoretisch; wirklich eintreten kann nur das, was gemÀà der Vorsehung tatsĂ€chlich geschieht. Wegen dieser Ansicht geriet Leibniz in den Verdacht, selbst schicksalsglĂ€ubig zu sein und in seiner Vorsehungslehre Gott einem unĂŒberwindlichen Fatum unterzuordnen. Die Folge waren langwierige Kontroversen, die nach seinem Tod fortdauerten.cite-ref-182[182]
Das Thema des âtĂŒrkischenâ oder allgemein islamischen oder âorientalischenâ Fatalismus wurde im 18. Jahrhundert breit diskutiert, sehr hĂ€ufig mit Bezugnahme auf das von Leibniz angefĂŒhrte Pest-Beispiel. Dabei diente der Fatalismus als ErklĂ€rung fĂŒr Politik und Wirtschaftsverfassung des Orients, fĂŒr die dort herrschende âDespotieâ. Es wurde aber auch im Sinne einer umgekehrten UrsĂ€chlichkeit vorgebracht, die tĂŒrkische Tyrannei lasse mit ihrer launenhaften politischen WillkĂŒr gar keine andere Geisteshaltung als die fatalistische zu.cite-ref-183[183]
Friedrich Heinrich Jacobi (1743â1819) trug zur Verbreitung des Begriffs Fatalismus in den weltanschaulichen Auseinandersetzungen bei. Er verwendete ihn als Kampfbegriff in seiner Polemik gegen die Lehren von Spinoza und Leibniz. Jacobi hielt jedes System, das die Beschaffenheit der Welt als notwendige Auswirkung der Natur des göttlichen Urwesens auffasst, fĂŒr fatalistisch, da es die Notwendigkeit zur Ursache der Geschehnisse mache und den einzelnen Menschen nicht als den wirklichen Urheber seiner Taten ansehe. Jeder Versuch, eine Vernunftreligion zu begrĂŒnden, mĂŒsse in einen solchen Fatalismus einmĂŒnden. Der Fatalismus sei das Zentrum, der springende Punkt des Spinozismus. Jacobis Stellungnahme löste im Jahr 1785 den âSpinozismusstreitâ aus.cite-ref-184[184] Seine Ansicht, dass das Fatum notwendig Gott oder Gott das Fatum verschlinge, wurde von den meisten Zeitgenossen nicht geteilt.cite-ref-185[185]
Der AufklĂ€rer Denis Diderot schrieb die romanhafte ErzĂ€hlung Jacques le Fataliste et son maĂźtre (Jacques der Fatalist und sein Herr), die erst 1796 postum veröffentlicht wurde. Die Titelfigur Jacques vertritt einen kausaldeterministisch fundierten Fatalismus spinozistischer PrĂ€gung, wĂ€hrend sein Dienstherr an die Willensfreiheit glaubt. Dargestellt wird der Alltag eines Fatalisten, der versucht, nach seiner Ăberzeugung zu leben, und dabei in Schwierigkeiten gerĂ€t, die er nur teilweise meistert.cite-ref-186[186]
Kant meinte, die Vernunft mache sich âvermittelst der theologischen Ideeâ vom Fatalismus los und fĂŒhre zum Begriff einer Ursache durch Freiheit. So sei es möglich, âfreche und das Feld der Vernunft verengende Behauptungenâ des Fatalismus âaufzuhebenâ.cite-ref-187[187] Wer Zeit und Raum fĂŒr âzum Dasein der Dinge an sich selbst gehörige Bestimmungenâ ansehe, könne die âFatalitĂ€t der Handlungenâ nicht vermeiden. Dann wĂ€re der Mensch eine Marionette, ein denkender Automat. In Wirklichkeit seien aber die Handlungen des Menschen âbloĂe Bestimmungen desselben als Erscheinungâ, nicht des Dinges an sich selbst, und somit sei die Freiheit zu retten.cite-ref-188[188]
Der Kantianer Carl Christian Erhard Schmid entdeckte im Jahr 1790 ein Problem in Kants System: Eine Handlung wird entweder von der Vernunft oder von sinnlichen EinflĂŒssen bestimmt. Im ersten Fall ist die Handlung autonom und stimmt mit dem moralischen Gesetz ĂŒberein, im zweiten Fall ist sie nicht autonom und somit unfrei. In beiden FĂ€llen gibt es keine Freiheit, spontan gegen das moralische Gesetz zu arbeiten, also keine Wahlfreiheit. Schmid bezeichnete diese Konsequenz, den Verzicht auf Wahlfreiheit, als âintelligiblen Fatalismusâ. Er meinte, seine Argumentation schade der Moral nicht, da sie die Zurechenbarkeit nicht aufhebe. Kant stimmte Schmids Ăberlegung insofern zu, als er feststellte, nur die Freiheit in Bezug auf die innere Gesetzgebung der Vernunft sei ein Vermögen, die Möglichkeit von dieser abzuweichen sei ein Unvermögen. Er akzeptierte den intelligiblen Fatalismus zwar als bloĂe Möglichkeit innerhalb des GebĂ€udes seiner theoretischen Philosophie, warnte aber davor, daraus Konsequenzen zu ziehen. Sein Problem dabei war, dass nach seiner Theorie positive Freiheit auf dem Vermögen der SpontaneitĂ€t beruht. Er befĂŒrchtete, dass ein Skeptiker aus dem intelligiblen Fatalismus folgern wĂŒrde, dass SpontaneitĂ€t nicht gerechtfertigt werden könne und die Moral somit im Rahmen der kantschen Theorie keine Basis habe.cite-ref-189[189]
Fichte weitete das Bedeutungsfeld des Begriffs Fatalismus aus, indem er jede Lehre, die das Ich nicht ausschlieĂlich durch sich selbst bestimmt sein lĂ€sst, als fatalistisch bezeichnete. Er unterschied zwischen zwei einander entgegengesetzten philosophischen AnsĂ€tzen, dem âDogmatismusâ und dem âIdealismusâ. Nach dieser Klassifikation sucht der Dogmatismus den Grund von Erfahrung im Ding an sich, der Idealismus im Ich. Der Dogmatismus versucht alle Bewusstseinsinhalte, darunter das Bewusstsein von Freiheit, aus dem Ding an sich herzuleiten, dessen Produkte sie seien, und fasst somit das Freiheitsbewusstsein als Illusion auf. Daher ist aus Fichtes Sicht jeder konsequente Dogmatiker Fatalist. Auch Orientierung an einem von auĂen vorgegebenen Sittengesetz hielt Fichte fĂŒr fatalistisch im Sinne seines BegriffsverstĂ€ndnisses. Er kritisierte, dass bei der Erzeugung eines solchen Sittengesetzes die SpontaneitĂ€t des Ich ĂŒbergangen werde. Als konsequenter Antifatalist verwarf er Schmids intelligiblen Fatalismus.cite-ref-190[190]
Schelling befasste sich in seinem System des transzendentalen Idealismus (1800) mit der Frage der Freiheit und Notwendigkeit im Handeln. Er unterschied drei Möglichkeiten: Wenn sich die Reflexion nur auf das auĂerhalb des Bewusstseins liegende Objektive richtet, erscheinen alle Handlungen durch eine völlig blinde Vorherbestimmung prĂ€determiniert. Das ist das System des Fatalismus. Richtet sich die Reflexion allein auf das Subjektive, willkĂŒrlich Bestimmende, so wird die Notwendigkeit im Handeln bestritten, und es entsteht ein System der absoluten Gesetzlosigkeit. Wenn sich die Reflexion bis zum Absoluten erhebt, so entsteht das System der Vorsehung, das heiĂt die Religion.cite-ref-191[191]
Rezeption in der Moderne
Philosophie und Soziologie
19. Jahrhundert
Hegel behandelte das antike SchicksalsverstĂ€ndnis in seinen von 1820 bis 1826 gehaltenen Vorlesungen ĂŒber die Ăsthetik. Er wies auf einen âstillen Zug der Trauerâ in klassischen Götterskulpturen hin. Nach Hegels Deutung macht diese Trauer das Schicksal der Götter aus. Sie zeigt an, dass âetwas Höheres ĂŒber ihnen steht und der Ăbergang von den Besonderheiten zu ihrer allgemeinen Einheit notwendig istâ. Diese Einheit ist fĂŒr Hegel âdas in sich Abstrakte und Gestaltlose, die Notwendigkeit, das Schicksal, welches in dieser Abstraktion nur das Höhere ĂŒberhaupt ist, das Götter und Menschen bezwingt, fĂŒr sich aber unverstanden und begrifflos bleibtâ. Das Schicksal ĂŒberragt als allgemeine Macht die Besonderheit der einzelnen Götter und ist daher nicht selbst als Individuum darstellbar, denn sonst stĂŒnde es nicht ĂŒber den IndividualitĂ€ten. Es ist âdie Notwendigkeit als solcheâ, welche Götter und Menschen âunabĂ€nderlich trifftâ. Das anzustrebende Ziel ist fĂŒr Hegel die Aufhebung der Trennung zwischen Schicksal und Selbstbewusstsein. Das Schicksal wird zunĂ€chst vom Bewusstsein als ein fremdes, von ihm getrenntes erfahren; in dieser Form ist es âbewusstlose Nachtâ und muss ĂŒberwunden werden. Das geschieht, indem es mit dem Selbstbewusstsein vereinigt wird. Damit wird gegen das Schicksal als ĂuĂerlichkeit das Innere als das Wesen des Handelns und des Schicksals gesetzt.cite-ref-192[192]
Schopenhauer unterschied in seinen Parerga und Paralipomena (1851) zwischen einem âdemonstrablenâ und einem âtranszendentenâ Fatalismus. Den demonstrablen, dem zufolge alles, was geschieht, mit strenger Notwendigkeit eintritt, betrachtete Schopenhauer als gesicherte Tatsache, die a priori einzusehen und folglich unumstöĂlich sei.cite-ref-193[193] Nach der Darlegung in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung folgt jede einzelne Handlung zwangslĂ€ufig âaus der Wirkung des Motivs auf den Charakterâ. Dies geschieht gemÀà der Notwendigkeit, die âVerhĂ€ltnis der Folge zum Grunde und durchaus nichts weiterâ ist. Das Individuum selbst ist schon determiniert.cite-ref-194[194] Einem gegebenen Menschen ist, da sein Charakter feststeht, unter gegebenen UmstĂ€nden immer nur eine Handlung möglich.cite-ref-195[195] â Von anderer Art ist der transzendente Fatalismus, der den Lebenslauf nicht nur als notwendig, sondern auch als planmĂ€Ăigen, zweckgerichteten Hergang auffasst. Dieser Fatalismus ergibt sich aus einer subjektiven Perspektive. Er wird aus den Erfahrungen des eigenen Lebens allmĂ€hlich abgeleitet. Ein Beweis fĂŒr ihn kann daher nicht gefĂŒhrt werden.cite-ref-196[196]
SĂžren Kierkegaard setzte sich in den 1840er Jahren mit der Fatalismusproblematik auseinander. Er beschrieb den Fatalisten als einen Verzweifelten, der Gott und damit sein Selbst verloren habe, denn fĂŒr ihn sei alles Notwendigkeit, die Möglichkeit habe er eingebĂŒĂt; die Persönlichkeit sei aber eine Synthese von Möglichkeit und Notwendigkeit. Nach Kierkegaards Schilderung ist der Gott des Fatalisten die Notwendigkeit. Seine Gottesverehrung ist, wenn sie ihr Maximum erreicht, wesentlich Stummheit, stumme Unterwerfung. Das Selbst des Deterministen und des Fatalisten kann nicht atmen, denn von der AusschlieĂlichkeit des Notwendigen wird es erstickt. Determinismus und Fatalismus sind âGeistes-Verzweiflungâ. Immerhin haben die AnhĂ€nger solcher Weltanschauungen Phantasie genug, um an der Möglichkeit zu verzweifeln, im Unterschied zur âSpieĂbĂŒrgerlichkeitâ, die zwar im Wahrscheinlichen aufgeht und dort dem Möglichen einen Platz bietet, aber ihrem Mangel an Phantasie zum Opfer fĂ€llt.cite-ref-197[197] Der antike âheidnischeâ Schicksalsglaube ist fĂŒr Kierkegaard eine Erscheinungsform der Angst. Das Fatum ist das Nichts, das Gegenstand dieser Angst ist. Sobald die Wirklichkeit der Freiheit und des Geistes gesetzt ist, ist die Angst behoben.cite-ref-198[198]
Nietzsche plĂ€dierte fĂŒr einen dezidiert nichtmetaphysischen Fatalismus, in dem das Ergebnis eines Lebens als notwendige Folge von Charakter und UmstĂ€nden erscheint. Den vorgegebenen Charakter hielt er fĂŒr unverĂ€nderlich. Er sah die GröĂe des Menschen in der Bejahung dieser Schicksalsnotwendigkeit. Seine Forderung war, das Unvermeidliche nicht nur als notwendig, sondern als schön und wĂŒnschenswert zu betrachten und allen theoretisch denkbaren Alternativen vorzuziehen. Nietzsche hielt es fĂŒr das höchste Ziel eines Philosophen, das Schicksal nicht nur zu ertragen, sondern es zu lieben (amor fati).cite-ref-199[199]
Eduard von Hartmann kritisierte 1879 einen Fatalismus, dem zufolge das Handeln des einzelnen Menschen fĂŒr das Endergebnis der historischen Entwicklung, die ErfĂŒllung des teleologischen Weltplans, irrelevant ist, da die fortschreitende Verwirklichung der sittlichen Weltordnung durch die bereits getroffenen Einrichtungen verbĂŒrgt ist. Von Hartmann machte geltend, ein solcher Fatalismus reiĂe die Notwendigkeit des Endergebnisses von den determinierenden Faktoren los, aus deren Zusammenwirken es kausal hervorgehe. Dies sei keine begrĂŒndete Ăberzeugung, sondern ein blinder Glaube. Zwar sei die durchschnittliche psychische Veranlagung der Individuen so, dass das Gebaren der Menschheit tatsĂ€chlich das Bestehen der sittlichen Weltordnung verbĂŒrge, doch sei dies nur deswegen der Fall, weil das Prinzip der sittlichen Weltordnung selbst ein psychischer Faktor sei, der ausnahmslos in jedem menschlichen Bewusstsein wirksam sei. Der âblindglĂ€ubige Fatalismusâ, der diesen Faktor geringschĂ€tze und so âden Eckstein des GebĂ€udes der sittlichen Weltordnungâ wegstoĂe, sei ein Wahn.cite-ref-200[200]
20. und 21. Jahrhundert
Im frĂŒhen 20. Jahrhundert untersuchte Max Weber die Geschichte der calvinistischen Frömmigkeit und ging dabei auf das VerhĂ€ltnis von PrĂ€destination und Fatalismus ein. Nach Webers Befund ist der Fatalismus logisch als Konsequenz aus der calvinistischen PrĂ€destinationslehre ableitbar, doch psychologisch ist die Wirkung infolge der Einschaltung des Gedankens der BewĂ€hrung im Leben die entgegengesetzte: FĂŒr die Calvinisten sind die von Gott ErwĂ€hlten aufgrund ihrer ErwĂ€hlung dem Fatalismus unzugĂ€nglich, âgerade in ihrer Abweisung der fatalistischen Konsequenzen bewĂ€hren sie sichâ. Gottes Vorsehung hat verfĂŒgt, dass sie ihre Pflichten eifrig erfĂŒllen, und deswegen tun sie es gemÀà ihrem Interesse und lassen sich in ihrer religiösen Lebenspraxis vom Fatalismus, zu dem die Logik ihres Glaubens fĂŒhren mĂŒsste, nicht beirren. Somit gelangte Weber zum Ergebnis: âDie praktische Interessenverschlingung zerschneidet die logisch zu erschlieĂenden (ĂŒbrigens trotz allem gelegentlich auch faktisch eingetretenen) fatalistischen Konsequenzen.âcite-ref-201[201]
Der Logiker Jan Ćukasiewicz schuf im frĂŒhen 20. Jahrhundert eine dreiwertige Logik, in der er den dritten Wahrheitswert den Aussagen ĂŒber ZukĂŒnftiges zuwies, die nach seinem VerstĂ€ndnis gegenwĂ€rtig weder wahr noch unwahr sind. Ćukasiewicz wollte dem logischen Fatalismus ausweichen und knĂŒpfte dabei an die Ăberlegungen des Aristoteles an.cite-ref-202[202]
Oswald Spengler legte in seinem von 1918 bis 1922 veröffentlichten geschichtsphilosophischen Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes die These dar, dass die Entwicklung aller Hochkulturen derselben GesetzmĂ€Ăigkeit unterliege. Sie sei der Alterung der Lebewesen vergleichbar, durchlaufe Phasen des Wachstums, der Reife und des Alters und fĂŒhre schlieĂlich zum Tod. Historische Entwicklungen seien natĂŒrliche Prozesse. Somit sei die Zukunft des Abendlandes vorhersagbar. Angesichts solcher Unausweichlichkeit bleibt aus Spenglers Sicht dem Individuum nur die Alternative, in Ăbereinstimmung mit der schicksalhaften Notwendigkeit zu handeln oder zu scheitern. In seinen aus dem Nachlass herausgegebenen Urfragen bekannte sich Spengler zum Gedanken einer schicksalsbestimmenden Instanz: âSchicksal ist nur zu erleben; es ist die metaphysische Macht im lebenden All, nicht die KausalverknĂŒpfung in der physischen Welt.â Geschichte vollziehe sich ganz unabhĂ€ngig vom WĂŒnschen und Wollen der Menschen. Der Sinn des Schicksals lasse sich nicht erkennen, alle Deutungen seien âaus der Angst geborenâ.cite-ref-203[203] Kritik ĂŒbte Thomas Mann 1924 in seinem Essay Ăber die Lehre Spenglers, in dem er dem Geschichtsphilosophen vorwarf, einen Fatalismus zu verbreiten, der nicht wie bei Nietzsche tragisch-heroisch sei, sondern ein DefĂ€tismus der HumanitĂ€t.cite-ref-204[204]
Karl Jaspers erlĂ€uterte den Fatalismus 1919 in seiner Abhandlung Psychologie der Weltanschauungen, wobei er von der âGrenzsituationâ Zufall ausging. FĂŒr Jaspers besteht eine âunvermeidliche Antinomieâ darin, dass der Mensch die Welt einerseits als notwendig und zusammenhĂ€ngend, andererseits als zufĂ€llig, chaotisch und zusammenhanglos sehen muss. Den Zufall erlebt der Sinnsuchende als âunheimliche TatsĂ€chlichkeit ĂŒberallâ. Die Reaktion auf die ZufĂ€lligkeit ist die Empfindung eines metaphysischen Zusammenhangs: Man hat den Eindruck, dass die ZufĂ€lle alle einen âFadenâ haben, âan dem sie zusammengehörenâ. Das Schicksal âhat einen gefĂŒhlten Sinn und in der vollendeten Biographie eine darstellbare TotalitĂ€tâ. Empirisch könnte man dazu sagen, eine aktive menschliche Anlage wĂ€hle aus der Unzahl der ZufĂ€lle das ihr GemĂ€Ăe aus und somit sei das Schicksal nur die Verarbeitung heterogener Ereignisse durch die darauf reagierende IndividualitĂ€t. Aber â so Jaspers â âder lebendige Mensch empfindet es gerade im ganzen nicht soâ. Er findet sich mit dem Zufall nicht ab, sondern versucht ihn durch die Erfassung von etwas Dahinterliegendem zu ĂŒberwinden. Diesem Zweck dienen âFormelnâ wie PrĂ€destination, Karma oder Lenkung der Welt durch eine Gottheit oder Schicksalsmacht. Nach Jaspersâ Urteil sind solche Formeln die vorĂŒbergehenden Produkte oder Abscheidungen des lebendigen Impulses, der die Grenzsituation ĂŒberwindet und an ihr ein positives Bewusstsein schafft.cite-ref-205[205]
Max Scheler befasste sich in einer 1924 publizierten Abhandlung aus kultursoziologischer Sicht mit der Frage der Leitung und Lenkung der Geschichte durch die persönlichen TrĂ€gerschaften der jeweiligen âgeistig-idealen Kulturgehalteâ. Nach Schelers EinschĂ€tzung kann der menschliche Wille gegenĂŒber dem Gang der Realgeschichte nur im Rahmen einer festgeordneten Phasenabfolge eigengesetzlicher, automatisch eintretender und âgeist-wert-blinderâ Geschehnisse und ZustĂ€nde eine leitende Funktion ausĂŒben. Mehr vermag er nicht. Das AusmaĂ seines Einflusses vermindert sich im Ablauf eines relativ geschlossenen, zusammenhĂ€ngenden Kulturprozesses, dessen Hauptphasen Jugend, Reife und Verfallszeit sind. WĂ€hrend die Leitbarkeit des Geschichtsprozesses abnimmt, wĂ€chst das âkollektivistische FatalitĂ€tsmoment, damit auch das DeterminationsgefĂŒhl der Menschenâ. Jede Endphase eines solchen Prozesses ist âdie Vermassung des Lebensâ.cite-ref-206[206] FĂŒr Scheler ist Fatalismus die Annahme, das Schicksal sei die individuelle Bestimmung. Diese Gleichsetzung ist nach seiner Meinung falsch, denn die individuelle Bestimmung eines Menschen kann sowohl der Umweltstruktur als auch dem Schicksal widerstreiten. Der Mensch kann zwar unter dem Bann des Schicksals stehen, er kann aber auch es erkennend ĂŒber ihm stehen, es wandeln oder sogar abwerfen.cite-ref-207[207]
Arnold Toynbee behandelte die Thematik 1939 in dem Teil seines Hauptwerks A Study of History (Der Gang der Weltgeschichte), in dem er den âZerfall der Kulturenâ untersuchte. Er beschrieb den religiösen Fatalismus als die theistische Form des Determinismus. Als klassisches Beispiel nannte er die calvinistische PrĂ€destinationslehre. Ein Glaubensbekenntnis solcher Art ist nach Toynbees Analyse Ausdruck des GefĂŒhls des Getriebenwerdens (sense of drift). Dieses stellt sich in Zeitaltern des sozialen Zerfalls ein. Es ist die passive Art, den Verlust des Wachstumsschwungs (elan of growth) zu erleben; das aktive GegenstĂŒck ist das GefĂŒhl der SĂŒndhaftigkeit. Nichtreligiöse Erscheinungsformen dieser Lebenseinstellung sind fĂŒr Toynbee der liberale Fortschrittsglaube des 19. Jahrhunderts und der Marxismus, zwei atheistische Versionen des PrĂ€destinationsglaubens, der Verehrung des âIdols der Notwendigkeitâ. ErklĂ€rungsbedĂŒrftig ist der Umstand, dass sich viele Fatalisten trotz des passiven Charakters des sense of drift durch auĂergewöhnliche Tatkraft, Zielbewusstheit und Zuversicht ausgezeichnet haben. Dieser krĂ€ftigende Effekt des Fatalismus ist nach Toynbees Deutung auf die Annahme seiner AnhĂ€nger zurĂŒckzufĂŒhren, dass ihr Wille mit dem Willen Gottes oder dem Gesetz der Natur oder den Forderungen der Notwendigkeit zusammenfalle und daher zwangslĂ€ufig siegen mĂŒsse. Bleibt der Erfolg dann aber aus, so tritt der gegenteilige Effekt ein: Im UnglĂŒck untergrĂ€bt der Fatalismus die Moral.cite-ref-208[208]
Gilbert Ryle nahm in der 1954 veröffentlichten Vorlesung It Was To Be zum logischen Fatalismus Stellung. Er machte geltend, dass die fatalistische Argumentation den grundsĂ€tzlichen Unterschied zwischen Aussagen und Sachverhalten und zwischen logisch Notwendigem und praktisch Notwendigem missachte. Nach Ryles Meinung ist es unabhĂ€ngig von der Frage, ob ZukĂŒnftiges gewusst werden kann, logisch unmöglich, Aussagen mit einem bestimmten Wahrheitswert zu machen, die sich auf einzelne konkrete Sachverhalte beziehen, die gegenwĂ€rtig noch nicht gegeben sind, beispielsweise eine kĂŒnftige Schlacht. Erst wenn ein Ereignis stattgefunden hat, kann man davon als âesâ sprechen.cite-ref-209[209] Dieser Auffassung widersprach Alfred Jules Ayer 1963 in seinem Aufsatz Fatalism. Ayers eigener Einwand gegen den logischen Fatalismus lautet, dass ein Vorauswissen ein kĂŒnftiges Ereignis nicht notwendig mache. Zur PrĂ€destination in theistischen Modellen befand Ayer, dass sie eine Verantwortung des Menschen fĂŒr sein Handeln prinzipiell ausschlieĂe.cite-ref-210[210]
Arthur Norman Prior vertrat in einem 1962 erschienenen Aufsatz die Ansicht, ein hypothetisches allwissendes Wesen könne in der Gegenwart nicht wissen, ob zukunftsbezogene Aussagen wahr seien, da Wissen sich nur auf Wahres beziehen könne und solchen Aussagen in der Gegenwart kein Wahrheitswert zukomme. Demnach erfordert Allwissenheit keinen Fatalismus.cite-ref-211[211]
Ebenfalls 1962 publizierte Richard Taylor seinen Aufsatz Fatalism, mit dem er der Debatte ĂŒber den logischen Fatalismus einen neuen Impuls gab. Anhand des von Aristoteles gewĂ€hlten Beispiels der âmorgigen Seeschlachtâ versuchte er zu zeigen, dass der logische Fatalismus eine unausweichliche Konsequenz aus sechs von der zeitgenössischen Philosophie fast einhellig akzeptierten Vorannahmen sei. Taylor betrachtete die Frage des Wahrheitswerts von Aussagen ĂŒber das morgige Stattfinden der Schlacht unter dem Gesichtspunkt der Wahlfreiheit des Kommandeurs, der gegebenenfalls den Angriffsbefehl zu erteilen hat. Mittels des Prinzips der Zweiwertigkeit folgerte er, dass die DurchfĂŒhrung der Schlacht eine logisch notwendige Bedingung fĂŒr den Befehl sei. Demnach sei die Entscheidung des Kommandeurs nicht frei.cite-ref-212[212]
In der Folgezeit löste Taylors Aufsatz in der Fachwelt eine lebhafte Debatte aus. Eine Reihe von Kritikern â John Turk Saunders, Bruce Aune, Raziel Abelson, Charles D. Brown, Bernard Mayo (Pseudonym Peter Makepiece) und Richard Sharvy â meldete sich zu Wort, und Taylor ging auf EinwĂ€nde ein. Steven Cahn verteidigte sowohl die SchlĂŒssigkeit von Taylors Argumentation als auch die GĂŒltigkeit der Vorannahmen.cite-ref-213[213] In Wirklichkeit war Taylor aber kein Fatalist, denn er hielt zwei der sechs Vorannahmen fĂŒr falsch. Insbesondere lehnte er die Auffassung ab, dass der Wahrheitswert einer Aussage keiner zeitlichen Bedingtheit unterliege. Das Ziel seines VorstoĂes war, auf die fatalistische Konsequenz der von ihm verworfenen Vorannahmen hinzuweisen und damit deren FragwĂŒrdigkeit zu zeigen. Dies wurde aber von seinen Kritikern kaum zur Kenntnis genommen, vielmehr kam er in den Ruf, Fatalist zu sein.cite-ref-214[214]
Die Gegner des logischen Fatalismus mussten sich mit dem Problem der Asymmetrie auseinandersetzen, die sich ergibt, wenn man Aussagen ĂŒber die Zukunft einen anderen Wahrheitswert zuweist als Aussagen ĂŒber Gegenwart und Vergangenheit. Die Asymmetrie scheint einen fundamentalen ontologischen Unterschied zwischen vergangenen und zukĂŒnftigen ZustĂ€nden zu erfordern. John Randolph Lucas rettete die Offenheit der Zukunft, indem er einen solchen Unterschied bejahte.cite-ref-215[215] Andere AnsĂ€tze im spĂ€ten 20. Jahrhundert kamen ohne diese Annahme aus; sie stĂŒtzten sich nur auf den Umstand, dass Verursachung entlang dem Zeitpfeil erfolgt.cite-ref-216[216]
Nelson Pike initiierte 1965 eine neue Debatte ĂŒber den theologischen Fatalismus, wobei er an Taylors Aufsatz und an Ăberlegungen des Boethius anknĂŒpfte. Er untersuchte die These, dass keine menschliche Handlung aus freiem Willen ausgefĂŒhrt wird, wenn Gott allwissend ist. Dabei ging er von Annahmen aus, die zur Folgerung fĂŒhren, dass die These bejaht werden muss.cite-ref-217[217] Die dadurch ausgelöste lebhafte Diskussion dauert weiterhin an.cite-ref-218[218] Linda Zagzebski begrĂŒndete 2011 ihre Meinung, dass die Vorstellung der göttlichen Ăberzeitlichkeit keinen Ausweg aus dem Fatalismus biete.cite-ref-219[219]
Im Jahr 2011 erschien der Sammelband Fate, Time, and Language, der einen RĂŒckblick auf die von Richard Taylor angestoĂene Debatte ĂŒber den logischen Fatalismus bietet. Der Band stellt eine Reihe namhafter BeitrĂ€ge zusammen, darunter eine dort erstmals veröffentlichte ausfĂŒhrliche Stellungnahme von David Foster Wallace.cite-ref-220[220]
Peter Sloterdijk Ă€uĂerte sich in einem 2011 veröffentlichten Dialog. Aus seiner Sicht beruht die eigentliche Faszination des Fatalismus fĂŒr Menschen jedes Zeitalters darauf, dass sie die Aussage âMan kann ĂŒberhaupt nichts machenâ fĂŒr eine gute Nachricht halten. Diese These sei der Freispruch von der Zumutung, etwas zu unternehmen. Sie liefere die BegrĂŒndung fĂŒr die âNeigung zum Ăberwintern auf dem Nullpunkt des Willensâ. Er, Sloterdijk, hege den Verdacht, dies gelte nicht nur fĂŒr den Fatalismus der kleinen Leute; auch ein GroĂteil der intellektuellen Bewegungen des 20. Jahrhunderts habe âan der Sehnsucht nach dem Winterschlaf Anteilâ und habe sein BedĂŒrfnis nach âAusschaltung des Subjektsâ befriedigt.cite-ref-221[221]
Belletristik
Im frĂŒhen 19. Jahrhundert bildete sich in der deutschsprachigen Literatur eine schwer umgrenzbare Gattung heraus, die literarhistorisch traditionell als âSchicksalstragödieâ, in neuerer Zeit als âSchicksalsdramaâ bezeichnet wird. Es handelt sich um Tragödien, in denen das Schicksal fatalistisch aufgefasst wird. Typisch fĂŒr die Gattung ist eine Verkettung von zufĂ€lligen Begebenheiten, zwischen denen kein innerer Zusammenhang besteht, die aber zusammen im Endergebnis dazu fĂŒhren, dass sich ein vorausbestimmtes persönliches Schicksal erfĂŒllt. Der Ausgang war durch Vorzeichen angekĂŒndigt oder erscheint als Auswirkung eines Fluchs oder einer lange zurĂŒckliegenden Untat. Er ist keine natĂŒrliche Folge der gegebenen Konstellation zwischen bestimmten Charakteren, sondern wird von Ă€uĂerlichen Entwicklungen herbeigefĂŒhrt. Die schicksalsbestimmende Instanz bleibt mysteriös. Einen AnstoĂ gab Schillers 1803 uraufgefĂŒhrtes Drama Die Braut von Messina, das eine antike Schicksalsidee in das moderne Theater einfĂŒhrte. Schillers Anliegen war, durch die Konfrontation mit dem erbarmungslosen Schicksal eine erzieherische Wirkung zu erzielen und zu zeigen, wie dem Menschen eine sittliche Freiheit ermöglicht wird. Dieser Aspekt wurde jedoch in der Folgezeit nicht aufgegriffen, vielmehr trat die Hilflosigkeit der Akteure angesichts des VerhĂ€ngnisses in den Vordergrund. Vorbildgebend fĂŒr das Schicksalsdrama wirkte Zacharias Werner; weitere namhafte Autoren dieser Richtung waren Adolf MĂŒllner und Ernst von Houwald. Auch Franz Grillparzers StĂŒck Die Ahnfrau wird zu den Schicksalsdramen gezĂ€hlt.cite-ref-222[222] Diese Autoren thematisierten das Fatum, waren aber selbst keine Fatalisten.cite-ref-223[223] Kritiker wie Ludwig Börne verurteilten die Inszenierung des Schicksalhaften oder gaben sie mit Parodien der LĂ€cherlichkeit preis.cite-ref-224[224]
Musik
Der Komponist Gian Francesco Malipiero gab seiner zehnten Symphonie, einem SpÀtwerk aus dem Jahr 1967, den Titel Atropo. Mit der Benennung nach der todbringenden Moire wies er auf die Todesthematik hin. Mit seinen musikalischen Mitteln brachte Malipiero die Grausamkeit der unberechenbaren und lebensfeindlichen Schicksalsmacht zum Ausdruck.cite-ref-225[225]
EuropÀisches Sagengut und Brauchtum
Im europĂ€ischen Volksglauben und Sagengut sind fatalistische Vorstellungen weit verbreitet. Sie kommen in zahlreichen SchicksalserzĂ€hlungen zur Geltung. Eine sehr hĂ€ufige Struktur ist durch drei Merkmale bestimmt: Einem âSchicksalskindâ wird nach seiner Geburt Unheil geweissagt, oft die UmstĂ€nde seines Todes; der Betroffene oder seine BeschĂŒtzer versuchen das VerhĂ€ngnis abzuwenden; am Ende erfĂŒllt sich die Prophezeiung. In einzelnen FĂ€llen kann zwar der Schicksalsspruch aufgehoben, durch List umgangen oder zumindest entschĂ€rft werden, oder das Unheil wird hinausgezögert, doch meist endet die ErzĂ€hlung tragisch. Oft fĂŒhren gerade Abwehrversuche die ErfĂŒllung der Weissagung herbei.cite-ref-226[226]
In vielen europĂ€ischen VolksmĂ€rchen herrscht keine âblindeâ, willkĂŒrliche Vorsehung, vielmehr zeigt sich das Denkmuster eines Gerechtigkeitszusammenhangs: Die schicksalsgenerierende Instanz â meist drei weibliche Gestalten, die âSchicksalsfrauenâ â lĂ€sst dem WĂŒrdigen das Gelingen, dem UnwĂŒrdigen das Misslingen zukommen.cite-ref-227[227] Nach anderen, ebenfalls verbreiteten Ăberlieferungen sind die Schicksalsfrauen jedoch launisch und empfindlich und entscheiden willkĂŒrlich nach augenblicklichen Stimmungen. Nacheinander verkĂŒnden sie ihre SprĂŒche ĂŒber das kĂŒnftige Leben des Neugeborenen, wobei der Spruch der letzten Frau von ausschlaggebender Bedeutung ist und dem Wortlaut nach in ErfĂŒllung gehen muss. Neben dem Tod wird besonders hĂ€ufig die Heirat vorherbestimmt.cite-ref-228[228]
OsteuropÀische, romanische und keltische Traditionen
Der antike griechische Glaube an die Moiren, die klassischen Schicksalsfrauen, und ihre oft unheilvolle Rolle nach einer Geburt erwies sich als auĂerordentlich zĂ€hlebig. Er erhielt sich im griechischen Sagengut und Brauchtum bis in die Moderne, wurde auch samt dem griechischen Namen in den albanischen Volksglauben ĂŒbernommencite-ref-229[229] und war noch im 20. Jahrhundert lebendig. So wurde in der dritten Nacht nach der Geburt eines Kindes Brot und Honig aufgetischt, um die Moiren zu bewirten, die kommen, um das Lebenslos zuzuteilen. Die antike Meleagrossage, die das von der Moire Atropos herbeigefĂŒhrte VerhĂ€ngnis schildert, entfaltete eine besonders nachhaltige Wirkung. Ihr Stoff ist im volkstĂŒmlichen ErzĂ€hlgut in 21 Varianten ĂŒberliefert.cite-ref-230[230]
Auch in RumĂ€nien war der Volksglaube an die bei der Geburt auftretenden Schicksalsfrauen noch im 20. Jahrhundert verbreitet. Es besteht eine auffĂ€llige Ăbereinstimmung mit der griechischen Tradition. In Ă€lteren rumĂ€nischen Quellen ist von zwei Schicksalsfrauen die Rede, in jĂŒngeren sind es wie im griechischen Raum drei. Es sind zahlreiche Namensformen fĂŒr diese Gestalten ĂŒberliefert, darunter der griechischen Einfluss verratende Name Mire. In der wissenschaftlichen Terminologie hat sich die Bezeichnung Ursitoare durchgesetzt. Die Ursitoare bemessen das GlĂŒck des Neugeborenen. Ihr Besuch wird gewöhnlich in der dritten Nacht nach der Geburt des Kindes erwartet. Zu ihrem Empfang und ihrer Bewirtung werden umfangreiche Vorbereitungen getroffen.cite-ref-231[231]
Mancherlei Varianten des Glaubens an schicksalsbestimmende weibliche Geistwesen, die bei der Geburt eines Kindes dessen kĂŒnftiges GlĂŒck und UnglĂŒck festlegen, erlangten bei einer Reihe von slawischen Völkern Verbreitung. Ob es sich um altslawisches oder aus dem griechischen ErzĂ€hlgut und Brauchtum ĂŒbernommenes Material handelt, ist unklar. Zahlreiche VolkserzĂ€hlungen dokumentieren die PopularitĂ€t fatalistischer Ideen dieser Art. Ein zentraler Aspekt war das Bestreben der Familien, die Festlegung der kĂŒnftigen Geschicke eines Neugeborenen zu beeinflussen. Entsprechende BrĂ€uche dienten dem Zweck, das Wohlwollen der Schicksalsfrauen zu gewinnen, um dem Kind ein erfolgreiches Leben zu sichern. Die damit verbundenen Vorstellungen konnten sich jahrhundertelang in unterschiedlichen Varianten behaupten, teils bis in die Moderne. Bezeugt sind Schicksalsfrauen im bulgarischen, serbischen, kroatischen, slowenischen, tschechischen und slowakischen Volksglauben. Wahrscheinlich waren auch die altrussischen Geburtsgöttinnen (RoĆŸenicy) schon ursprĂŒnglich Schicksalsfrauen; ihre Verehrung mit Opferungen dauerte im Mittelalter auch nach der Christianisierung an und wurde von der orthodoxen Kirche eifrig bekĂ€mpft. Von den Slawen ĂŒbernahmen viele Gruppen der Roma den Glauben an die Schicksalsbestimmerinnen und einschlĂ€giges Brauchtum.cite-ref-232[232]
In VolkserzĂ€hlungen der Letten und Litauer spielt die Schicksalsfrau Laima, ursprĂŒnglich eine Göttin aus vorchristlicher Zeit, eine wichtige Rolle. Umfangreiches volkskundliches Material zeigt, dass die Verehrung dieser Gestalt vor allem bei den Letten die Christianisierung ĂŒberstand und in der FrĂŒhen Neuzeit andauerte. Oft ist in den Quellen auch von drei Laimen die Rede.cite-ref-233[233]
Im Volksglauben romanischer Völker, vor allem in Frankreich, ĂŒbernahmen im Mittelalter Feen die Funktion der Schicksalsfrauen. Das französische Wort fĂ©e geht auf das lateinische fata zurĂŒck. Das Erscheinen der Feen bei der Geburt, ihre Gabe der Schicksalsbestimmung und ihre Dreizahl lassen den antiken Ursprung der Tradition erkennen.cite-ref-234[234]
Starken Ausdruck findet der Fatalismus im keltischen Sagengut. In der mittelalterlichen Sage von Diarmuid und GrĂĄinne konstatiert der Held Diarmuid, wenn ihm ein bestimmter Tod vorherbestimmt sei, gebe es fĂŒr ihn kein Entrinnen.cite-ref-235[235]
Germanische Traditionen
Unklar ist, inwieweit den mittelalterlichen Quellen glaubwĂŒrdige Informationen ĂŒber pagane, nach der Christianisierung noch nachwirkende germanische Schicksalsvorstellungen entnommenen werden können. Seit langem wird in diesem Zusammenhang der altenglische Begriff wyrd diskutiert, der nicht ohne Weiteres mit etymologisch verwandten Begriffen im Althochdeutschen und anderen germanischen Sprachen gleichgesetzt werden darf. In der Ă€lteren Forschung war die Meinung verbreitet, wyrd sei eine unerbittliche Schicksalsmacht paganen Ursprungs. Man nahm an, das Konzept lasse sich aus Angaben in der volkssprachlichen Literatur erschlieĂen, es handle sich um ein vorchristliches Substrat im mittelalterlichen Volksglauben. Die neuere Forschung beurteilt solche Rekonstruktionsversuche jedoch sehr skeptisch.cite-ref-236[236]
ZuverlĂ€ssig bezeugt ist allerdings durch eine Reihe eindeutiger Belege in volkssprachlichen Quellen, dass im Mittelalter im germanischen Sprachraum fatalistisches Gedankengut weit verbreitet war. Im Volksglauben wurde angenommen, das vorherbestimmte Schicksal beherrsche das Leben und niemand könne ihm widerstehen. Als Aufgabe des Helden galt es, in Ăbereinstimmung mit dem Befehl des VerhĂ€ngnisses zu handeln.cite-ref-237[237]
In der nordischen Mythologie spielen die Nornen die Rolle der weiblichen Schicksalsgottheiten. Sie weisen jedem Neugeborenen sein Geschick zu, insbesondere die Lebensdauer. Wie die Moiren und Parzen erscheinen sie als Dreiheit und werden als Spinnerinnen beschrieben, die mit Macht die SchicksalsfĂ€den spinnen und Urteile fĂ€llen, denen niemand entgehen kann. Das Schicksal wird als ein von den Nornen verhĂ€ngtes Urteil empfunden.cite-ref-238[238] Auch die WalkĂŒren (valkyrja) sind schicksalsbestimmende Wesen. WĂ€hrend die Nornen am Beginn eines Lebens dessen LĂ€nge festlegen, treten die WalkĂŒren beim Lebensende in Erscheinung, ihr Walten bezieht sich auf den Tod. Wie ihr Name besagt, sind sie die âWĂ€hlerinnen der Schlachtentoten (valr)â; sie bestimmen, wer in der Schlacht fallen soll. Unterschiedlich sind die Angaben darĂŒber, ob sie dabei selbst entscheiden oder nach göttlichen Anweisungen zu handeln haben.cite-ref-239[239]
Islamischer Kulturraum
Nach der EinfĂŒhrung des Islam bestand in der arabischen Kultur die traditionelle Neigung zum Fatalismus fort, da auch die neue Religion ihr einen NĂ€hrboden bot. Die fatalistische Weltbetrachtung nahm nun eine theistische FĂ€rbung an und vermischte sich mit der Lehre von der göttlichen Vorherbestimmung.cite-ref-240[240] Dem Koran zufolge kann einem Menschen nur das widerfahren, was Gott bereits schriftlich aufgezeichnet hat.cite-ref-241[241]
Im Islam wird das von Gott festgelegte Schicksal qadar oder qaážÄÊŸ genannt. Zahlreiche arabische Sprichwörter nehmen auf die Schicksalsmacht Bezug.cite-ref-242[242] Die fatalistische Strömung in der Theologie betont, dass ausnahmslos alles, was geschieht, von Gott nicht nur vorausgewusst, sondern auch gewollt sei. Alles sei schon vor der Erschaffung der Welt von ihm beschlossen worden. Es sei mit der Feder seines Willens aufgezeichnet und somit unabĂ€nderlich. Andere theologische Lehren stellen demgegenĂŒber die menschliche Willensfreiheit in den Mittelpunkt und bekĂ€mpfen den Fatalismus. In diesem Sinne ergriffen im Mittelalter die AnhĂ€nger der muÊżtazilitischen Theologie Partei. Eine mittlere Position nimmt die aschÊżaritische Koraninterpretation ein, die sowohl an der PrĂ€destination als auch an der menschlichen Handlungsfreiheit festhĂ€lt. Zur ErklĂ€rung dient die Ăberlegung, der Mensch eigne sich durch einen Willensakt die von Gott hervorgebrachten Taten an und sei daher fĂŒr sie verantwortlich.cite-ref-243[243]
Eine extreme Konsequenz des theologischen Fatalismus ist die Lehre, der Mensch handle nur scheinbar, in Wirklichkeit sei immer nur Gott der Handelnde. Mittelalterliche Antifatalisten bezeichneten die gegnerischen Richtungen als ÇŠabrÄ«ya (ZwangsanhĂ€nger, von arabisch ǧabr âZwangâ) und warfen ihnen vor, die Willensfreiheit zu leugnen und damit die Verantwortung des Menschen zu beseitigen. Auch gemĂ€Ăigte Fatalisten wurden beschuldigt, zu den âLeuten des Zwangsâ zu gehören.cite-ref-244[244]
Das âLosâ des Menschen, sein âAnteilâ â arabisch ÙŰłÙ
Ű© qisma, tĂŒrkisch kismet â war ein im tĂŒrkischen Volksglauben verbreitetes Konzept, das in ErzĂ€hlungen und erbaulicher Literatur Ausdruck fand. Allerdings kommt qisma im Koran nicht mit dieser Bedeutung vor und hat im theologischen und philosophischen Diskurs der Muslime keine Rolle gespielt. In der europĂ€ischen Rezeption tĂŒrkischer MentalitĂ€t hat sich Kismet jedoch als Leitbegriff eingebĂŒrgert; es steht fĂŒr ein SchicksalsverstĂ€ndnis, das im 18. und 19. Jahrhundert mit abwertenden Bezeichnungen wie TĂŒrkenfatalismus und TĂŒrkenglaube belegt wurde.cite-ref-245[245]
Auch im Iran fand der Fatalismus nach der islamischen Eroberung einen fruchtbaren Boden. Eine ausgeprĂ€gte Vorliebe fĂŒr das Konzept der Vorherbestimmung durchzieht die persische Dichtkunst bis in die Moderne. Sie prĂ€gt beispielsweise das berĂŒhmte Epos SchÄhnÄme. Auch in der Geschichtsschreibung ist diese Neigung anzutreffen. In der persischen Dichtung lebten auĂerdem nach der Eroberung noch jahrhundertelang Spuren vorislamischer Schicksalsvorstellungen fort. Der vorislamische Gedanke, dass der Sternenhimmel den Menschen ihr individuelles Schicksal zugewiesen hat, erwies sich weiterhin als wirkmĂ€chtig; AnklĂ€nge finden sich sowohl im SchÄhnÄme als auch im Epos WÄ«s u RÄmÄ«n des persischen Dichters GurgÄnÄ«.cite-ref-246[246] Die PopularitĂ€t des fatalistischen Gedankengutes im Volk zeigt sich sprachlich in metaphorischen AusdrĂŒcken wie Pfeil (oder Hand, Feder) des Schicksals sowie in einer FĂŒlle von Redewendungen, Sprichwörtern, Anekdoten, ErzĂ€hlungen und Legenden. In der Moderne haben iranische Intellektuelle wie Ahmad Kasrawi die in der Bevölkerung tief verwurzelte Schicksalsergebenheit bekĂ€mpft, da sie zur Abwertung der menschlichen Leistungen fĂŒhre und eine der Ursachen fĂŒr die RĂŒckstĂ€ndigkeit der Nation sei.cite-ref-247[247]
Indische Traditionen
In der vedischen Religion, der Ă€ltesten aus Schriftquellen bekannten Religion Indiens, war die Idee eines allmĂ€chtigen, unabwendbaren Schicksals noch unbekannt. Erst in der epischen Literatur des frĂŒhen Hinduismus traten fatalistische Begriffe und Vorstellungen markant in den Vordergrund. Neben den stark rezipierten Epen trug die im Volksglauben verwurzelte Astrologie wesentlich dazu bei, in der hinduistischen Bevölkerung die Neigung zum Fatalismus zu verfestigen. In dem sehr populĂ€ren Epos Mahabharata, das zum Kernbestand des hinduistischen Traditionsguts gehört, wird davon ausgegangen, dass sogar die Götter dem Schicksal machtlos gegenĂŒberstehen. Dabei wird das Schicksal mit der Zeit identifiziert.cite-ref-248[248]
Die theologischen und philosophischen GrundĂŒberzeugungen, die in der altindischen Kultur vorherrschten, standen dem Aufkommen fatalistischer Ideen entgegen, weil die allgemein verbreiteten Karma-Konzepte den menschlichen Entscheidungen einen maĂgeblichen Einfluss auf die Zukunft zuschrieben. Daher konnte sich im Lehrgut der heute noch fortbestehenden bedeutenden Religionen indischen Ursprungs â Hinduismus, Buddhismus und Jainismus â kein konsequenter Fatalismus ausbilden. Dennoch spielen im Hinduismus fatalistisch gefĂ€rbte Schicksalsvorstellungen eine bedeutende Rolle, sowohl in der religiösen Literatur als auch im Volksglauben. Sie dienen der ErklĂ€rung ĂŒberraschender Ereignisse, unkontrollierbarer VorgĂ€nge und unerwarteter Ergebnisse menschlicher BemĂŒhungen. Von Schicksal â im Sanskrit daiva â ist die Rede, wenn der Eindruck einer Aufeinanderfolge von Ursachen und Wirkungen entsteht, der man nicht mehr Einhalt gebieten oder ausweichen kann, nachdem sie in Gang gesetzt wurde. Als auslösende Ursache erscheint entweder eine unpersönliche Kraft oder eine Gottheit, die etwas geplant und gesendet hat. Die verursachende Gottheit wird manchmal als âAnordnerâ (dÄtÄ oder vidhÄtÄ) bezeichnet. Im Mahabharata wird beklagt, der launische Gott spiele mit den Menschen wie ein Kind mit seinem Spielzeug.cite-ref-249[249] Nach einer anderen Darlegung im Mahabharata hĂ€ngt der Ausgang einer Unternehmung sowohl von den Handlungen der Beteiligten als auch von daiva ab. Auch ein vernĂŒnftiges und richtig angepacktes Vorhaben kann schlieĂlich am Widerstand des unerbittlichen daiva scheitern. Dennoch werden die GlĂ€ubigen ermutigt, nicht zu resignieren und sich stets nach KrĂ€ften anzustrengen.cite-ref-250[250]
Das Schicksal, dem man nicht entrinnen kann, wird von den hinduistischen AutoritĂ€ten in manchen FĂ€llen als Auswirkung einer machtvollen Verfluchung dargestellt. Gewöhnlich wird es im Rahmen der Reinkarnationslehre als Folge unbekannter Taten in frĂŒheren Leben erklĂ€rt. Daneben kommen im Volksglauben auch Deutungen vor, die fatalistische ZĂŒge aufweisen. Stark ausgeprĂ€gt ist der Fatalismus in einem in Tamil Nadu erzĂ€hlten Mythos, dem zufolge der Gott Shiva schon vor der Erschaffung der Welt jedem Lebewesen sein kĂŒnftiges Schicksal als âSchrift auf der Stirnâ zugewiesen hat, wobei sĂ€mtliche Taten, Gedanken und Erlebnisse bereits genau festgelegt wurden. Die bei den Hindus vorherrschende Meinung lĂ€sst jedoch die Möglichkeit von Ănderungen offen. Man glaubt, der vom Schicksal vorgesehene und in Horoskopen erkennbare Ablauf der Ereignisse sei nicht unausweichlich, vielmehr könne drohendes Unheil noch durch rituelle Handlungen abgewendet werden.cite-ref-251[251]
Ein SonderphĂ€nomen ist die Lehre der Ajivikas, einer nichthinduistischen philosophischen Richtung, die ab der Zeit des Buddha Gautama Siddharta in Indien bezeugt ist und vermutlich bis zum 15. Jahrhundert fortbestand. Nach der Meinung der Ajivikas ist das Schicksal streng determiniert. Es gibt keinen freien Willen, vielmehr folgt alles einer naturgesetzlichen Notwendigkeit (niyati). Somit kann der Mensch sein Geschick nicht beeinflussen. Er ist der Notwendigkeit hilflos ausgeliefert. Die Ajivikas bestritten die Existenz einer moralischen Weltordnung. Sie verwarfen die Idee, dass die Daseinsbedingungen der Seele nach dem Tod des Körpers und in kĂŒnftigen Inkarnationen von den zuvor begangenen guten oder schlechten Taten abhĂ€ngen. Nach ihrer Lehre hat die Befolgung oder Missachtung ethischer Normen keine Auswirkungen nach dem Tode. Verdienst und SĂŒnde sind keine objektiven RealitĂ€ten, die aufgrund einer universellen GesetzmĂ€Ăigkeit Belohnung bzw. Strafe nach sich ziehen. Dadurch unterscheidet sich die Ajivika-Philosophie grundlegend vom Hinduismus, Jainismus und Buddhismus, die das Geschick vom Karma, den vergangenen Taten, und damit von menschlichen Willensakten abhĂ€ngig machen.cite-ref-252[252]
Im Sikhismus, der sowohl hinduistisches als auch islamisches Gedankengut aufgreift, wird das Karma-Prinzip (hier als karam) ĂŒbernommen und damit die Verantwortung des Menschen fĂŒr seine LebensumstĂ€nde und seine Zukunft etabliert. Daneben enthĂ€lt das Adi Granth, die Grundlagenschrift der Sikh-Religion, aber auch deutlich fatalistische Aussagen. So wird festgestellt, alle Handlungen der Menschen wie Reden, Essen, Gehen, Sehen, Hören und Atmen seien im Sinne einer Vorherbestimmung âaufgeschriebenâ (lekhai). Diese Schrift stamme von Gott und könne nicht getilgt werden.cite-ref-253[253]
Chinesische Konzepte
Konfuzianismus
Konfuzius (551â479 v. Chr.), der BegrĂŒnder des Konfuzianismus, hielt den âHimmelâ (chinesisch 怩 tiÄn) fĂŒr den Garanten der Weltordnung, in die der Mensch einbezogen ist. Nach konfuzianischem VerstĂ€ndnis lenkt der Himmel den Verlauf des menschlichen Lebens und setzt jeder Person ihre Bestimmung, die Aufgabe, die sie zu erfĂŒllen hat, und das Ziel, das erreicht werden muss. Diese vorgegebene Bestimmung ist der âAuftrag des Himmelsâ (ć€©ćœ tiÄn mĂŹng). Jedem Menschen hat der Himmel sein persönliches Schicksal (ćœ mĂŹng) auferlegt. Das Wort mĂŹng hat die Grundbedeutung Auftrag oder GeheiĂ. FĂŒr Konfuzius hat der Himmel einen Willen, von dem abhĂ€ngt, ob der Mensch den rechten Weg, einen ethischen Lebenswandel, findet oder nicht. Dazu soll der Meister bemerkt haben: âOb man den rechten Weg beschreiten wird, das ist Schicksal. Ob man den rechten Weg verwerfen wird, das ist Schicksal.âcite-ref-254[254] Nach der konfuzianischen Lehre sendet der Himmel das Schicksal, er bestimmt ĂŒber Leben und Tod, ĂŒber Krankheit, Reichtum und Ansehen, Talent und charakterliche Veranlagung. Konfuzius meinte, die Zuweisung der Gaben erfolge willkĂŒrlich, die GrĂŒnde seien nicht erkennbar, da der Himmel schweige. Der einflussreiche Konfuzianer Mengzi, der im 4. und frĂŒhen 3. Jahrhundert v. Chr. lebte, betonte ebenfalls die Lenkung durch den Himmel, doch er wies dem menschlichen Willen eine gewichtigere Rolle zu als Konfuzius.cite-ref-255[255]
Inwieweit der Himmel im frĂŒhen Konfuzianismus als moralische Instanz betrachtet wurde, geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor und ist in der Forschung umstritten. Manche Aussagen lassen auf die Vorstellung einer blinden, moralisch indifferenten Schicksalsmacht schlieĂen, andere basieren auf der Idee einer Belohnung oder Bestrafung der menschlichen Taten unter ethischem Gesichtspunkt.cite-ref-256[256]
Auch VorgĂ€nge, die ausschlieĂlich zum Bereich menschlicher Entscheidungsfreiheit zu gehören scheinen, wie ein Kriegszustand, werden im Konfuzianismus als Eingriffe einer ĂŒbergeordneten Macht empfunden, gegen die man nichts vermag. So bemerkte Mengzi: âDer Himmel will es noch nicht, dass auf der Erde Friede herrscht!âcite-ref-257[257] Auch das Charisma (ćŸ· dĂ©), eine sehr geschĂ€tzte Wirkkraft einzelner Personen, wird aus konfuzianischer Sicht vom Himmel verliehen. Das dĂ© wird nur auserwĂ€hlten Menschen zuteil, den Weisheitslehrern â insbesondere Konfuzius â und besonders begnadeten Herrschern. Wer ĂŒber die damit verbundene Macht verfĂŒgt, dem ist der Erfolg sicher.cite-ref-258[258]
Der Konfuzianismus unterscheidet zwischen den vom Schicksal festgelegten LebensumstĂ€nden und den VerhĂ€ltnissen und VorgĂ€ngen im Inneren des Menschen, die in dessen ZustĂ€ndigkeit und Verantwortung fallen. Die Aufgabe des Weisen besteht darin, sein Schicksal zu erkennen und es gehorsam und gelassen hinzunehmen, wĂ€hrend er in seinem Inneren die Tugendhaftigkeit kultiviert. Nach Mengzis Lehre erreicht der Mensch die richtige Haltung gegenĂŒber den Ă€uĂeren Gegebenheiten durch das Ausschöpfen der in ihm selbst liegenden geistigen und sittlichen Möglichkeiten. So gerĂŒstet kann er gelassen die Entwicklungen, die nicht von seinem Willen abhĂ€ngen, abwarten und sich dem Schicksal stellen. Die Macht des mĂŹng soll dabei nicht missachtet, sondern mit Respekt betrachtet werden.cite-ref-259[259]
Hinsichtlich der Lebenspraxis hat die konfuzianische Respektierung schicksalhafter Gegebenheiten keine resignative Haltung zur Folge. Vielmehr wird die Empfehlung, das Schicksal zu akzeptieren, mit der Forderung verbunden, tĂ€tig zu sein und die persönliche Aufgabe, den Auftrag des Himmels, zu erfĂŒllen.cite-ref-260[260]
Im Falle eines Herrschers zeigt dessen MachtĂŒbernahme an, dass er zunĂ€chst das Mandat des Himmels erhalten hat. Hier gilt der Grundsatz: Der Himmel redet nicht, aber er gibt sich durch seine Wirkungen zu erkennen. In der Folgezeit orientiert sich der Himmel an den Handlungen des Herrschers und entzieht ihm, wenn er versagt, das Mandat. Den Geschichtsverlauf bestimmt somit die Wechselwirkung der himmlischen Schicksalsmacht mit den menschlichen Entscheidungen.cite-ref-261[261]
Mohismus
Eine dezidierte Gegenposition zur fatalistischen Tendenz im Konfuzianismus nahm der Philosoph Mozi (Mo Di) ein, der im 5. Jahrhundert v. Chr. den âMohismusâ begrĂŒndete. Er bekĂ€mpfte den Fatalismus energisch. In der nach ihm benannten Textsammlung Mozi, einer von den Mohisten arrangierten Zusammenstellung ihrer Lehren, trĂ€gt ein drei Kapitel umfassender Teil den Titel FÄi mĂŹng (Gegen [den Glauben an] das Schicksal). Vor allem warf Mozi denen, âdie annehmen, dass es eine Vorherbestimmung gibtâ, die sozialen Folgen ihrer Weltsicht vor. Fatalismus fĂŒhre zum Zusammenbruch von LoyalitĂ€t, Moral und Anstand sowohl im Familienleben als auch im Staat. Wenn der Schicksalsglaube Einfluss erlange, bestimme egoistische RĂŒcksichtslosigkeit, Pflichtvergessenheit und Treulosigkeit das Verhalten der Menschen.cite-ref-262[262]
Das mohistische Verdammungsurteil ĂŒber den Fatalismus betrifft nicht das Konzept einer lenkenden höheren Macht als solches. Abgelehnt wird nur der Glaube an ein âblindesâ Schicksal, das unabhĂ€ngig von den jeweiligen ethischen Entscheidungen der Menschen von vornherein vorgegeben ist. Eine gerecht zuteilende Weltordnung hingegen wird bejaht. Der Mohismus postuliert, der Himmel habe einen Willen, er fördere die Rechtschaffenheit, belohne gutes Verhalten und bestrafe schlechtes. Mozis antifatalistischer Kampf richtete sich gegen die tonangebenden Gelehrten seiner Zeit, die rĂș (ć). Nach seiner Darstellung behaupteten die rĂș, der Himmel habe den einzelnen Individuen Langlebigkeit oder frĂŒhen Tod, Armut oder Reichtum, Sicherheit oder Gefahr vorherbestimmt. Sie meinten, diese GĂŒter könnten weder vermehrt noch vermindert werden, und auch wenn man ĂŒber die SchicksalsfĂŒgungen Bescheid wisse, könne man nichts daran Ă€ndern. Aus solchen fatalistischen Annahmen lieĂ sich nach Mozis Argumentation folgern, die Befolgung oder Missachtung moralischer Normen habe keine Auswirkungen. Gegen diese Konsequenz war die mohistische Polemik gerichtet. Mozi befand, sozial erwĂŒnschtes Verhalten sei nur dann zu erwarten, wenn in der Gesellschaft die Ăberzeugung verwurzelt sei, dass der Mensch selbst fĂŒr seine guten oder schlechten Taten verantwortlich sei.cite-ref-263[263]
Wang Chong
Im 1. Jahrhundert trat der Philosoph Wang Chong als Kritiker des zeitgenössischen Volksglaubens hervor. In der Auseinandersetzung mit damals verbreiteten Vorstellungen entwickelte und begrĂŒndete er seine Schicksalstheorie. Den Ausgangspunkt bildete seine Kritik an der gĂ€ngigen Meinung, die Geschicke der Menschen wĂŒrden vom gerechten Himmel gesteuert, der Verdienste belohne und Ăbeltaten bestrafe. Dem stellte Wang sein Konzept entgegen, das besagt, dass die Natur eines Menschen, sein individueller Charakter (æ§ xĂŹng), in keinem Zusammenhang mit seinem Schicksal (ćœ mĂŹng) steht. Gutes und schlechtes Handeln hĂ€ngen vom Charakter ab, GlĂŒck und UnglĂŒck vom Schicksal. Gute Menschen sind ebenso wie schlechte in manchen FĂ€llen vom GlĂŒck begĂŒnstigt und in anderen nicht. Das gilt fĂŒr die naturgegebenen Lebensbedingungen ebenso wie fĂŒr zwischenmenschliche VerhĂ€ltnisse. Herrscher belohnen und bestrafen ihre Untertanen nicht nach deren wirklichen Leistungen und Verfehlungen, sondern willkĂŒrlich; sie missachten loyale Diener und stĂŒtzen sich auf unzuverlĂ€ssige.cite-ref-264[264]
Wang Chong stĂŒtzte seine Argumentation nicht nur auf seinen empirischen Befund, dass im menschlichen Leben kein beobachtbarer Zusammenhang zwischen der Moral und GlĂŒcksfĂ€llen oder SchicksalsschlĂ€gen bestehe. DarĂŒber hinaus wies er darauf hin, dass fĂŒr die Menschenwelt dieselben GesetzmĂ€Ăigkeiten anzunehmen seien wie fĂŒr die Natur im Allgemeinen. Wangs Ăberlegung lautet: Wenn ein Mensch an einem Ort lĂ€uft, wo Ameisen sind, dann sterben diejenigen Ameisen, auf die er tritt, wĂ€hrend die anderen ĂŒberleben. Wenn ein Feuer ausbricht, verbrennen manche Grashalme und andere nicht. Wenn eine Gruppe Menschen von Bewaffneten angegriffen wird, werden einige verwundet, andere können unverletzt entkommen. Die einzelnen Grashalme und Ameisen werden nicht belohnt oder bestraft, weil sie gut oder schlecht sind. Somit ist dasselbe fĂŒr die Menschen anzunehmen. Der Mensch wird zwar vom Himmel und der Erde hervorgebracht, aber nicht absichtlich, denn die Natur hat kein BedĂŒrfnis nach diesem Erdbewohner und keine Sympathie fĂŒr ihn. Himmel und Erde verhalten sich zum Menschen wie der Mensch zu den LĂ€usen.cite-ref-265[265]
Demnach hĂ€ngt der Verlauf des menschlichen Lebens ebenso wie bei Tieren und Pflanzen davon ab, ob man GlĂŒck oder Pech hat. Das Individuum kann nichts dafĂŒr. Den bestimmenden Faktor sah Wang aber nicht in einem chaotischen Zusammentreffen von Kausalketten. Vielmehr behauptete er, alles sei von mĂŹng, der Schicksalsmacht, vorherbestimmt. Beispielsweise sei die Lebensdauer von einer angeborenen Veranlagung abhĂ€ngig. Der Unterschied zum konfuzianischen PrĂ€destinationskonzept besteht darin, dass Wang die Instanz, die das Schicksal festlegt, nicht mit dem gĂŒtigen und gerechten Himmel gleichsetzte, sondern sie fĂŒr ethisch indifferent hielt. Nach seinem VerstĂ€ndnis gibt es in der Natur PrĂ€destination, aber keine moralischen Kriterien. Das gilt nicht nur fĂŒr Individuen, sondern auch fĂŒr Staaten. Auch sie sind den SchicksalsfĂŒgungen unterworfen, und daran können keine BemĂŒhungen weiser Herrscher etwas Ă€ndern. Das kollektive Schicksal eines Landes ist stĂ€rker als das individuelle seiner Einwohner. Deswegen sind die BĂŒrger alle gleichzeitig NutznieĂer oder Leidtragende groĂer Ereignisse und allgemeiner ZustĂ€nde, obwohl ihre individuelle Vorherbestimmung unterschiedlich wĂ€re.cite-ref-266[266]
Wang ging auf ein Beispiel des Konfuzianers Mengzi ein. Dieser hatte empfohlen, man solle sich zwar dem Schicksal fĂŒgen, aber den Gefahren durch verantwortliches Handeln begegnen. Wer das Schicksal begriffen habe, stelle sich nicht unter eine einsturzgefĂ€hrdete Mauer. Wangs Einwand dagegen lautet: Der, dem es bestimmt ist, auf solche Art zu Tode zu kommen, dem ist es auch bestimmt, zur passenden Zeit unter eine solche Mauer zu geraten.cite-ref-267[267]
Afrikanische Religionen
In afrikanischen ethnischen Religionen erscheint die höchste Gottheit oft als Schicksalsmacht. Nach einer in Benin verbreiteten Vorstellung wird das vorbestimmte Schicksal (fa) von der Himmelsgöttin Mawu festgelegt, es ist âdie Schrift Mawusâ. Bei den Ewe wird Mawu als mĂ€nnlich aufgefasst; er bestimmt den Charakter, die Begabung und die Geschicke jedes Menschen. Seine Ungerechtigkeit wird beklagt. Im traditionellen Glauben der Aschanti gilt der Grundsatz, dass das Schicksal vom höchsten Wesen im Voraus festgelegt wurde und man daran nichts Ă€ndern kann. Bei den Kpelle ist der herrschende Gott der eigentliche Verursacher aller Geschehnisse. Er bemisst die Lebenszeit und teilt den Menschen und Tieren ihre Geschicke zu; der JĂ€ger sagt, dass er âseinâ Tier erlegt hat, das heiĂt das ihm von Gott zugewiesene. Fatalistische Vorstellungen, denen zufolge das höchste Wesen der souverĂ€ne Beherrscher der DaseinsmĂ€chte ist und den einzelnen Menschen GlĂŒck und UnglĂŒck willkĂŒrlich zuteilt, prĂ€gen auch in den indigenen Religionen der Schilluk, Kaffa, Massai, Chagga, Ovambo, Barundi, Ila und Dama das Weltbild.cite-ref-268[268]
Literatur
Allgemeine Ăbersichtsdarstellungen
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âą Chantal Hasnoui: Fatalisme. In: EncyclopĂ©die philosophique universelle. Band 2: Les notions philosophiques. Dictionnaire, Teilband 1: Philosophie occidentale: AâL. Presses Universitaires de France, Paris 1990, ISBN 2-13-041442-7, S. 957â963.
âą Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie. Band 1, Meiner, Hamburg 2010, ISBN 978-3-7873-1999-2, S. 701â706.
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Allgemeine Untersuchungen
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âą William Lane Craig: The Problem of Divine Foreknowledge and Future Contingents from Aristotle to Suarez. Brill, Leiden u. a. 1988, ISBN 90-04-08516-5.
⹠Helena Eilstein: Life Contemplative, Life Practical. An Essay on Fatalism. Rodopi, Amsterdam 1997, ISBN 90-420-0183-6 (erörtert moderne Hypothesen zur Logik von Fatalismus und Antifatalismus).
âą Monika Oertner: Fatalismus. Eine Begriffs-, PhĂ€nomen- und Problemanalyse unter exemplarischer BerĂŒcksichtigung der Lehren Chrysipps und Calvins. Hartung-Gorre, Konstanz 2005, ISBN 3-86628-031-9.
Aufsatzsammlungen
⹠Steven M. Cahn, Maureen Eckert (Hrsg.): Fate, Time, and Language. An Essay on Free Will. David Foster Wallace. Columbia University Press, New York 2011, ISBN 978-0-231-15157-3 (AufsÀtze zum logischen Fatalismus).
âą John Martin Fischer, Patrick Todd (Hrsg.): Freedom, Fatalism, and Foreknowledge. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-994241-1.
âą Helmer Ringgren (Hrsg.): Fatalistic Beliefs in Religion, Folklore, and Literature. Almqvist & Wiksell, Stockholm 1967.
Alter Orient
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Antike
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âą Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum. Band 7, Hiersemann, Stuttgart 1969, Sp. 524â636.
âą Reinhard Gregor Kratz, Hermann Spieckermann (Hrsg.): Vorsehung, Schicksal und göttliche Macht. Antike Stimmen zu einem aktuellen Thema. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2008, ISBN 978-3-16-149463-5.
Mittelalter
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Neuzeit
âą Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals. Zur Relevanz des UnverfĂŒgbaren zwischen AufklĂ€rung und Erstem Weltkrieg. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36724-7.
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âą Anthony Winterbourne: When the Norns Have Spoken. Time and Fate in Germanic Paganism. Fairleigh Dickinson University Press, Madison 2004, ISBN 0-8386-4048-6.
Islam
âą ÊżAbd-al-កosayn ZarrÄ«nkĆ«b: Fatalism. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): EncyclopĂŠdia Iranica. Band 9, Bibliotheca Persica Press, New York 1999, ISBN 0-933273-35-5, S. 396â398.
âą Helmer Ringgren: Studies in Arabian Fatalism. Harrassowitz, Wiesbaden 1955.
Hinduismus
âą Peter Hill: Fate, Predestination and Human Action in the MahÄbhÄrata: A Study in the History of Ideas. Munshiram Manoharlal, New Delhi 2001, ISBN 81-215-0855-X, S. 195â230.
China
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Weblinks
Wiktionary: Fatalismus
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Hugh Rice: Fatalism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
âą Ned Markosian: Time: Fatalism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Anmerkungen
cite-note-11. â Siehe die Artikel zu den einzelnen Begriffen in dem von Christoph Horn und Christof Rapp herausgegebenen Wörterbuch der antiken Philosophie, 2., ĂŒberarbeitete Auflage, MĂŒnchen 2008 sowie Margarita Kranz: Schicksal. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 8, Basel 1992, Sp. 1275â1289, hier: 1275.
cite-note-22. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 132.
cite-note-33. â Michael Franz: Schellings TĂŒbinger Platon-Studien, Göttingen 1996, S. 22 f.
cite-note-44. â Walther von Wartburg: Französisches Etymologisches Wörterbuch, Band 3, TĂŒbingen 1949, S. 434.
cite-note-55. â Isolde Nortmeyer: fatal. In: Hans Schulz, Otto Basler (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch, 2., neubearbeitete Auflage, Band 5, Berlin 2004, S. 737â742, hier: 737.
cite-note-66. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 16 f.; JĂŒrgen Ruhnau: Fatalismus. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2, Basel 1972, Sp. 913â915.
cite-note-77. â Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim 2007, Lemma fatal.
cite-note-88. â Zur Wortgeschichte siehe Isolde Nortmeyer: fatal. In: Hans Schulz, Otto Basler (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch, 2., neubearbeitete Auflage, Band 5, Berlin 2004, S. 737â742; zum umgangssprachlichen Fatalismusbegriff Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 10â24. Vgl. JĂŒrgen Ruhnau: Fatalismus. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2, Basel 1972, Sp. 913â915, hier: 913.
cite-note-99. â Zu Nietzsches Ansatz siehe Marco Brusotti: Die Leidenschaft der Erkenntnis, Berlin 1997, S. 454â471.
cite-note-1010. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 16 f.
cite-note-1111. â Heidrun KĂ€mper: determinieren. In: Hans Schulz, Otto Basler (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch, 2., neubearbeitete Auflage, Band 4, Berlin 1999, S. 433â445, hier: 435.
cite-note-1212. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 3, 16 f.
cite-note-1313. â Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 701â706, hier: 701.
cite-note-1414. â Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 701â706, hier: 701; Mark Bernstein: Fatalism. In: Robert Kane (Hrsg.): The Oxford Handbook of Free Will, Oxford 2002, S. 65â81, hier: 67â69; Pirmin Stekeler-Weithofer u. a.: Determinismus/Indeterminismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 382â395, hier: 382â384.
cite-note-1515. â Siehe zur Abgrenzung von Fatalismus und Determinismus Mark H. Bernstein: Fatalism, Lincoln/London 1992, S. 61â65; Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 701â706, hier: 701 f.
cite-note-1616. â Siehe zur Typologie Gregor Ahn: Schicksal. I. Religionsgeschichtlich. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 102â107, hier: 104â106; Mark H. Bernstein: Fatalism, Lincoln/London 1992, S. 5â10; Mark Jago: Fatalism. In: The Continuum Encyclopedia of British Philosophy, Band 2, London/New York 2006, S. 1059 f., hier: 1059.
cite-note-1717. â Jacob Burckhardt: Griechische Kulturgeschichte, Band 2, Basel/Stuttgart 1978, S. 115 f.
cite-note-1818. â Bernard Clive Dietrich: Death, Fate and the Gods, 2., korrigierte Auflage, London 1967, S. 2â7; Gregor Ahn: Schicksal. I. Religionsgeschichtlich. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 102â107, hier: 104â106; Helmer Ringgren: The Problem of Fatalism. In: Helmer Ringgren (Hrsg.): Fatalistic Beliefs in Religion, Folklore, and Literature, Stockholm 1967, S. 7â18, hier: 13â18.
cite-note-1919. â Gottfried SeebaĂ: Wille/Willensfreiheit. I. Philosophisch. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 36, Berlin 2004, S. 55â73, hier: 66.
cite-note-2020. â Kees W. Bolle: Fate. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 5, Detroit 2005, S. 2998â3006, hier: 3002 f.; Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 579â586; Utto Riedinger: Die Heilige Schrift im Kampf der griechischen Kirche gegen die Astrologie, Innsbruck 1956, S. 15 f.; David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 587 f.
cite-note-2121. â Edward Craig: Fatalism. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy, Band 3, London/New York 1998, S. 563 f.; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 37â45.
cite-note-2222. â Friedrich Heiler: Erscheinungsformen und Wesen der Religion, 2., verbesserte Auflage, Stuttgart 1979, S. 58 f.
cite-note-2323. â Jim Tester: A history of Western Astrology, Woodbridge 1987, S. 2 f.; Christian Thiel: Astrologie. In: JĂŒrgen MittelstraĂ (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2., neubearbeitete Auflage, Band 1, Stuttgart 2005, S. 267â269, hier: 267; David Pingree u. a.: Astrologie. II. Geschichtlich. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 4, Berlin 1979, S. 281â299, hier: 281 f., 290.
cite-note-2424. â Eine Ăbersichtsdarstellung bietet Chantal Hasnoui: Fatalisme. In: EncyclopĂ©die philosophique universelle, Band 2/1, Paris 1990, S. 957â963, hier: 958 f.
cite-note-2525. â Eine EinfĂŒhrung in die Problematik bietet Christopher Shields: Aristotle, 2. Auflage, London 2014, S. 212â223.
cite-note-2626. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 19, 71â79; Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 701â706, hier: 701, 705.
cite-note-2727. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 20â22.
cite-note-2828. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 22 f.
cite-note-2929. â Cicero, De fato 28 f. Siehe dazu Elisabeth Begemann: Schicksal als Argument, Stuttgart 2012, S. 55.
cite-note-3030. â Margarita Kranz, Peter Probst: Ratio ignava. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 8, Basel 1992, Sp. 41 f.; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 20 f., 38â41, 79 f. Vgl. die Analyse von Jordan Howard Sobel: Dummett on Fatalism. In: The Philosophical Review 75, 1966, S. 78â90.
cite-note-3131. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 161â164.
cite-note-3232. â Monika Oertner: Fatalismus. In: Hans Jörg SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie, Band 1, Hamburg 2010, S. 701â706, hier: 706; Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 131â138.
cite-note-3333. â Gottfried SeebaĂ: Freiheit und Determinismus. In: Zeitschrift fĂŒr philosophische Forschung 47, 1993, S. 1â22, 223â245, hier: 14â19.
cite-note-3434. â Gottfried SeebaĂ: Freiheit und Determinismus. In: Zeitschrift fĂŒr philosophische Forschung 47, 1993, S. 1â22, 223â245, hier: 19 f., 223 f., 244 f.; Gottfried SeebaĂ: Wille/Willensfreiheit. I. Philosophisch. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 36, Berlin 2004, S. 55â73, hier: 67.
cite-note-3535. â Gottfried SeebaĂ: Freiheit und Determinismus. In: Zeitschrift fĂŒr philosophische Forschung 47, 1993, S. 1â22, 223â245, hier: 7â14.
cite-note-3636. â Janice Polonsky: The Rise of the Sun God and the Determination of Destiny in Ancient Mesopotamia, Ann Arbor 2002, S. 73 f., 100â108.
cite-note-3737. â Jacob Klein: Namtar. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen ArchĂ€ologie, Band 9, Berlin 1998â2001, S. 142â145; Kai LĂ€mmerhirt, Annette Zgoll: Schicksal. A. In Mesopotamien. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen ArchĂ€ologie, Band 12, Berlin 2009â2011, S. 145â155, hier: 147 f.; Janice Polonsky: The Rise of the Sun God and the Determination of Destiny in Ancient Mesopotamia, Ann Arbor 2002, S. 75â79; Christliebe Fichtner-Jeremias: Der Schicksalsglaube bei den Babyloniern, Leipzig 1922, S. 10â24.
cite-note-3838. â Brigitte Groneberg: AnzĂ» stiehlt die Schicksalstafeln. In: Reinhard Gregor Kratz, Hermann Spieckermann (Hrsg.): Vorsehung, Schicksal und göttliche Macht, TĂŒbingen 2008, S. 23â39, hier: 32 f.; Friedrich Nötscher: Schicksalsglaube in Qumran und Umwelt. In: Nötscher: Vom Alten zum Neuen Testament, Bonn 1962, S. 17â71, hier: 18 f.
cite-note-3939. â Kai LĂ€mmerhirt, Annette Zgoll: Schicksal. A. In Mesopotamien. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen ArchĂ€ologie, Band 12, Berlin 2009â2011, S. 145â155, hier: 145, 149, 152.
cite-note-4040. â Manfried Dietrich: Der göttliche Ratschluss und der Weg des Menschen im Lichte babylonischer Texte. In: Manfried Dietrich (Hrsg.): Religionen in einer sich Ă€ndernden Welt, MĂŒnster 1999, S. 13â29, hier: 14â18.
cite-note-4141. â Jack N. Lawson: The Concept of Fate in Ancient Mesopotamia of the First Millennium. Toward an Understanding of Ć Ä«mtu, Wiesbaden 1994, S. 128 f., 132 f.
cite-note-4242. â Daniel Schwemer: Schicksal. B. Bei den Hethitern. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen ArchĂ€ologie, Band 12, Berlin 2009â2011, S. 155â157.
cite-note-4343. â Christiane Zivie-Coche, Françoise Dunand: Die Religionen des Alten Ăgypten, Stuttgart 2013, S. 386 f.; Friedrich Nötscher: Schicksalsglaube in Qumran und Umwelt. In: Nötscher: Vom Alten zum Neuen Testament, Bonn 1962, S. 17â71, hier: 27 f.
cite-note-4444. â Siegfried Morenz: Untersuchungen zur Rolle des Schicksals in der Ă€gyptischen Religion, Berlin 1960, S. 8â10, 29; Irene Grumach-Shirun: Schicksal. In: Lexikon der Ăgyptologie, Band 5, Wiesbaden 1984, Sp. 598â600.
cite-note-4545. â Irene Grumach-Shirun: Schai und Schicksal. In: Lexikon der Ăgyptologie, Band 5, Wiesbaden 1984, Sp. 524â526 bzw. 598â600; Matthias Rochholz: Schöpfung, Feindvernichtung, Regeneration, Wiesbaden 2002, S. 44â49.
cite-note-4646. â Heike Sternberg-el Hotabi: âIch besiege das Schicksalâ. In: Reinhard Gregor Kratz, Hermann Spieckermann (Hrsg.): Vorsehung, Schicksal und göttliche Macht, TĂŒbingen 2008, S. 40â60, hier: 45â47, 57â59.
cite-note-4747. â Siehe zu dieser Bezeichnung Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 46.
cite-note-4949. â Samson Eitrem: Moira. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2449â2497, hier: 2477â2479, 2484 f.; Bernard Clive Dietrich: Death, Fate and the Gods, 2., korrigierte Auflage, London 1967, S. 78â82, 85â87.
cite-note-5050. â Siehe zur Meleagrossage und ihren spĂ€teren Abwandlungen in VolkserzĂ€hlungen Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 17â31.
cite-note-5151. â William Chase Greene: Moira, Cambridge (Massachusetts) 1944, S. 195â197.
cite-note-5252. â Ernst Steinbach: Der Faden der Schicksalsgottheiten, Leipzig 1931, S. 13, 15â21.
cite-note-5353. â Ernst Steinbach: Der Faden der Schicksalsgottheiten, Leipzig 1931, S. 33â45.
cite-note-5454. â Siehe zu diesem Ausdruck Walter Pötscher: Das römische Fatum â Begriff und Verwendung. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Band II 16.1, Berlin 1978, S. 393â424, hier: 401â404; Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 46 f.
cite-note-5555. â Markos Giannoulis: Die Moiren, MĂŒnster 2010, S. 12; Samson Eitrem: Moira. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2449â2497, hier: 2484 f.
cite-note-5656. â Walter Pötscher: Das römische Fatum â Begriff und Verwendung. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Band II 16.1, Berlin 1978, S. 393â424, hier: 404â406.
cite-note-5757. â Eine Ăbersicht bietet Stefano de Angeli: Moirai. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC), Band 6.1, ZĂŒrich/MĂŒnchen 1992, S. 636â648, hier: 646â648.
cite-note-5858. â Siehe die Ăbersichtsdarstellung bei Bernd Manuwald (Hrsg.): Sophokles: König Ădipus, Berlin 2012, S. 10â14.
cite-note-5959. â Siehe Bernd Manuwald: Oidipus und Adrastos. In: Rheinisches Museum fĂŒr Philologie 135, 1992, S. 1â43, hier: 1â5, 34â36 und die dort genannte Literatur; Bernd Manuwald (Hrsg.): Sophokles: König Ădipus, Berlin 2012, S. 29â33, 44 f.; Egon Flaig: Ădipus, MĂŒnchen 1998, S. 17â21.
cite-note-6060. â Egon Flaig: Ădipus, MĂŒnchen 1998, S. 19â28.
cite-note-6161. â Herodot, Historien 1,91. Vgl. Michael Krewet: Vernunft und Religion bei Herodot, Heidelberg 2017, S. 282â284, 290 f.
cite-note-6262. â Herodot, Historien 1,34â45. Vgl. Michael Krewet: Vernunft und Religion bei Herodot, Heidelberg 2017, S. 213â220.
cite-note-6363. â Michael Krewet: Vernunft und Religion bei Herodot, Heidelberg 2017, S. 220â237.
cite-note-6464. â Homer, Ilias 23,78 f. Siehe zu den Keres und Daimones Johanna ter Vrugt-Lentz: Geister (DĂ€monen). B. II. Vorhellenistisches Griechenland. In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 9, Stuttgart 1976, Sp. 598â615, hier: 600â606, 609 f.
cite-note-6565. â Siehe zur Geschichte der Tyche Hans Herter: Tyche. In: Herter: Kleine Schriften, MĂŒnchen 1975, S. 76â90.
cite-note-6666. â Siehe die Zusammenstellung von Argumenten bei David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 573â586.
cite-note-6767. â Dieter Bremer, Roman Dilcher: Heraklit. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 1: FrĂŒhgriechische Philosophie, Halbband 2, Basel 2013, S. 601â656, hier: 624; Miroslav Marcovich: Heraclitus: Greek text with a short commentary. Editio maior, MĂ©rida 1967, S. 502â504.
cite-note-6868. â David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 29 f.
cite-note-6969. â David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 30 f.
cite-note-7070. â Platon, Politeia 614bâ617d. Vgl. Dirk CĂŒrsgen: Die RationalitĂ€t des Mythischen, Berlin 2002, S. 115 f.
cite-note-7171. â Platon, Politeia 617dâ620d. Vgl. Stephen Halliwell (Hrsg.): Plato: Republic 10, Warminster 1988, S. 183â191.
cite-note-7272. â Harald Seubert: Polis und Nomos, Berlin 2005, S. 434â436; Wolfgang M. Zeitler: Entscheidungsfreiheit bei Platon, MĂŒnchen 1983, S. 114â136; Dirk CĂŒrsgen: Die RationalitĂ€t des Mythischen, Berlin 2002, S. 114â121.
cite-note-7373. â Christof Rapp: Aristoteles zur EinfĂŒhrung, 4., ĂŒberarbeitete Auflage, Hamburg 2012, S. 93â95 (knappe, allgemeinverstĂ€ndliche Zusammenfassung); Hermann Weidemann (Ăbersetzer): Aristoteles: Peri hermeneias, Berlin 1994, S. 300â324 (Interpretationsgeschichte). Vgl. GĂŒnther Patzig: Aristoteles, Ćukasiewicz und die UrsprĂŒnge der mehrwertigen Logik. In: Patzig: Gesammelte Schriften, Band 3, Göttingen 1996, S. 218â229, hier: 218â222. AusfĂŒhrliche Darstellungen im Rahmen der modernen Debatte ĂŒber die Auffassung des Aristoteles bieten Richard Gaskin: The Sea Battle and the Master Argument, Berlin/New York 1995, S. 12â48 und William Lane Craig: The Problem of Divine Foreknowledge and Future Contingents from Aristotle to Suarez, Leiden u. a. 1988, S. 1â58.
cite-note-7474. â Dorothea Frede: Aristoteles und die âSeeschlachtâ, Göttingen 1970, S. 93; Klaus Döring: Sokrates, die Sokratiker und die von ihnen begrĂŒndeten Traditionen. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Basel 1998, S. 139â364, hier: 227â230.
cite-note-7575. â Siehe die Untersuchung von Richard Gaskin: The Sea Battle and the Master Argument, Berlin 1995 (sein eigener Rekonstruktionsversuch S. 282â296).
cite-note-7676. â Eine Zusammenfassung gibt Magnus Schallenberg: Freiheit und Determinismus, Berlin 2008, S. 18â22.
cite-note-7777. â Magnus Schallenberg: Freiheit und Determinismus, Berlin 2008, S. 17 f., 22; Klaus Döring: Die Megariker, Amsterdam 1972, S. 134; Dorothea Frede: Aristoteles und die âSeeschlachtâ, Göttingen 1970, S. 93 f.
cite-note-7878. â Hermann Weidemann: Das sogenannte Meisterargument des Diodoros Kronos und der Aristotelische Möglichkeitsbegriff. In: Archiv fĂŒr Geschichte der Philosophie 69, 1987, S. 18â53, hier: S. 31 f. Anm. 38.
cite-note-7979. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 49 f., 56 f., 59.
cite-note-8080. â Susanne Bobzien: Determinism and Freedom in Stoic Philosophy, Oxford 1998, S. 16, 18, 28â33, 44â50; Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 2, Udine 1984, S. 518â522.
cite-note-8181. â Maximilian Forschner: Die stoische Ethik, Stuttgart 1981, S. 104â113; Susanne Bobzien: Determinism and Freedom in Stoic Philosophy, Oxford 1998, S. 3â11; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 101â107, 117â119.
cite-note-8282. â Zur Problematik der Ăbersetzung siehe Woldemar Görler: âHauptursachenâ bei Chrysipp und Cicero? In: Rheinisches Museum fĂŒr Philologie 130, 1987, S. 254â274, hier: 254â259.
cite-note-8383. â Siehe dazu die ErlĂ€uterungen von Karl Bayer (Hrsg.): M. Tulli Ciceronis De fato, MĂŒnchen 1963, S. 155â164. Vgl. Willy Theiler: Forschungen zum Neuplatonismus, Berlin 1966, S. 73â78; Claudia Wiener: Stoische Doktrin in römischer Belletristik, MĂŒnchen/Leipzig 2006, S. 246â252; Hermann Weidemann: Ein Argument gegen den Fatalismus in Ciceros Schrift ĂŒber das Fatum (De fato, XVII 40). In: Elenchos 22, 2001, S. 111â120.
cite-note-8484. â Siehe dazu Susanne Bobzien: Determinism and Freedom in Stoic Philosophy, Oxford 1998, S. 291; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 100 f.
cite-note-8585. â Susanne Bobzien: Determinism and Freedom in Stoic Philosophy, Oxford 1998, S. 97 f., 112â119.
cite-note-8686. â Susanne Bobzien: Determinism and Freedom in Stoic Philosophy, Oxford 1998, S. 122â131.
cite-note-8787. â Max Pohlenz: Die Stoa, 7. Auflage, Göttingen 1992, S. 215â218; Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 2, Udine 1984, S. 544â547.
cite-note-8888. â Seneca, Epistulae morales 107,11. Siehe dazu Gerda Busch: Fortunae resistere in der Moral des Philosophen Seneca. In: Gregor Maurach (Hrsg.): Seneca als Philosoph, Darmstadt 1975, S. 53â94, hier: 71â94; Marc Rozelaar: Seneca, Amsterdam 1976, S. 454â459.
cite-note-8989. â Hans Rudolf Neuenschwander: Mark Aurels Beziehungen zu Seneca und Poseidonios, Bern/Stuttgart 1951, S. 84 f.
cite-note-9090. â Eine Zusammenfassung der Argumentation des Karneades bietet Magnus Schallenberg: Freiheit und Determinismus, Berlin 2008, S. 28â31.
cite-note-9191. â Albrecht Dihle: Die Schicksalslehren der Philosophie in der alten Kirche. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Band 2, Berlin 1987, S. 52â71, hier: 56â59.
cite-note-9292. â Proklos, Ăber die Vorsehung, das Schicksal und den freien Willen 7â13, 22, 44. Siehe dazu den Kommentar von Michael Erler: Proklos Diadochos: Ăber die Vorsehung, das Schicksal und den freien Willen an Theodoros, den Ingenieur (Mechaniker), Meisenheim am Glan 1980, S. 18â35, 54 f., 100 f. und Margarita Kranz: Schicksal. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 8, Basel 1992, Sp. 1275â1289, hier: 1278.
cite-note-9393. â Boethius, Der Trost der Philosophie 4,6,9â16. Vgl. Friedrich Klingner: Römische Geisteswelt, 4., vermehrte Auflage, MĂŒnchen 1961, S. 590â594.
cite-note-9494. â Boethius, Der Trost der Philosophie 5,1,8.
cite-note-9595. â Boethius, Der Trost der Philosophie 5,3,3â36. Vgl. Friedrich Klingner: Römische Geisteswelt, 4., vermehrte Auflage, MĂŒnchen 1961, S. 594â596.
cite-note-9696. â Boethius, Der Trost der Philosophie 5,4â6. Vgl. Friedrich Klingner: Römische Geisteswelt, 4., vermehrte Auflage, MĂŒnchen 1961, S. 596â598.
cite-note-9797. â Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione Philosophiae, 2., erweiterte Auflage, Berlin 2006, S. 370.
cite-note-9898. â Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 2, Udine 1984, S. 547â553; Tim OâKeefe: Epicurus on Freedom, Cambridge 2005, S. 17â21, 124â144; David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 119â126.
cite-note-9999. â JĂŒrgen Hammerstaedt: Der Kyniker Oenomaus von Gadara. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW), Band II 36.4, Berlin 1990, S. 2834â2865, hier: 2848â2850; Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 551.
cite-note-100100. â Magnus Schallenberg: Freiheit und Determinismus. Ein philosophischer Kommentar zu Ciceros Schrift De fato, Berlin 2008, S. IX, 2 f., 63â68; Elisabeth Begemann: Schicksal als Argument, Stuttgart 2012, S. 66â69.
cite-note-101101. â BĂ€rbel Platz: Fatum et libertas, Köln 1973, S. 16â18.
cite-note-102102. â BĂ€rbel Platz: Fatum et libertas, Köln 1973, S. 51â53.
cite-note-103103. â Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 547â549. Eine ausfĂŒhrliche kritische Analyse bietet Robert W. Sharples: Schriften und Problemkomplexe zur Ethik. In: Paul Moraux: Der Aristotelismus bei den Griechen, Band 3, Berlin 2001, S. 511â616, hier: 514â578.
cite-note-104104. â Albrecht Dihle: Die Schicksalslehren der Philosophie in der alten Kirche. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Band 2, Berlin 1987, S. 52â71, hier: 59 f.
cite-note-105105. â David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 11â15.
cite-note-106106. â Vettius Valens, Anthologien 5,6. In: Vettii Valentis Antiocheni anthologiarum libri novem, herausgegeben von David Pingree, Leipzig 1986, S. 210. Vgl. Jan Bergman: âI Overcome Fate, Fate Harkens to Meâ. In: Helmer Ringgren (Hrsg.): Fatalistic Beliefs in Religion, Folklore, and Literature, Stockholm 1967, S. 35â51, hier: 45; Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 2, Udine 1984, S. 499 und Anm. 55.
cite-note-107107. â Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 545.
cite-note-108108. â David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 73â76 (Ăbersicht), 82â95 (zu Philon), 96â100 (zu Favorinus).
cite-note-109109. â Siehe dazu Martin P. Nilsson: Geschichte der griechischen Religion, Band 1, 3., durchgesehene Auflage, MĂŒnchen 1967, S. 361â368.
cite-note-110110. â Homer, Ilias 20,127 f.
cite-note-111111. â Homer, Ilias 24,209 f.
cite-note-112112. â Homer, Ilias 6,487â489. Siehe zur Rolle der Moiren bei Homer Bernard Clive Dietrich: Death, Fate and the Gods, 2., korrigierte Auflage, London 1967, S. 179â193 (Forschungsgeschichte), 194â231 (eigene Untersuchung). â Vgl. Efstratios Sarischoulis: Schicksal, Götter und Handlungsfreiheit in den Epen Homers, Stuttgart 2008, S. 21â26, 274â300. Sarischoulis kritisiert in seiner Dissertation die bisherige Forschung und bestreitet die Ăbermacht des Schicksals bei Homer; vgl. aber die kritische Rezension von Pascale Hummel in Gnomon 82, 2010, S. 73.
cite-note-113113. â Hesiod, Theogonie 901â906. Vgl. Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 28 f.; Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 1, Udine 1984, S. 267 f.
cite-note-114114. â Albin Lesky: Die tragische Dichtung der Hellenen, 3., erweiterte Auflage, Göttingen 1972, S. 164â168, 272â274.
cite-note-115115. â Der gefesselte Prometheus 511â525. Vgl. William Chase Greene: Moira, Cambridge (Massachusetts) 1944, S. 124 f.
cite-note-116116. â Sophokles, Antigone 1337 f. Zum SchicksalsverstĂ€ndnis des Sophokles siehe William Chase Greene: Moira, Cambridge (Massachusetts) 1944, S. 142â171.
cite-note-117117. â Euripides, Die Phoinikierinnen 1595.
cite-note-118118. â William Chase Greene: Moira, Cambridge (Massachusetts) 1944, S. 218 f.
cite-note-119119. â Konrat Ziegler: Tyche. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band VII A,2, MĂŒnchen 1948, Sp. 1643â1696, hier: 1657â1661.
cite-note-120120. â Siehe dazu Jacques Bompaire: Le destin dans le « Zeus confondu » de Lucien de Samosate. In: François Jouan (Hrsg.): Visages du destin dans les mythologies, Paris 1983, S. 131â136; David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 111â115.
cite-note-121121. â Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon 5,2,3.
cite-note-122122. â Gertrud Herzog-Hauser: Tyche. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band VII A,2, MĂŒnchen 1948, Sp. 1643â1689, hier: 1670 f.
cite-note-123123. â Lukrez, De rerum natura 2,251â293. Siehe zu dieser Position Elisabeth Begemann: Schicksal als Argument, Stuttgart 2012, S. 313â317.
cite-note-124124. â Catull, Gedichte 64,305â383. Vgl. Marco Fernandelli: Catullo e la rinascita dellâepos, Hildesheim 2012, S. 289â307.
cite-note-125125. â Vergil, Eklogen 4,46 f. Siehe dazu Gerhard Binder: Lied der Parzen zur Geburt Octavians. In: Gymnasium 90, 1983, S. 102â122, hier: 114â116.
cite-note-126126. â Horaz, Oden 1,12,49â51. Vgl. Roland Mayer (Hrsg.): Horace: Odes. Book I, Cambridge 2012, S. 127.
cite-note-127127. â Tibull, Elegien 1,7,1 f. Vgl. Raffaele Perrelli: Commento a Tibullo: Elegie, libro I, Soveria Mannelli 2002, S. 216 f.
cite-note-128128. â Ovid, Metamorphosen 15,779â817. Siehe dazu Franz Bömer: P. Ovidius Naso: Metamorphosen. Kommentar. Buch XIVâXV, Heidelberg 1986, S. 471.
cite-note-129129. â JosĂšphe-Henriette Abry: Manilius. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Band 4, Paris 2005, S. 248â254, hier: 253; Franz-Frieder LĂŒhr: Ratio und Fatum. Dichtung und Lehre bei Manilius, Frankfurt 1969, S. 112â116.
cite-note-130130. â Silius Italicus, Punica 17,361 f. Vgl. dazu Walter Pötscher: Das römische Fatum â Begriff und Verwendung. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Band II 16.1, Berlin 1978, S. 393â424, hier: 414 f.
cite-note-131131. â Statius, Silvae 1,4,1 f.; 1,4,63 f.; 3,1,171â179; 3,5,41. Siehe dazu Gabriel Laguna (Hrsg.): Estacio, Silvas III, Sevilla 1992, S. 186 f.; Marcia L. Colish: The Stoic tradition from antiquity to the early Middle Ages, Band 1, 2., ergĂ€nzte Auflage, Leiden 1990, S. 275â281.
cite-note-132132. â Heike Sternberg-el Hotabi: âIch besiege das Schicksalâ. In: Reinhard Gregor Kratz, Hermann Spieckermann (Hrsg.): Vorsehung, Schicksal und göttliche Macht, TĂŒbingen 2008, S. 40â60, hier: 45â47.
cite-note-133133. â Claudian, Lob Stilichos 2,330â361. Vgl. Jean-Louis Charlet (Hrsg.): Claudien: Ćuvres, Band 3, Paris 2017, S. 312â314.
cite-note-134134. â Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 580â585.
cite-note-135135. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 133.
cite-note-136136. â Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 579â626. Eine ausfĂŒhrliche Untersuchung des Antifatalismus der griechischsprachigen Theologen bietet David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 191 ff.
cite-note-137137. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 61 f.
cite-note-138138. â Augustinus, Vom Gottesstaat 5,1; 5,8 f. Vgl. Jan den Boeft: Fatum. In: Cornelius Mayer (Hrsg.): Augustinus-Lexikon, Band 2, Basel 1996â2002, Sp. 1240â1244; Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 585, 616â621.
cite-note-139139. â Siehe dazu Kurt Flasch: Freiheit des Willens: 850â1150. In: Johannes Fried (Hrsg.): Die abendlĂ€ndische Freiheit vom 10. zum 14. Jahrhundert, Sigmaringen 1991, S. 17â47, hier: 23â27.
cite-note-140140. â Siehe die Ăbersichtsdarstellung bei Hans Jonas: Gnosis, Frankfurt 2008, S. 69â74; vgl. aber die Korrekturen an Jonasâ GnosisverstĂ€ndnis in den neueren Untersuchungen von Nicola Denzey Lewis: Cosmology and Fate in Gnosticism and Graeco-Roman Antiquity, Leiden 2013, S. 13â25, 29â31 (mit Erörterung der Forschungsgeschichte) und Ismo O. Dunderberg: Beyond Gnosticism, New York 2008, S. 133.
cite-note-141141. â Nicola Denzey Lewis: Cosmology and Fate in Gnosticism and Graeco-Roman Antiquity, Leiden 2013, S. 147 f., 152â159, 185â190; Giovanni Filoramo: A history of Gnosticism, Oxford 1990, S. 119 f.; David Amand: Fatalisme et libertĂ© dans lâantiquitĂ© grecque, Louvain 1945, S. 25â28.
cite-note-142142. â Albrecht Dihle: Zur Schicksalslehre des Bardesanes. In: Adolf Martin Ritter (Hrsg.): Kerygma und Logos, Göttingen 1979, S. 123â135, hier: 123 f.
cite-note-143143. â Aldo Magris: Lâidea di destino nel pensiero antico, Band 2, Udine 1984, S. 504â508; Wilhelm Gundel: Heimarmene. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band VII,2, Stuttgart 1912, Sp. 2622â2645, hier: 2638 f.; Heinrich Otto Schröder: Fatum (Heimarmene). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 7, Stuttgart 1969, Sp. 524â636, hier: 568â570.
cite-note-144144. â ChaldĂ€ische Orakel, Fragmente 102 und 103. Vgl. Ruth Majercik (Hrsg.): The Chaldean Oracles, Leiden 1989, S. 18, 180.
cite-note-145145. â ChaldĂ€ische Orakel, Fragment 153. Vgl. Ruth Majercik (Hrsg.): The Chaldean Oracles, Leiden 1989, S. 18, 198.
cite-note-146146. â Wilhelm Gundel: Heimarmene. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band VII,2, Stuttgart 1912, Sp. 2622â2645, hier: 2640â2642.
cite-note-147147. â Hildegard Kirschenknapp: Parzen und Nornen, Frankfurt 2000, S. 19â21; Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 32 f.
cite-note-148148. â Einen Ăberblick bietet Rudolf Simek: Schicksal, Schicksalsglaube. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7, MĂŒnchen 1995, Sp. 1453 f.
cite-note-149149. â Fritz Heichelheim: Parcae (keltisch). In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft. Band XVIII,4, MĂŒnchen 1949, Sp. 1417â1419.
cite-note-150150. â Ambros Josef Pfiffig: Religio Etrusca, Wiesbaden 1998, S. 146â150.
cite-note-151151. â Kianoosh Rezania: Die zoroastrische Zeitvorstellung, Wiesbaden 2010, S. 139â142. Vgl. Helmer Ringgren: Fatalism in Persian Epics, Wiesbaden 1952, S. 90 f.
cite-note-152152. â Kianoosh Rezania: Die zoroastrische Zeitvorstellung, Wiesbaden 2010, S. 140â142.
cite-note-153153. â Kianoosh Rezania: Die zoroastrische Zeitvorstellung, Wiesbaden 2010, S. 204â207. Vgl. Helmer Ringgren: Fatalism in Persian Epics, Wiesbaden 1952, S. 23â35; Robert C. Zaehner: Zurvan, Oxford 1955, S. 254â261.
cite-note-154154. â Helmer Ringgren: Studies in Arabian Fatalism, Wiesbaden 1955, S. 6â9, 30â40.
cite-note-155155. â Friedrich Nötscher: Schicksalsglaube in Qumran und Umwelt. In: Nötscher: Vom Alten zum Neuen Testament, Bonn 1962, S. 17â71, hier: 67 f.
cite-note-156156. â Eine Ăbersicht ĂŒber die Problematik und die LösungsansĂ€tze bietet Ruben Schneider: Sein, Gott, Freiheit, MĂŒnster 2016, S. 19â22, eine Zusammenfassung Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 365â369.
cite-note-157157. â Ăbersichtsdarstellungen: Simo Knuuttila: Future Contingents. In: Henrik Lagerlund (Hrsg.): Encyclopedia of Medieval Philosophy, Band 1, Dordrecht 2011, S. 371â374; Peter Adamson: Freedom and Determinism. In: Robert Pasnau, Christina Van Dyke (Hrsg.): The Cambridge History of Medieval Philosophy, Band 1, Cambridge 2010, S. 399â413, hier: 407â412; Calvin Normore: Future contingents. In: Norman Kretzmann u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Later Medieval Philosophy, Cambridge 1982, S. 358â381; Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 287â291.
cite-note-158158. â Siehe dazu Loris Sturlese: Die deutsche Philosophie im Mittelalter, MĂŒnchen 1993, S. 31â36; Kurt Flasch: Freiheit des Willens: 850â1150. In: Johannes Fried (Hrsg.): Die abendlĂ€ndische Freiheit vom 10. zum 14. Jahrhundert, Sigmaringen 1991, S. 17â47, hier: 34â37.
cite-note-159159. â Kurt Flasch: Freiheit des Willens: 850â1150. In: Johannes Fried (Hrsg.): Die abendlĂ€ndische Freiheit vom 10. zum 14. Jahrhundert, Sigmaringen 1991, S. 17â47, hier: 36 f.; Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 68 f.
cite-note-160160. â David N. Bell (Hrsg.): Bartholomaei Exoniensis Contra fatalitatis errorem, Turnhout 1996 (zur Datierung S. XXI).
cite-note-161161. â Calvin Normore: Future contingents. In: Norman Kretzmann u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Later Medieval Philosophy, Cambridge 1982, S. 358â381; William Lane Craig: The Problem of Divine Foreknowledge and Future Contingents from Aristotle to Suarez, Leiden u. a. 1988, S. 1, 99â168.
cite-note-162162. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 215â228, 250.
cite-note-163163. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 190â197, 264â270.
cite-note-164164. â Franz Tinnefeld: Schicksal und Vorherbestimmung im Denken der Byzantiner. In: Das Mittelalter 1, 1996, S. 21â42, hier: 39; Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 68, 134 f.
cite-note-165165. â Stamatios Gerogiorgakis: Futura contingentia, necessitas per accidens und PrĂ€destination in Byzanz und in der Scholastik, Frankfurt 2017, S. 68â71.
cite-note-166166. â Ădouard des Places (Hrsg.): Oracles chaldaĂŻques avec un choix de commentaires anciens, 5. Auflage, Paris 2010, S. 183. Vgl. Michael Stausberg: Faszination Zarathustra, Teil 1, Berlin 1998, S. 185.
cite-note-167167. â Franz Tinnefeld: Schicksal und Vorherbestimmung im Denken der Byzantiner. In: Das Mittelalter 1, 1996, S. 21â42, hier: 31 f.; vgl. die Ăbersetzung einer einschlĂ€gigen Passage aus Plethons Nomoi in: Wilhelm Blum, Walter Seitter (Hrsg.): Georgios Gemistos Plethon (1355â1452), ZĂŒrich/Berlin 2005, S. 13â17.
cite-note-168168. â Siehe dazu Winthrop Wetherbee (Hrsg.): Bernardus Silvestris: Poetic Works, Cambridge (Massachusetts)/London 2015, S. XXXIIIâXXXVIII. Vgl. die ausfĂŒhrliche Interpretation von Christine Ratkowitsch: Astrologie und Selbstmord im Mathematicus. In: Wiener Studien 112, 1999, S. 175â229.
cite-note-169169. â Zur Geschichte des GlĂŒcksrad-Motivs siehe Howard R. Patch: The Goddess Fortuna in Mediaeval Literature, New York 1967 (Nachdruck der Ausgabe von 1927), S. 147â177; Adriaan Miltenburg: Fortuna. In: Lexikon des Mittelalters, Band 4, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1989, Sp. 665 f.
cite-note-170170. â Eckhard Kessler: Petrarca und die Geschichte, MĂŒnchen 1978, S. 148â151, 155â158.
cite-note-171171. â Walter RĂŒegg: Entstehung, Quellen und Ziel von Salutatis âDe fato et fortunaâ. In: Rinascimento 5, 1954, S. 143â190, hier: 144â147, 178.
cite-note-172172. â Antonino Poppi: Fate, fortune, providence and human freedom. In: Charles B. Schmitt (Hrsg.): The Cambridge History of Renaissance Philosophy, Cambridge 1988, S. 641â667, hier: 647 f.
cite-note-173173. â Michael Stausberg: Faszination Zarathustra, Teil 1, Berlin 1998, S. 184 f.
cite-note-174174. â Gernot Michael MĂŒller: Moiren. In: Maria Moog-GrĂŒnewald (Hrsg.): Mythenrezeption (= Der Neue Pauly. Supplementeband 5), Stuttgart/Weimar 2008, S. 436â440, hier: 439 f. Die Zeichnung befindet sich im Museum Boymans-van Beuningen in Rotterdam.
cite-note-175175. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 134 f.; Theodor Mahlmann: PrĂ€destination. V. Reformation bis Neuzeit. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 27, Berlin 1997, S. 118â156, hier: 118â130; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 128â143.
cite-note-176176. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 128â134.
cite-note-177177. â Max Weber: Gesammelte AufsĂ€tze zur Religionssoziologie, 5. Auflage, TĂŒbingen 1963, S. 93 f.
cite-note-178178. â Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 163 Anm. 356.
cite-note-179179. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 72â78.
cite-note-180180. â Barbara Handwerker KĂŒchenhoff: Spinozas Theorie der Affekte, WĂŒrzburg 2006, S. 87â90; Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 87â89, 100â111.
cite-note-181181. â Gottfried Wilhelm Leibniz: Essais de thĂ©odicĂ©e (= Leibniz: Philosophische Schriften, Band 2/1), hrsg. von Herbert Herring, Darmstadt 1985, S. 14â22. Vgl. zu Leibnizâ FatalismusverstĂ€ndnis Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 138â142.
cite-note-182182. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 126 f.; BĂ€rbel Platz: Fatum et libertas, Köln 1973, S. 103â115.
cite-note-183183. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 142â148.
cite-note-184184. â Birgit Sandkaulen: Grund und Ursache, MĂŒnchen 2000, S. 54â63; JĂŒrgen Ruhnau: Fatalismus. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2, Basel 1972, Sp. 913â915, hier: 913. Zum Spinozismusstreit siehe die Ăbersichtsdarstellung von Thomas Leinkauf: Der Pantheismusstreit. In: Helmut Holzhey, Vilem Mudroch (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts, Band 5, Halbband 1, Basel 2014, S. 607â618.
cite-note-185185. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 127.
cite-note-186186. â Siehe dazu Yvon Belaval (Hrsg.): Diderot: Jacques le Fataliste et son maĂźtre, Paris 2016, S. 30â33; Monika Oertner: Fatalismus, Konstanz 2005, S. 3â9.
cite-note-187187. â Immanuel Kant: Prolegomena zu einer jeden kĂŒnftigen Metaphysik, § 60.
cite-note-188188. â Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft 181. Vgl. Georg Sans: Fatalismus. In: Marcus Willaschek u. a. (Hrsg.): Kant-Lexikon, Band 1, Berlin 2015, S. 601; Georg von Wallwitz: Kant ĂŒber Fatalismus und SpontaneitĂ€t. In: Allgemeine Zeitschrift fĂŒr Philosophie 28, 2003, S. 207â227, hier: 210, 212.
cite-note-189189. â Georg von Wallwitz: Kant ĂŒber Fatalismus und SpontaneitĂ€t. In: Allgemeine Zeitschrift fĂŒr Philosophie 28, 2003, S. 207â227, hier: 214 f.
cite-note-190190. â Johannes Römelt: âMerke auf dich selbstâ. In: Fichte-Studien 1, 1990, S. 73â98, hier: 75 f.; JĂŒrgen Ruhnau: Fatalismus. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2, Basel 1972, Sp. 913â915, hier: 914.
cite-note-191191. â Horst D. Brandt, Peter MĂŒller (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: System des transzendentalen Idealismus, Hamburg 1992, S. 271 f. Vgl. Christian Danz: Geschichte als fortschreitende Offenbarung Gottes. In: Christian Danz u. a. (Hrsg.): System als Wirklichkeit, WĂŒrzburg 2001, S. 69â82, hier: 79â81.
cite-note-192192. â Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Ăsthetik II (= Hegel: Werke, Band 14), hrsg. von Eva Moldenhauer, Karl Markus Michel, Frankfurt 1970, S. 108 f. Vgl. Dieter Bremer: Der Begriff des Schicksals bei Hegel und seine griechischen UrsprĂŒnge. In: Antike und Abendland 35, 1989, S. 24â38, hier: 32â38.
cite-note-193193. â Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena I (= Schopenhauer: SĂ€mtliche Werke, Band 4), hrsg. von Wolfgang von Löhneysen, Darmstadt 1963, S. 247.
cite-note-194194. â Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung I (= Schopenhauer: SĂ€mtliche Werke, Band 1), hrsg. von Wolfgang von Löhneysen, Darmstadt 1961, S. 174.
cite-note-195195. â Arthur Schopenhauer: Preisschrift ĂŒber die Freiheit des Willens. In: Schopenhauer: Kleinere Schriften (= SĂ€mtliche Werke, Band 3), hrsg. von Wolfgang von Löhneysen, Darmstadt 1968, S. 519â627, hier: 581.
cite-note-196196. â Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena I (= Schopenhauer: SĂ€mtliche Werke, Band 4), hrsg. von Wolfgang von Löhneysen, Darmstadt 1963, S. 248â256. Siehe zu Schopenhauers Sichtweise Kiyoshi Nishigami: Nietzsches Amor fati, Frankfurt 1993, S. 220â223.
cite-note-197197. â Sören Kierkegaard: Die Krankheit zum Tode, ĂŒbersetzt von Hans Rochol, Hamburg 1995, S. 38â40. Vgl. JĂŒrgen Boomgaarden: Das verlorene Selbst, Göttingen 2016, S. 158â160, 163 f.
cite-note-198198. â Sören Kierkegaard: Der Begriff Angst, ĂŒbersetzt von Hans Rochol, Hamburg 1984, S. 105 f. Vgl. Michael Bösch: SĂžren Kierkegaard: Schicksal â Angst â Freiheit, Paderborn 1994, S. 111â115, 123â126.
cite-note-199199. â Siehe dazu Robert C. Solomon: Nietzsche on Fatalism and âFree Willâ. In: The Journal of Nietzsche Studies 23, 2002, S. 63â87, hier: 63 f., 66â71; Kiyoshi Nishigami: Nietzsches Amor fati, Frankfurt 1993, S. 229â237, 252, 268 f.
cite-note-200200. â Eduard von Hartmann: PhĂ€nomenologie des sittlichen Bewusstseins, Berlin 1879, S. 737 f.
cite-note-201201. â Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. In: Max Weber: Gesamtausgabe, Band I/18, TĂŒbingen 2016, S. 123â492, hier: 316 f.
cite-note-202202. â Siehe dazu GĂŒnther Patzig: Aristoteles, Ćukasiewicz und die UrsprĂŒnge der mehrwertigen Logik. In: Patzig: Gesammelte Schriften, Band 3, Göttingen 1996, S. 218â229.
cite-note-203203. â Oswald Spengler: Urfragen, MĂŒnchen 1965, S. 346, 349. Siehe zu Spenglers Fatalismus Michael Biddiss: History as Destiny: Gobineau, H. S. Chamberlain and Spengler. In: Transactions of the Royal Historical Society 7, 1997, S. 73â100, hier: 89â92.
cite-note-204204. â Thomas Mann: Ăber die Lehre Spenglers. In: Mann: Reden und AufsĂ€tze, Band 2, 2., durchgesehene Auflage, Frankfurt 1960, S. 172â180, hier: 174. Siehe dazu Barbara BeĂlich: Faszination des Verfalls, Berlin 2002, S. 47â52.
cite-note-205205. â Karl Jaspers: Psychologie der Weltanschauungen, Berlin 1919, S. 240 f.
cite-note-206206. â Max Scheler: Die Wissensformen und die Gesellschaft, 2., durchgesehene Auflage, Bern 1960, S. 40 f.
cite-note-207207. â Max Scheler: Schriften aus dem Nachlass, Band 1, 2., erweiterte Auflage, Bern 1957, S. 352 f.
cite-note-208208. â Arnold Toynbee: Der Gang der Weltgeschichte, 2., erweiterte Auflage, Stuttgart 1949, S. 442, 446â449 (Erstveröffentlichung der ungekĂŒrzten englischen Originalausgabe 1939).
cite-note-209209. â Gilbert Ryle: It Was To Be. In: Ryle: Dilemmas, Cambridge 1954, S. 15â35, hier: 21â24, 26â28. Vgl. dazu Steven M. Cahn: Fate, Logic, and Time, New Haven/London 1967, S. 41 f.
cite-note-210210. â Alfred Jules Ayer: Fatalism. In: Ayer: The Concept of a Person, London 1963, S. 235â268, hier: 247â255.
cite-note-211211. â Arthur Norman Prior: The Formalities of Omniscience. In: Philosophy 37, 1962, S. 114â129.
cite-note-212212. â Richard Taylor: Fatalism. In: The Philosophical Review 71, 1962, S. 56â66.
cite-note-213213. â Siehe die Zusammenstellung der BeitrĂ€ge in Steven M. Cahn, Maureen Eckert (Hrsg.): Fate, Time, and Language, New York 2011.
cite-note-214214. â Steven M. Cahn: Introduction. In: Steven M. Cahn, Maureen Eckert (Hrsg.): Fate, Time, and Language, New York 2011, S. 37â39.
cite-note-215215. â John Randolph Lucas: The Future, Oxford 1989, S. 182â201.
cite-note-216216. â Mark Jago: Fatalism. In: The Continuum Encyclopedia of British Philosophy, Band 2, London/New York 2006, S. 1059 f., hier: 1059.
cite-note-217217. â Nelson Pike: Divine Omniscience and Voluntary Action. In: The Philosophical Review 74, 1965, S. 27â46.
cite-note-218218. â Siehe dazu die BeitrĂ€ge in dem von Eleonore Stump, Georg Gasser und Johannes Grössl herausgegebenen Sammelband Göttliches Vorherwissen und menschliche Freiheit, Stuttgart 2015.
cite-note-219219. â Linda Zagzebski: Eternity and Fatalism. In: Christian Tapp, Edmund Runggaldier (Hrsg.): God, Eternity, and Time, Farnham 2011, S. 65â80.
cite-note-220220. â Steven M. Cahn, Maureen Eckert (Hrsg.): Fate, Time, and Language, New York 2011.
cite-note-221221. â Peter Sloterdijk: Schicksalsfragen. Ein Roman vom Denken. In: Dietmar Jaegle (Hrsg.): Schicksal. Sieben mal sieben unhintergehbare Dinge, Marbach 2011, S. 15â72, hier: 69 f.
cite-note-222222. â Paul Hankamer: Schicksalstragödie. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, 2. Auflage, Band 3, Berlin 1977, S. 626â633, hier: 626 f., 633; Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 217â220.
cite-note-223223. â Rudolf Werner: Die Schicksalstragödie und das Theater der Romantik, MĂŒnchen 1963, S. 7â11, 140.
cite-note-224224. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 211â216.
cite-note-225225. â Beate Thiemann: Die Sinfonien Gian Francesco Malipieros, Kassel 2001, S. 407 f.; Gernot Michael MĂŒller: Moiren. In: Maria Moog-GrĂŒnewald (Hrsg.): Mythenrezeption (= Der Neue Pauly. Supplementband 5), Stuttgart/Weimar 2008, S. 436â440, hier: 440.
cite-note-226226. â Rolf Wilhelm Brednich: SchicksalserzĂ€hlungen, Schicksalsfrauen, Schicksalskind. In: EnzyklopĂ€die des MĂ€rchens, Band 11, Berlin 2004, Sp. 1386â1406, hier: 1386 f. Umfangreiches Material bietet Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 78â148.
cite-note-227227. â Rolf Wilhelm Brednich: SchicksalserzĂ€hlungen, Schicksalsfrauen, Schicksalskind. In: EnzyklopĂ€die des MĂ€rchens, Band 11, Berlin 2004, Sp. 1386â1406, hier: 1387, 1395 f.
cite-note-228228. â Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 222.
cite-note-229229. â Albert Doja: La mythologie du destin dans la tradition albanaise et les autres populations sud-est europĂ©ennes. In: SĂŒdost-Forschungen 56, 1997, S. 189â211, hier: 202â206.
cite-note-230230. â Georgios Megas: Die Moiren als funktioneller Faktor im neugriechischen MĂ€rchen. In: Hugo Kuhn, Kurt Schier (Hrsg.): MĂ€rchen, Mythos, Dichtung, MĂŒnchen 1963, S. 47â62, hier: 47â49; Katerina KrikosâDavis: Moira at birth in Greek tradition. In: Folia Neohellenica 4, 1982, S. 106â134, hier: 115â118, 125â130; Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 19â28, 159â167.
cite-note-231231. â Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 167â172; Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 67â71.
cite-note-232232. â Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 172â188.
cite-note-233233. â Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 189â195.
cite-note-234234. â Rolf Wilhelm Brednich: VolkserzĂ€hlungen und Volksglaube von den Schicksalsfrauen, Helsinki 1964, S. 197â205.
cite-note-235235. â Nessa NĂ ShĂ©aghdha (Hrsg.): TĂłruigheacht Dhiarmada agus GhrĂĄinne, Dublin 1967, S. 86 f. Vgl. Eleanor Hull: Fate (Celtic): In: Encyclopaedia of Religion and Ethics, Band 5, Edinburgh 1912, S. 782 f.
cite-note-236236. â Eine ForschungsĂŒbersicht bietet Jerold C. Frakes: The Fate of Fortune in the Early Middle Ages, Leiden 1988, S. 83â100. Vgl. Gerd Wolfgang Weber: Wyrd, Bad Homburg 1969, S. 14â17, 20 f., 125 f.
cite-note-237237. â Ă
ke V. Ström, Haralds Biezais: Germanische und Baltische Religion, Stuttgart 1975, S. 249â255; Eduard Neumann: Das Schicksal in der Edda, Band 1, GieĂen 1955, S. 50 f.
cite-note-238238. â François-Xavier Dillmann: Nornen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 21, Berlin 2002, S. 388â394, hier: 389â392; Anthony Winterbourne: When the Norns Have Spoken, Madison 2004, S. 92â103.
cite-note-239239. â Matthias Egeler: WalkĂŒren, Bodbs, Sirenen, Berlin 2011, S. 32 und Anm. 52, S. 38 f.; Ute Zimmermann: WalkĂŒren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 35, Berlin 2007, S. 595â602, hier: 595 f., 598 f.; Sylvie Ballestra-Puech: Les Parques, Toulouse 1999, S. 55â58.
cite-note-240240. â Friedrich Nötscher: Schicksalsglaube in Qumran und Umwelt. In: Nötscher: Vom Alten zum Neuen Testament, Bonn 1962, S. 17â71, hier: 68 f.; Dalya Cohen-Mor: A Matter of Fate, Oxford 2001, S. 51â53.
cite-note-241241. â Helmer Ringgren: Studies in Arabian Fatalism, Wiesbaden 1955, S. 94â97.
cite-note-242242. â Dalya Cohen-Mor: A Matter of Fate, Oxford 2001, S. 31. Vgl. Helmer Ringgren: Studies in Arabian Fatalism, Wiesbaden 1955, S. 97â104.
cite-note-243243. â Louis Gardet: al-ážłaážÄÊŸ wa âl-ážładar. In: The Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage, Band 4, Leiden 1978, S. 365â367; Josef van Ess: ážČadariyya. In: The Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage, Band 4, Leiden 1978, S. 368â372; Dalya Cohen-Mor: A Matter of Fate, Oxford 2001, S. 3â9.
cite-note-244244. â William Montgomery Watt: Djabriyya. In: The Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage, Band 2, Leiden/London 1965, S. 365.
cite-note-245245. â Franziska Rehlinghaus: Die Semantik des Schicksals, Göttingen 2015, S. 128â130, 142â153; Marco Frenschkowski: Schicksal. In: EnzyklopĂ€die des MĂ€rchens, Band 11, Berlin 2004, Sp. 1380â1385, hier: 1382 f.; Marco Brusotti: Die Leidenschaft der Erkenntnis, Berlin 1997, S. 157 f. und Anm. 282.
cite-note-246246. â Helmer Ringgren: Fatalism in Persian Epics, Wiesbaden 1952, S. 5 f., 9â23, 49â79, 129 f.; Geo Widengren: Iranische Geisteswelt, Baden-Baden 1961, S. 107 f.
cite-note-247247. â ÊżAbd-al-កosayn ZarrÄ«nkĆ«b: Fatalism. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): EncyclopĂŠdia Iranica, Band 9, New York 1999, S. 396â398.
cite-note-248248. â Isidor Scheftelowitz: Die Zeit als Schicksalsgottheit in der indischen und iranischen Religion, Stuttgart 1929, S. 6â10; Helmer Ringgren: Fatalism in Persian Epics, Wiesbaden 1952, S. 35â40; Peter Hill: Fate, Predestination and Human Action in the MahÄbhÄrata, New Delhi 2001, S. 195â199.
cite-note-249249. â Vgl. zu diesem Gedanken Mogens Bröndsted: Dichtung und Schicksal, Innsbruck 1989, S. 136 und Anm. 215, 216.
cite-note-250250. â Angelika Malinar: Time and Destiny. In: Brillâs Encyclopedia of Hinduism, Band 2, Leiden 2010, S. 870â876, hier: 873 f.
cite-note-251251. â Angelika Malinar: Time and Destiny. In: Brillâs Encyclopedia of Hinduism, Band 2, Leiden 2010, S. 870â876, hier: 874 f.
cite-note-252252. â Siehe dazu Arthur L. Basham: History and Doctrines of the Ajivikas, London 1951, S. 3 f., 224â235.
cite-note-253253. â Balbinder Singh Bhogal: Fate (Destiny), Sikhism. In: Arvind-Pal Singh Mandair (Hrsg.): Sikhism, Dordrecht 2017, S. 137â142, hier: 140.
cite-note-254254. â Konfuzius, Lun yu 14.36.
cite-note-255255. â Konrad Meisig: Die Ethik des Konfuzius. In: Konrad Meisig (Hrsg.): Chinesische Religion und Philosophie, Wiesbaden 2005, S. 1â33, hier: 3â5; Tilemann Grimm: Meister Kung, Opladen 1976, S. 22 f.; Yixia Wei: The Chinese Philosophy of Fate, Singapore 2017, S. 1â5, 33â39.
cite-note-256256. â Siehe dazu die Untersuchung von Michael Puett: Following the Commands of Heaven. The Notion of Ming in Early China. In: Christopher Lupke (Hrsg.): The Magnitude of Ming, Honolulu 2005, S. 49â69.
cite-note-257257. â Mengzi 2B13. Vgl. Hubert Schleichert, Heiner Roetz: Klassische chinesische Philosophie, 3., neu bearbeitete Auflage, Frankfurt 2009, S. 73.
cite-note-258258. â Konrad Meisig: Die Ethik des Konfuzius. In: Konrad Meisig (Hrsg.): Chinesische Religion und Philosophie, Wiesbaden 2005, S. 1â33, hier: 5 f.
cite-note-259259. â Ning Huang: Wie Chinesen denken, MĂŒnchen 2008, S. 40; Ted Slingerland: The Conception of Ming in Early Confucian Thought. In: Philosophy East & West 46, 1996, S. 567â581.
cite-note-260260. â Hubert Schleichert, Heiner Roetz: Klassische chinesische Philosophie, 3., neu bearbeitete Auflage, Frankfurt 2009, S. 72â77.
cite-note-261261. â Hubert Schleichert, Heiner Roetz: Klassische chinesische Philosophie, 3., neu bearbeitete Auflage, Frankfurt 2009, S. 67â69; Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 1, Princeton 1952, S. 115â117.
cite-note-262262. â Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 1, Princeton 1952, S. 99 f.; Reinhard Emmerich: Religiöse Einstellungen der Mohisten. In: Konrad Meisig (Hrsg.): Chinesische Religion und Philosophie, Wiesbaden 2005, S. 35â52, hier: 46â48.
cite-note-263263. â Chris Fraser: The Philosophy of the MĂČzÇ, New York 2016, S. 40â48; Yixia Wei: The Chinese Philosophy of Fate, Singapore 2017, S. 13â23.
cite-note-264264. â Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 2, Princeton 1953, S. 162â164.
cite-note-265265. â Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 2, Princeton 1953, S. 163 f.; Yixia Wei: The Chinese Philosophy of Fate, Singapore 2017, S. 93 f., 101â103.
cite-note-266266. â Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 2, Princeton 1953, S. 164â167; Yixia Wei: The Chinese Philosophy of Fate, Singapore 2017, S. 93, 97.
cite-note-267267. â Hubert Schleichert, Heiner Roetz: Klassische chinesische Philosophie, 3., neu bearbeitete Auflage, Frankfurt 2009, S. 75.
cite-note-268268. â Geo Widengren: Hochgottglaube im alten Iran, Uppsala/Leipzig 1938, S. 8 f., 11 f., 18 f., 23, 37, 42, 44â47, 60, 65â67, 87â93.